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Borussia Mönchengladbach
Borussias System greift noch nicht
Bundesliga 12/13, Hoffenheim - Gladbach: Einzelkritik
Bundesliga 12/13, Hoffenheim - Gladbach: Einzelkritik FOTO: dpa, Uwe Anspach
Sinsheim. Bundesligist Borussia Mönchengladbach erarbeitete sich bei der vom Abstieg bedrohten TSG Hoffenheim zu wenig Torchancen. Trainer Lucien Favre setzt auf die Politik der kleinen Schritte. Von Karsten Kellermann

15 Minuten waren gespielt in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena, als Lucien Favre das Kommando gab. Drei Finger reckte der Trainer von Borussia Mönchengladbach in die Höhe, das bedeutete: Umschalten von 4-4-2 auf 4-3-3. Tolga Cigerci, bis dahin auf der rechten Außenbahn unterwegs, wechselte in die Mitte, Havard Nordtveit zog sich von der Doppelsechs nach vorn und Patrick Herrmann war nun nicht mehr zweiter Angreifer neben Luuk de Jong, sondern fortan Außenstürmer. Borussia spielte jetzt mit drei Spitzen und einer Triangel im Mittelfeld: Thorben Marx übernahm den defensiven Part, Nordtveit und Cigerci sollten weiter vorn das Spiel entwickeln.

Knalleffekt bleibt aus

Die Gladbacher haben die systemische Flexibilität im Trainingslager in Dubai einstudiert, das Bundesligaspiel bei 1899 Hoffenheim war der erste offizielle Probelauf. Der Knalleffekt blieb jedoch aus. Es blieb nach 92 Minuten beim 0:0. Doch es war durchaus zu besichtigen, was Favre will: viel Ballbesitz, mehr Spiel über die Flügel, um de Jong, den zentralen Stürmer besser ins Szene zu setzen. Punkt eins hakten die Borussen ab, sie hatten 65 Prozent Ballbesitz. Teil zwei der Mission funktionierte jedoch nicht so gut. "Wenn du so oft den Ball hast, musst du mehr Torchancen haben", moniert Favre. Nur zwei echte Chancen gab es, nur eine aus dem Spiel heraus. Nach Juan Arangos hübschem Pass nahm de Jong, den ansonsten zu wenig Brauchbares erreichte, den Ball gekonnt an und schoss sofort – über das Tor (60.). Zehn Minuten später flog ein Kopfball von Roel Brouwers nach einer Nordtveit-Ecke Ziel vorbei.

Favre ist dabei, die Borussen weiterzuentwickeln. Die Offenheit in der Defensive, die seinem Team in der Hinrunde zeitweise debakulöse Niederlagen einbrachte, hat der Trainer wieder abgestellt. Borussia spielte zum Ende des ersten Saisonteils unspektakulär, aber erfolgreich. Das 0:0 bei 1899 Hoffenheim war das achte Pflichtspiel in Folge ohne Niederlage.

"Wir haben uns stabilisiert"

"Wir haben uns stabilisiert", sagte Sportdirektor Max Eberl. Nun sucht Favre die optimale Mischung für die Offensive. Darum hat er den Variantenreichtum des Teams erhöht, um mehr Überraschungsmomente zu kreieren. Ansätze gab es in Sinsheim, aber die Konsequenz fehlte. Tolga Cigerci ist einer, der eine besondere Rolle spielen kann. Er ist zurückgekehrt ins Team, nachdem er zuvor seinen Stammplatz verloren hatte. Cigerci ist schnell, laufstark und technisch versiert, er hat Spielmacherqualitäten, leistet sich aber durch seine Flapsigkeit ärgerliche Fehler. "Ich brauche viel Ballbesitz – und davon habe ich mehr, wenn ich zentral spiele", sagt er.

"Es hat die Beschleunigung mit dem Ball gefehlt", erklärte Favre im Detail, warum es gegen die schlechteste Abwehr der Liga nur zu dem torlosen Remis reichte. Daran wird der akribische Schweizer nun arbeiten. "Schritt für Schritt" soll es vorangehen bei den Borussen. Das passt zu dem, wie die Gladbacher für sich diese Saison definieren. "Nach der Relegationsrettung und Platz vier geht es nun darum, sich als Team zu finden und eine Saison im einstelligen Bereich zu spielen. Was darüber hinaus geht, nehmen wir mit", sagte Max Eberl. Aus Sinsheim brachten die Borussen zumindest einen Punkt mit. "Wenn man auswärts einen Punkt holt, ist das in Ordnung, gerade am ersten Spieltag nach der Winterpause", sagte Lucien Favre.

Quelle: RP/seeg
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