| 15.29 Uhr

Borussias Kramer im Interview
"Ich hatte den richtigen Riecher"

Christoph Kramer: "Man kann gar nicht so richtig sagen, woran es lag"
Christoph Kramer bejubelt seinen Treffer gegen Schalke. FOTO: afp
Mönchengladbach. 1088 Tage – das ist verdammt lange her, drei Jahre fast auf den Tag. So lange war Borussias Christoph Kramer ohne Tor. Weswegen sein Jubel nach seinem Treffer zum 1:0 gegen Schalke 04, das er nach Matthias Ginters Kopfballvorlage aus spitzem Winkel erzielte, besonders ausgelassen ausfiel. Von Karsten Kellermann

Zuvor hatte er am 17. Dezember 2014 gegen Werder Bremen getroffen. Damals gab es einen 4:1-Erfolg der Borussen, dieses Mal reichte Kramers sechstes Bundesliga-Tor nicht zum vollen Ertrag, weil Jannik Vestergaards Eigentor Schalke noch den Ausgleich bescherte.

Herr Kramer, es war zu sehen, dass Ihnen Ihr Tor sehr gefallen hat.

Christoph Kramer (grinst) Es hat mir sehr gefallen, es war ein ungewohnt gutes Gefühl.

War das so einstudiert?

Kramer Ich hatte den richtigen Riecher.

An Ihr letztes Tor können Sie sich noch erinnern?

Kramer Klar, gegen Bremen habe ich damals einen eingeschweißt.

Da gab es ein 4:1. Dieses Mal hat nicht zum Sieg gereicht.

Kramer Das ist etwas schade. Man kann gar nicht so richtig sagen, woran es lag, dass wir nicht gewonnen haben. Ein bisschen symbolisch dafür ist das Eigentor, finde ich. Sicherlich hatten wir nach der Pause nicht mehr die ganz große Dominanz und standen etwas zu tief, trotzdem hatten wir die Schalker so im Zaum gehalten, dass sie sich im letzten Drittel nicht entscheidend in Szene setzen konnten. Gefährlich wurde es nur durch Standards. Ich hatte daher eigentlich ein gutes Gefühl, dass nicht so viel anbrennt.

Es wurden aber recht viele Standards zugelassen. Schalke ist bekanntlich gefährlich bei ruhenden Bällen.

Kramer Genau. Wir standen einfach etwas zu tief. Da gibt es die eine oder andere Ecke. Wir hätten in der Phase besser ein paar Meter weiter nach vorn schieben sollen. Aber man kann solche Phasen gegen ein Team wie Schalke auch nicht ganz verhindern und muss sie auch mal durchleiden und überstehen.

Es gab aber auch einige Möglichkeiten, eine höhere Führung herauszuschießen.

Kramer Wir hätten vielleicht die eine oder andere Kontersituation besser ausspielen können. Und vor der Halbzeit hätten wir sicherlich Schalke den Zahn ziehen können. Da hätte uns ein Tor sehr gut getan. Und es wäre absolut drin gewesen. Mit der Elfmetersituation oder bei dem Lattenschuss. Dass es in der Szene keinen Elfmeter gab, ist schon verwunderlich. Wenn man lange genug zurückspult, wird man sicher immer etwas finden in der Entstehung.

Es war kein Foul von Oscar Wendt?

Kramer Mir wurde übermittelt, dass es 100 Prozent klar sein muss, wenn der Videoschiedsrichter eingreift. Wenn das 100 Prozent ein Foul war, kann ich es nicht verstehen. Zumal die Aktion schon gefühlte acht Minuten zurücklag. Ich weiß, es geht um Fairness und um Gerechtigkeit, es soll dafür sorgen, dass nicht mehr diskutiert wird. Aber wir diskutieren jede Woche mehr.

Was bei solchen Situationen aber auch verständlich ist. Es gab den Elfmeter, Thorgan Hazard stand bereit – und nach drei Minuten war alles anders.

Kramer Richtig. Es waren einfach keine 100 Prozent bei dem Foul, nur für den, der in Köln sitzt. Er hat sicher mit bestem Gewissen so entschieden. Aber ich gebe zu: Jetzt, wo es zu unserem Nachteil ausgefallen ist, bin ich natürlich auch emotional. Ich finde, es gehört zum Fußball dazu, dass es auch mal eine Fehlentscheidung gibt und darüber diskutiert wird. Sicher, der Fußball entwickelt sich immer weiter, aber ich bin noch ein bisschen Fußballromantiker. Wichtig wäre für mich, dass noch etwas kommt, dass man nicht immer ewig rumdiskutiert.

Wie ordnen Sie das 1:1 ein? Der Sprung auf Platz drei war möglich, wurde aber verpasst.

Kramer Erst einmal ist jeder Punkt gut. Nach dem Spielverlauf ist das Ergebnis eher etwas ärgerlich als okay. Aber wir müssen und können auch damit leben. Wir werden jetzt alles daran setzen, dass der eine oder andere Punkt im Verlauf der Englischen Woche dazu kommt.

Dienstag steht zunächst das Spiel in Freiburg an. Dort tut sich Borussia seit vielen Jahren schwer, den letzten Sieg in der Bundesliga gab es im Breisgau vor mehr als 15 Jahren.

Kramer Ich lese immer, dass wir uns überall schwer tun, außer in Köln und in Bremen (grinst). Dass es dort unangenehm wird, kann man sich ja denken: Dienstagabend, vielleicht Schneefall. Aber wir werden alles dafür tun, die Serie zu beenden.

Können Sie dabei mithelfen? Sie wurden gegen Schalke ausgewechselt.

Kramer Beide Waden haben zugemacht. Der Rasen war neu verlegt und sehr tief. Wenn man eine Woche nichts gemacht hat, merkt man das schon. Aber für Dienstag bin ich bereit.

 
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