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"Fürsorgepflicht" des Vereins
Kramer und Jantschke nach Kopftreffern unter Beobachtung

Fotos: Kramer wird mit Kopfverletzung vom Platz getragen
Fotos: Kramer wird mit Kopfverletzung vom Platz getragen FOTO: dpa, mb kno
Mönchengladbach. Die Borussen (und wohl auch der Rest der Bundesliga) waren hoch erfreut über das 2:1 gegen den Rekordmeister FC Bayern München. Doch zwei Gladbachern bereitete der Triumph gegen das Team des gebürtigen Gladbachers Jupp Heynckes auch Kopfschmerzen. Von Karsten Kellermann

Christoph Kramer und Tony Jantschke haben sich eine Schädelprellung zugezogen und wurden ausgewechselt.  "Beide werden in den nächsten Tagen intensiv beobachtet und weiter untersucht", teilte der Klub als Ergänzung zum Krankenbulletin auf Twitter mit.

Beide gegen die Bayern Getroffenen, Kramer und auch Jantschke, haben in Sachen Kopfverletzungen eine schmerzliche Historie. Insbesondere ist das natürlich bei Kramer ein Thema nach dem legendären K. o. im WM-Endspiel 2014 gegen Argentinien. Da hatte ihn Marco Rojos gegen die Schulter von Ezequiel Garay gestoßen und Kramer war ausgeknockt. So war das Endspiel für ihn nur ein Kurzeinsatz.

In dieser Saison hat es Kramer schon zum vierten Mal erwischt. Zunächst traf ihn am zweiten Spieltag der Augsburger Daniel Baier mit dem Ellenbogen, am vierten Spieltag dann der Leipziger Nabi Keita im Zweikampf mit dem Fuß am Kopf, beide Male jedoch konnte Kramer weitermachen. Gegen Stuttgart traf es ihn härter, bei der Kollision mit Anastasios Donis zog er sich neben einer Schädelprellung auch einen Nasenbeinbruch zu.

Nun gegen die Bayern gab es ein Novum für Kramer: Er wurde von einem eigenen Kollegen umgehauen. Jannik Vestergaard, stattliche 100 Kilogramm schwer, traf ihn mit dem Ellenbogen am Kopf. Kramer wurde behandelt und dann vom Platz getragen. Im Krankenhaus wurde er untersucht und kehrte dann, noch sichtlich benommen, aber wieder auf der Höhe, zurück, erlebte den Schlusspfiff mit und feierte hernach mit dem Team vor der Nordkurve. Zuvor nahm ihn Vestergaard noch versöhnlich in den Arm. "Das Wichtigste ist, dass dieser Kerl okay ist", schrieb der Däne später bei Instagram unter ein Kabinen-Foto, das ihn und Kramer zeigt.

Der wiederum nahm es am Sonntag mit Humor, wovon der Hashtag "#legdichnichtmitjannikan" zeugte:

Gleichwohl wird der in den nächsten Tagen beobachten, wie es sich entwickelt mit seinem Kopf. "Ich bin da sehr, sehr sensibel. Nach solchen Kopftreffern lasse ich mich immer durchchecken, beim Neurologen, beim HNO-Arzt. Das ist eine gefährliche Sache, bei der man aufpassen muss. Ich bin froh, dass ich bis auf zweimal ohne Gehirnerschütterungen ausgekommen bin. Zuletzt gegen Leipzig und Stuttgart war es jeweils keine, was ich mir auch schon gedacht hatte. Trotzdem lasse ich sowas abklären beim Arzt, das mache ich aber bei Rückenverletzungen oder so auch. Dann hat man Ruhe. Alles am Kopf oder in der Nähe ist immer heikel. Aber es ist nicht so, dass ich davor Angst habe und Zweikämpfen aus dem Weg gehe. Ich thematisiere das auch nicht übermäßig", sagte Kramer Mitte Oktober unserer Redaktion.

Tony Jantschke war die aktive Teilnahme an der Siegesfeier derweil nicht vergönnt. Er krachte bei einem Kopfball-Duell mit James Rodriguez zusammen und wurde am Hinterkopf getroffen. Jantschke war nach elf Minuten für Kramer gekommen und musste zur Halbzeit schon wieder raus. Wie James, von dem zu hören war, dass er den Pausenstand von 0:2 nicht kannte, wurde auch er im Krankenhaus untersucht. Jantschke wurde wie Kramer schon mehrfach schwer am Kopf getroffen. Gleich in seinem zweiten Spiel von Beginn an erwischte es ihn am 12. Dezember 2008 beim 1:2 in Dortmund, Jantschke zog sich eine Gehirnerschütterung zu. Im Oktober 2012 fehlte er erneut wegen einer Gehirnerschütterung.

Dieter Hecking hat generell eine Häufung von Kopftreffern im Fußball ausgemacht. "Da sind auch die Mediziner gefragt, wie man die Spieler besser schützen kann. Es gibt ja einige Torhüter, die mit Kopfschutz spielen, allerdings muss man sich auch fragen, inwieweit Feldspieler dadurch beeinträchtigt werden", sagte der Trainer. Generell habe der Verein eine "Fürsorgepflicht, da genau hinzuschauen", so Hecking.

 
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