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Borussia Mönchengladbach
Hrgota und Hahn kopieren die Torfolge von Homburg

Fotos: Hrgota nutzt Fehlgriff von Sarajevo-Keeper aus
Fotos: Hrgota nutzt Fehlgriff von Sarajevo-Keeper aus FOTO: Dirk Päffgen
Sarajevo. Am Ende wollten die Fans die Mannschaft sehen. Und natürlich den Trainer. So reihten sich die Borussen im Stadion Asim Ferhatovic-Hase vor dem Block der mitgereisten Gladbach-Freunde auf und machten die Welle. Auch Lucien Favre ließ sich nicht lumpen. Von Karsten Kellermann

3:2 siegte Borussia beim bosnischen Tabellenführer FK Sarajevo und hat sich damit für das zweite und entscheidende Play-off-Spiel am kommenden Donnerstag eine hervorragende Ausgangsposition verschafft. Favres Team ist dem großen Ziel, der Gruppenphase der Europa League, ein gutes Stück nähergekommen.

Der Mann, der vor allem dafür verantwortlich war, stand über eine Stunde nach dem Spiel auf der Laufbahn der baufälligen Arena in Sarajevo und musste erklären, wie er binnen sechs Tagen zum zweiten Mal mit einem Doppelpack einen Erfolgs möglich gemacht hatte. "Zwei Tore jetzt und 3:2 gewonnen, das ist gut. Es läuft bei mir", sagte Hrgota. Kurios war, dass die Torfolge in Sarajevo exakt dieselbe war, wie am Samstag im Pokalspiel in Homburg (3:1). Das 0:1 erzielte wie im Saarland André Hahn, danach traf Hrgota zweimal.

Hahn trifft nach doppelter Hacke FOTO: Screenshot Kabel1

Kurz vor der Pause traf Hrgota mit dem Kopf, beim 3:2 schlenzte er den Ball sehenswert in den Winkel. Hahn war bei seinem Treffer ebenfalls kompromisslos. Nach der eleganten Vorbereitung durch Raffael und Ibrahima Traoré knallte er den Ball mit rechts ins Tor. Er freute sich riesig über den zweiten Treffer im zweiten Pflichtspiel für Borussia. "Das freut mich natürlich sehr, es ist ein super Start für mich in Gladbach", sagte Hahn.

Er bereitete zudem das 2:1 kurz vor der Pause mit einer starken Flanke vor. "Beim 1:0 treffe ich den Ball perfekt, die Flanke war später nicht leicht, weil es ein schwieriger Ball nach außen war und der Boden seifig. Aber ich bekomme den Ball noch und wenn ich eine Flanke schlage, dann ist da schon Überzeugung drin. Natürlich hat der Torwart den Ball verpasst, das war ein bisschen Glück. Aber zum Glück hat Branimir dahinter gelauert", sagte Hahn, der in seinem ersten Europapokalspiel gleich traf. "Wir waren vorne sehr effektiv. Es ist gut, wenn man Leute hat, die die Chancen so nutzen", sagte Sportdirektor Max Eberl.

Eberl steht hinter Sommer

Dass der neue Torwart Yann Sommer beim Ausgleich der Bosnier patzte – "Ich kann das Tor auf meine Kappe nehmen", gab der Schweizer zu – wollte Eberl nicht überbewerten. "Er weiß selbst am besten, dass es sein Fehler war. Aber er ist danach wieder stabil geworden und hat in der zweiten Halbzeit alle Flanken abgefangen. Damit hat er sich sein Selbstvertrauen zurückgeholt", sagte Eberl.

Fotos: Sommers Patzer leitet 1:1 gegen Sarajevo ein FOTO: Dirk Päffgen

Dass es keine Glanzleistung war, die im zweiten Pflichtspiel den zweiten Sieg brachte, wussten die Gladbacher. "Als Mannschaft müssen wir taktisch noch besser zusammenstehen und verteidigen. Wir haben Sarajevo doch sehr viel flanken lassen. Das bedeutet immer wieder Gefahr. Es war komischerweise so, dass wir uns nach unseren Führungen haben fallen lassen und den Gegner und das Publikum wieder kommen lassen. Wir haben es nicht geschafft, früh für Ruhe zu sorgen", sagte Eberl.

Trainer Lucien Favre sah sich bestätigt in dem, was er vorab herausgefunden hatte: "Es war ein schwieriges Spiel, das habe ich gesagt. Der Gegner war technisch sehr gut. Aber wir haben 3:2 gewonnen mit einem tollen dritten Tor. Doch wir haben auch gesehen, dass wir noch viel zu tun haben, spielerisch und taktisch, wenn wir verteidigen", sagte Favre.

Einzelkritik: Sommer, Raffael und Xhaka bekommen die Note 5 FOTO: Dirk Päffgen

Tatsächlich brachte Sarajevo den Bundesligisten mit einfachsten Mitteln immer wieder in Verlegenheit – auch, weil sich im defensiven Mittelfeld Havard Nordtveit und Granit Xhaka schwer taten, dem Gladbacher Spiel Struktur zu geben. Auch Raffael, sonst Taktgeber der Borussen, fand keinen Zugriff auf das Geschehen. "Natürlich müssen wir noch etwas verbessern. Aber wir haben gewonnen, und nur das ist wichtig", sagte Matchwinner Hrgota.

Favre: "Sind Sie verrückt?"

Dass das Rückspiel für die Borussen nun ein Spaziergang wird, davon wollte Favre nichts wissen. "Sind Sie verrückt?", fragte er, als ein Journalist wissen wollte, ob Gladbach durch das 3:2 schon durch sei. "Sarajevo hat in den anderen Qualifikationsrunden auswärts jeweils 3:1 gewonnen, das sagt alles", stellte Favre klar. "Es wird ein schwieriges Rückspiel. Aber wir haben eine gute Ausgangsposition und die müssen wir nutzen", sagte André Hahn.

Vor dem nächsten Europa-Abend ist aber erst mal das erste Bundesligaspiel. Am Sonntag kommt der VfB Stuttgart. "Wir haben überragende Fans und eine tolle Atmosphäre in unserem Stadion. Ich freue mich auf mein erstes Spiel im Borussia-Park", versicherte Hahn. Dass es schwierig wird, nach dem Erlebnis in Sarajevo umzuschalten auf das Tagesgeschäft, glaubt der Ex-Augsburger nicht. "Wir nehmen jedes Spiel wie es kommt. Es gibt für Fußballer nichts Schöneres, als viel zu spielen. Ich habe mich auf die Situation gefreut, jetzt werde ich sie genießen", sagte André Hahn.

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