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Borussia Mönchengladbach
Champions League so nah wie nie?

Borussia Mönchengladbach: Champions League so nah wie nie?
So nah dran wie 2012 in den Play-offs gegen Dynamo Kiew war Borussia noch nie an der Champions League. Ändert sich das im Sommer 2015? FOTO: dpa, Roland Weihrauch
Mönchengladbach. Ist sie nun besonders greifbar, die Champions-League-Teilnahme für Gladbach, weil hinter den Bayern alles eng beieinander liegt? Oder ist die Königsklasse gerade deswegen extrem schwer zu realisieren? Für beide Ansichten gibt es Anhänger. Von Stefan Klüttermann und Thomas Grulke

PRO: Niemand wird so schnell enteilen

Von Stefan Klüttermann

Ja, in der Bundesliga liegen nach der Hinserie viele Teams eng beieinander. Gerade im Kampf um die Europacup-Plätze. Und genau darin liegt die große Chance für Borussia, nach 34 Spieltagen unter den Top vier über die Ziellinie zu laufen. Außer den Bayern und womöglich dem VfL Wolfsburg gibt es keine zwei weiteren Konkurrenten, die Gladbach auf Sicht enteilen und somit die Champions-League-Plätze unerreichbar werden lassen.

Kein Dortmund, das froh sein wird, auch 2015/16 Erstligist zu sein. Kein Leverkusen, das trotz größtem Potenzial Konstanz vermissen lässt. Kein Schalke, für das Konstanz eh wieder ein Fremdwort zu sein scheint. Und Borussia? Die spielt zwar weiterhin keinen Konkurrenten mit links an die Wand, braucht sich aber genauso wenig klein zu machen im Kampf um die Plätze drei und vier.

Natürlich haben andere mehr Erfahrung im Hauen und Stechen um die Königsklasse, aber in punkto personeller Qualität hat Borussia aufgeholt. Hinzu kommt: Niemand wird den Borussen übelnehmen, wenn sie sich offensiv und optimistisch zum Ziel Champions League bekennen, eben weil sich die Vereine aktuell tabellarisch so aneinander kuscheln. Genauso wird niemand von einem einmaligen Königsklassen-Teilnehmer Mönchengladbach fordern, nun immer dabei sein zu müssen.

Klar ist: Es braucht in der Rückserie mehr als die 27 Hinrundenpunkte für den großen Traum. Doch Luft nach oben ist ja da, nicht in erster Linie bei den vier erlittenen Niederlagen als vielmehr bei den sechs Unentschieden, die zu oft unnötig waren. Ja, in diesem Jahr haben einige Vereine die Aussicht auf eine Top-vier-Platzierung – und Borussia gehört zwingend dazu.

CONTRA: Dreifachbelastung kostet Punkte

Von Thomas Grulke

Die Rechnung ist einfach: Kommt Borussia nochmals auf die Ausbeute der Hinrunde, steht sie am Saisonende bei 54 Punkten. So wenige Zähler reichten in den 19 Spielzeiten seit Einführung der Drei-Punkte-Regel vier Vereinen zum vierten Platz, der aktuell zur Teilnahme an den Champions-League-Play-offs berechtigt. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass Gladbach für die Königsklasse mehr als die bisher erreichten 27 Zähler holen muss.

Das wird schwierig – ganz abgesehen von der Tatsache, dass Borussia es unter Lucien Favre noch nicht geschafft hat, sich gegenüber der Hinrunde zu steigern. Gerade die Dreifachbelastung kann für Gladbach zum Problem werden. Löst Borussia die Pflichtaufgabe im DFB-Pokal bei Regionalligist Offenbach, hat sie mindestens vier Englische Wochen durch Pokalspiele – Belastungen, die Konkurrenten wie Augsburg, Hannover und Frankfurt nicht haben.

Und Vereine wie Wolfsburg, Schalke und Leverkusen verfügen über qualitativ noch stärkere Kader oder sind den Tanz auf mehreren Hochzeiten gewohnt. Vor allem die Glanzlichter im Europapokal – oftmals mit strapaziösen Reisen verbunden – bündeln Kraft und Konzentration, sie kosten Substanz. Das hat Borussia vor zwei Jahren zu spüren bekommen. Obwohl sie sich nach dem Aus gegen Rom im Februar auf die Bundesliga konzentrieren konnte, holte sie in der Rückrunde nur 22 Punkte.

In der laufenden Saison gewann Gladbach nach einer Europapokalwoche noch kein Spiel. Für die Königsklasse aber muss es wohl häufiger siegen als in der Hinrunde – und das bei einem Auswärtsspiel mehr als im vergangenen Halbjahr. Das alles spricht nicht für den Einzug in die Champions League.

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