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Borussia Mönchengladbach
Borussias Spielweise bleibt ein Balanceakt

Borussia Mönchengladbach: Borussias Spielweise bleibt ein Balanceakt
Da war die Borussen-Welt ergebnistechnisch noch in Ordnung: Neuzugang Jonas Hofmann und Ibo Traoré bejubeln Traorés 1:0 in Bochum. FOTO: Wiechmann
Mönchengladbach. Bei Borussia will man das 2:5 von Bochum nicht überbewerten, doch die Niederlage liefert den neuerlichen Nachweis, dass im Gladbacher Spiel vieles wegbricht, wenn Details und Abstimmung nicht stimmen. Von Stefan Klüttermann und Jannik Sorgatz

Immerhin befand sich Borussia in prominenter Gesellschaft, was eine verlorene Rückrunden-Generalprobe bei einem unterklassigen Klub anging. Denn so wie die Gladbacher in Bochum 2:5 verloren, setzten auch die Münchner Bayern beim 1:2 in Karlsruhe ihren letzten Test vor dem Bundesligastart am kommenden Wochenende in den Sand. Borussias fünf Gegentore wirkten für die Verantwortlichen dabei indes weniger deprimierend als erhellend - als Finger in der Wunde, die man seit längerem zu schließen versucht: die fehlende Balance. "Wir haben gegen Bochum gesehen, was passiert, wenn wir nicht komplett fokussiert sind. Dann unterlaufen uns Fehler - vorne wie hinten", sagte Trainer André Schubert hinterher.

Borussias Partien bleiben auch 2016 offenbar erstmal ein interner Kampf zwischen offensivem Spektakel und defensiven Offenbarungseiden. Wer von beiden letztlich binnen 90 Minuten die Oberhand behält, der entscheidet über Sieg oder Niederlage für den VfL. Alles wie im Dezember also, könnte man meinen, wie in Manchester, wie gegen, Bremen, wie gegen Darmstadt auch wie gegen die Bayern. Der BVB könne mit diesem Spiel in Bochum in der Analyse für den Samstagabend sicherlich nicht viel anfangen, scherzte Schubert, aber er sagte eben auch: "Die Gegentore haben wir teilweise hergeschenkt, und in unseren Offensivaktionen fehlte uns gleichzeitig die Klarheit."

Balance bleibt also weiterhin das große Projekt, dem Schubert sich in der Rückrunde wird widmen müssen, an dem er sich wird messen lassen müssen. Die "Ein-Tor-mehr-schießen-als-der-Gegner"-Taktik bietet Unterhaltung, Spannung und bislang auch Erfolg. Aber sie wird nicht immer gut gehen, sie wird Elemente des Favreschen "Ein Tor weniger kassieren als der Gegner" brauchen, damit Borussia im Sommer erneut eine Europapokalteilnahme bejubeln darf. In Bochum münzten Ibo Traoré und Lars Stindl Borussias Überlegenheit zweimal in eine Führung um, aber Aussetzer in der Defensivarbeit servierten den Bochumern schließlich einen Kantersieg auf dem Silbertablett.

Selbst ein Andreas Christensen, bei dem man ob seiner Abgeklärtheit im Spiel fast schon sein Alter von 19 Jahren vergessen hatte, patzte im früheren Ruhrstadion und fühlte sich als linker Innenverteidiger (neben Martin Stranzl) sichtbar unwohl. "Bei Andreas hat sich gezeigt, dass er sich auf der rechten Seite etwas wohler fühlt. Uns war aber wichtig, Andreas noch einmal als linken Innenverteidiger und Martin Hinteregger daneben auf der Außenbahn zu sehen", sagte Schubert. Hinteregger vertrat den geschonten Oscar Wendt, der für das Dortmund-Spiel (Samstag, 18.30 Uhr/Live-Ticker) aber wieder zur Verfügung stehen wird.

Gestern und heute haben die Borussen frei, dann beginnt die Vorbereitung auf den BVB. Ein BVB, gegen den Borussia mehr Kompaktheit und mehr Gefühl für das richtige Verhalten in der richtigen Situation an den Tag legen muss, will man nicht ins offene Messer laufen. "Wenn du auf einem hohen Niveau agierst, sind es Kleinigkeiten, an denen du arbeiten musst", sagt Schubert. Diese Kleinigkeiten sind offensichtlich. Nicht erst seit Samstag.

Quelle: RP
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