| 16.27 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Christoph Kramer - Plötzlich Volksheld

Fotos: Kramer steigt wieder ins Training ein
Fotos: Kramer steigt wieder ins Training ein FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Seit Dienstagmittag gibt es in Mönchengladbach eine direkte Verbindung von Konrad Adenauer zu Christoph Kramer. Sie führt quer durch das Goldene Buch der Stadt - vom ersten Eintrag durch den ersten Kanzler der Bundesrepublik bis hin zu Borussias Weltmeister, der nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub nun als bis dato Letzter seine Unterschrift aufs edle Papier setzte. Für Kramer war der offizielle Akt im Rathaus eine weitere Etappe auf seinem bemerkenswerten Ein-Jahres-Weg vom No Name zum Volkshelden. Von Stefan Klüttermann

"Es hat sich natürlich enorm viel verändert – vor allem von der ganzen Wahrnehmung meiner Person her. So richtig realisiert habe ich das alles zwar immer noch nicht, aber ich hoffe, dass es bald mal passiert", sagte Kramer über seine steilen Aufstieg. Vor einem Jahr war er als Zweitligaspieler nach Gladbach gekommen, dann avancierte er zum Stammspieler in Liga eins, er machte sein erstes Länderspiel, er kam auf einmal auch bei der WM ins Spiel, und zur Krönung spülte ihn Sami Khediras Verletzung sogar in die deutsche Startelf des WM-Finales. Seitdem ist nichts mehr wie es war für den Mittelfeldspieler.

In vielen Städten gefeierter Held

In seiner Geburtstadt Solingen feiern sie ihren nun prominenten Sohn. In Bochum sehen sie ihn in Maßen auch als ihren Weltmeister an, schließlich spielte er zwei Jahre beim VfL und genießt dort immer noch hohe Sympathiewerte. Bei Bayer Leverkusen, seinem Stammverein, verfolgen sie seine Entwicklung sowieso mit größter Begeisterung, und in Gladbach sind sie einfach stolz auf ihren ersten Weltmeister seit Rainer Bonhof 1974. "Es ist ein historisches Ereignis", sagte Oberbürgermeister Hans-Wilhelm Reiners am Dienstag – und an Kramer gewandt: "Ich hoffe, Sie haben das Ganze auch ein bisschen genießen können."

Kramer selbst ist sich indes im Klaren, dass ihn nun der Bundesligaalltag mit Borussia wieder hat. Vorbei die WM. Vorbei der Urlaub, in dem er es sich mit seiner Freundin auf Mallorca "gut gehen lassen und auch die ein oder andere Party mitgenommen" hat. Nun muss er sich wieder einfinden in Lucien Favres Kader, in dem er trotz Weltmeister-Status nun zuvorderst jemand ist, der Rückstand gegenüber all den anderen Mitspielern hat, die schon länger im Training sind. "Ich werde jetzt erst bestimmt einmal eine Woche brauchen, um wieder richtig reinzukommen und da ganz bestimmt keinen falschen Ehrgeiz zeigen und Verletzungen riskieren", sagte der 23-Jährige. Ob er nun zunächst draußen sitzt? "Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Im Endeffekt entscheidet eh der Trainer, wer spielt", sagte er.

Volksheld ohne Starallüren

Auf eines, so versichert Kramer, können sich seine Kollegen im Borussia-Park, jedenfalls verlassen: Er, der Weltmeister, er der Volksheld, wird keine Starallüren an den Tag legen. "Ich bin immer noch derselbe Mensch, derselbe Fußballer, ich spiele immer noch in derselben Mannschaft. Ich freue mich riesig auf die Saison mit den Jungs, ich bin total happy, dass wir in der Europa League spielen und hoffe, dass wir so erfolgreich wie möglich starten", sagte er. 

Und dass er nun plötzlich eine ganz andere Wertschätzung bei den Gegenspielern genießt, daran glaubt Kramer auch nicht. "Das ist doch Quatsch. Niemand wird mich jetzt in Manndeckung nehmen. Ich bin doch kein Ribéry und kein Neymar, die über individuelle Klasse kommen und auf die man ganz besonders aufpassen muss", sagte er. So weit geht der Volksheld-Status dann doch nicht. 

(rpo)
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