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Borussia Mönchengladbach
Chancenlos - Borussia muss das Toreschießen wieder lernen

Borussia Mönchengladbach: Chancenlos - Borussia muss das Toreschießen wieder lernen
Granit Xhaka und Josip Drmic FOTO: ap
Mönchengladbach. Dreimal in den bisherigen fünf Bundesligaspielen haben sich die Gladbacher keine einzige Tormöglichkeit herausspielen können. Von Stefan Klüttermann

Fußball ist trotz aller Komplexität dann doch ein einfaches Spiel. Wer sich keine Chance erarbeitet, kann kein Tor erzielen, und wer kein Tor erzielt, kann im Optimalfall ein 0:0 erreichen. Borussia ist dieser Tage meilenweit entfernt von allem, was das Prädikat "optimal" verlangt - nicht zuletzt in Bezug aufs Toreschießen. Das 0:1 in Köln war das dritte von fünf Ligaspielen, in denen sich die Borussen nicht eine Torchance erspielten. Das Ergebnis dieser Misere: Null Punkte nach fünf Spieltagen und eine Tordifferenz von minus zehn - so schlecht stand seit Nürnberg 1981/82 kein Team mehr da.

"Wir spielen bis zum Sechzehner guten Fußball, aber danach fehlt die Genauigkeit, danach fehlt der Wille, das Tor unbedingt schießen zu wollen. Wir spielen zu kompliziert", monierte Granit Xhaka. Was der Schweizer sagte, ist eine Beschreibung des Elends. Doch was ist die Ursache? Sie lag wohl doch stärker im Weggang von Max Kruse, als man sich eingestehen wollte. Der nach Wolfsburg abgewanderte Stürmer war in seinen beiden Spielzeiten als Borusse der Schlüssel für eine funktionierende Offensive à la Lucien Favre. Als Angreifer, der sich weit zurückfallen ließ und so die gegnerische Abwehr mit herauslockte, bereitet er den Boden dafür, dass Momente später schnelle Außen wie Patrick Herrmann oder Ibrahima Traoré auf eine ungeordnete Viererkette zulaufen konnten. Dieses Erfolgsmodell ist verschwunden.

Das ist André Schubert FOTO: afp

Josip Drmic ist ein anderer Spielertyp, und ohne einen Ballverteiler in vorderster Front fehlen dem Team bislang die Mittel, eine Abwehr in Bewegung zu bringen und so Lücken und Räume zu erzeugen. Es fehlt an Tempo, an Verlagerungen, an überraschenden Momenten. Die Folge: Borussias Angriffe prallen an einer stehenden Abwehr ab, auch weil es an kreativen, individuellen Lösungen fehlt. "Wir müssen irgendwann mal lernen, ein Eins-gegen-Eins-Duell zu gewinnen", schimpfte Xhaka. Er meinte damit zwar zuvorderst die Defensivbewegung, in der in Köln Andreas Christensen das Duell gegen Kölns Torschützen Anthony Modeste verlor, aber Eins-gegen-Eins-Situationen verliert Borussia in diesen Wochen hinten wie vorne viel zu leicht. Hinzu kommt: Viele Zweikämpfe führen die Gladbacher einfach zu naiv, zu dumm, zu ungeschickt. Es fehlt an Durchsetzungsvermögen, an Cleverness, und die Unterlegenheit bei Kopfballduellen überall auf dem Platz ist darüber hinaus frappierend. So bleibt es bei "Ansätzen" (Sportchef Max Eberl), an die man die Hoffnung auf Besserung heftet.

Nun soll und muss Übergangslösung André Schubert seiner Mannschaft schon heute (20 Uhr) gegen Augsburg deutlich mehr als Ansätze entlocken. Denn es wird höchste Zeit zu punkten. Dortmund stand nach verkorkster Vorrunde im Vorjahr bei 15 Punkten. Auf eine solche Punktzahl muss die andere Borussia in zwölf Spielen bis zur Winterpause erst einmal kommen. Vor allem, weil man gegen die Bayern, Wolfsburg, Leverkusen und Schalke noch gar nicht gespielt hat.

Das sagen die Gladbacher zum Rücktritt von Lucien Favre FOTO: Ines Kasner

Während also Borussias Fokus allein auf Augsburg liegt, bleibt Favres Art des Abgangs weiter ein Thema. So äußerte nun auch der Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) Unverständnis über den Zeitpunkt des Rücktritts. "Je nach Situation gibt es durchaus Grund, Kritik am Verhalten des Trainers zu üben, wenn er sehr früh in der Saison und zu einem für den Club sehr ungünstigen Zeitpunkt das Handtuch wirft", sagte Lutz Hangartner unserer Redaktion. Gleichzeitig monierte der Verbandschef, wie unterschiedlich eine Trainerentlassung im Vergleich zum Rücktritt wahrgenommen werde. "Nach einer Trainerentlassung wird von vielen Seiten sehr schnell zur Tagesordnung übergegangen. Wenn in seltenen Fällen die Trainer die Zusammenarbeit aufkündigen, wird dieses Ereignis ungleich mehr aufgebauscht", sagte Hangartner.

Quelle: RP
 
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