| 15.46 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Dahoud und Co. müssen auch unter Druck liefern

Das ist Mahmoud Dahoud
Das ist Mahmoud Dahoud FOTO: afp, pst/dg
Rottach-Egern. Mo Dahoud zeigte und redete. Er gab Anweisungen auf dem Platz. Er gab den Regisseur. Der Mo Dahoud, der sonst so ruhig ist, fast geräuschlos. Dann schnappte er sich den Ball im Testspiel gegen Standard Lüttich und rannte los mit seiner verblüffenden Dynamik, ab durch die Mitte, aus der eigenen Hälfte bis zum Strafraum der Belgier, von "Box zu Box", wie es sein Trainer Lucien Favre sagt, elegant in der Ballführung, den Kopf nach oben, den Rücken schnurgerade. Von Karsten Kellermann

Zuvor hatte der 19-jährige Borusse einen prächtigen Pass auf Josip Drmic gespielt, ein bisschen zu lang vielleicht, aber schneidend und ideenreich, und das aus dem Fußgelenk. Wenn Favre über den Deutsch-Syrer spricht, kann er schon mal ins Schwärmen geraten ob der großen Begabung des Jünglings. "Er kreiert immer etwas. Mo hat zwei, drei Aktionen kreiert mit dem Ball am Fuß, das ist selten. Er muss aber in der Rückwärtsbewegung, taktisch und bei der Balleroberung noch Fortschritte machen. Aber er hat etwas", sagte Favre nun nach dem 2:1-Sieg der Gladbacher gegen Lüttich.

Ganz sicher muss Dahoud auch körperlich zulegen. Und er muss konstanter werden, in der vergangenen Saison, in der U23, waren seine Leistungen sehr schwankend. Zudem war er oft angeschlagen. Nun aber zeigte er sich.

Auch die anderen hausgemachten Nachwuchskräfte sammelten im Trainingslager am Tegernsee Pluspunkte bei Favre. Marvin Schulz spielte gegen Lüttich zusammen mit Granit Xhaka, der lange Blonde machte einen unaufgeregten und sicheren Job. Steffen Nkansah verteidigte innen und links, er ist ein sehr eleganter Spieler, der seinen Körper geschickt einzusetzen weiß. Der gerade 18 Jahre alte Tsiy-William Ndenge hatte gegen Rennes Probleme als Linksverteidiger, aber "er hat viel Qualität", sagte Favre.

Ndenge, Nkansah und auch der neue Schweizer Djibril Sow werden auch nach dem Trainingslager mit den Profis üben, sagte Favre. Er will sich weiter ein Bild verschaffen von den Herren, die Borussias Zukunft sein sollen. Die Zukunft, die schon etwas näher an der Gegenwart dran ist, hat indes gelernt, dass der Weg ein weiter ist ins Bundesligateam. Dahoud, Schulz und auch Marlon Ritter, der gegen Lüttich mit einem gewitzten Schuss die Latte traf, sind seit zwei Jahren bei den Profis dabei.

Lob gab es von Favre nach der Vorbereitung jedes Mal, Dahoud stand auch schon unter dem Verdacht, sich so gut präsentiert zu haben, dass er gleich im ersten Saisonspiel zur Startformation gehört. Doch bisher hat er nur ein paar Pflichtspielminuten bekommen im A-Team. Schulz, der immerhin ab und an im Kader war, und Ritter warten noch auf ihr Bundesliga-Debüt.

Favre merkte an, dass zwischen den Übungspartien der Vorbereitung und Pflichtspielen ein himmelweiter Unterschied bestehe und formulierte seinen Anspruch an die Jugend: "Ein guter Spieler muss gut unter Druck sein. In den Freundschaftsspielen ist das Tempo nicht so hoch, da hat man Zeit. Wenn zum Beispiel ein Verteidiger unter Druck ist, wenn die Flanken kommen, dann der Spielaufbau – das kann man dann besser beurteilen."

Den Druck des Pflichtspiels erleben die meisten der Jünglinge vor allem im U23-Team in der Regionalliga. Für Dahoud, Schulz und Ritter steht eine wichtige Saison an. Der nächste Schritt soll passieren, sprich: Sie wollen möglichst oft "oben" nachweisen, dass sie dem Pflichtspiel-Druck gewachsen sind.

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