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Borussia Mönchengladbach
Das nächste "Wunder von Bern" verhindern

Pressekonferenz mit Sommer und Schubert in Bern
Pressekonferenz mit Sommer und Schubert in Bern FOTO: dpa, ml ak ks
Bern. Borussia spielt am Dienstagabend das erste Champions-League-Play-off in Bern. Sie ist klarer Favorit. Doch die Young Boys sind kein Freilos. Es gibt durchaus Fallstricke. Zumal Bern und sein Stade de Suisse kein Ort für Favoriten sind. Von Karsten Kellermann

Patrick Herrmann hat es auf den Punkt gebracht. "Es gibt jetzt keine Ausreden mehr", hat der Flügelspieler nach dem 0:0 gegen Lazio Rom gesagt. Es war der letzte Test, bevor es heute ernst wird. In Bern. Im ersten von zwei Play-offs zur Champions League. Es geht um viel. Um 30 Millionen Euro. So viel ist der Einzug in die Gruppenphase der Meisterklasse wert. Das wissen die Borussen seit der vergangenen Saison, als sie erstmals mitspielen durften. Und die Vorgabe gegen die Young Boys ist eindeutig: "Wir wollen wieder in die Champions League", sagen die Gladbacher unisono.

Es gibt ein klares Ziel, und sicher einen klaren Plan, wie es erreicht werden soll. Den hat Trainer André Schubert ausbaldowert nach all den Erkenntnissen der Vorbereitung. Gegen Lazio spielte sein Team nicht so spektakulär, sondern kontrolliert, sehr erwachsen. Genau das muss es auch sein in den ersten drei Spielen der Saison. Denn da geht es nur um Ergebnisse. Schließlich gilt es, zwischen den Play-offs die Pflichtaufgabe im Pokal beim Regionalligisten Drochtersen/Assel zu erledigen.

Am Anfang ist Bern. Eine Stadt, in der Wunder möglich sind. Das erlebte das deutsche Nationalteam 1954, als es die unbesiegbaren Ungarn besiegte im WM-Finale im Wankdorfstadion. In dessen Nachfolger vollbrachten zuletzt die Young Boys ebenfalls ein "Wunder von Bern", als sie das favorisierte Donezk niederrangen. Bern ist, das belegen beide Beispiele, kein Ort für Favoriten. Eben dies sind aber die Borussen. Doch Sportdirektor Max Eberl warnt, daraus Selbstverständlichkeiten abzuleiten. "Es sind zwei Mannschaften auf Augenhöhe", sagt der Manager. Es ist kein plumpes Understatement. Tatsächlich ist Bern ein Los mit Fallstricken.

Die Favoritenrolle In Sachen Champions League war Borussia stets der Underdog. Sie spielte die Rolle richtig gut und sorgte für reichlich Staunen bei der Konkurrenz. Nun gilt es, mit der neuen Rolle zu leben: Favorit. Daraus ergibt sich eine Verantwortung: Die Chance ist groß, und sie muss genutzt werden.

Bern hat nichts zu verlieren, es hat schon jetzt mehr erreicht als erwartet. Borussia würde zwar "weich fallen" (Eberl), in die Europa League nämlich. Doch wäre es in dieser Konstellation kein B-Gewinn, sondern der Trostpreis für einen Verlierer. Das ist Luxus, doch es geht um das Gefühl (und eine Differenz von 20 Millionen Euro). Und es gibt tatsächlich eine Blaupause für die Spiele gegen Bern: Sarajewo. Das lag 2014 auf dem Weg in die Europa League. Borussia erledigte den Job als Favorit mit Geschick (3:2 im Hinspiel) und Gloria (7:0 im Rückspiel). "Wir sind gereift", versichert Patrick Herrmann. Das können die Borussen belegen, indem sie es nachweisen. Favoriten dürfen straucheln. Aber nicht fallen.

Der Kaltstart Es war eine lockere Angelegenheit, das 6:0 der Young Boys im Pokal gegen den Zweitligisten Veltheim. Aber es war ein Pflichtspiel. Da geht es um mehr als nur Erkenntnisse. Es geht um Resultate, um Wettkampfhärte. Man kann viel simulieren in Testspielen. Aber eben nicht das Pflichtspielgefühl und alles, was damit zusammenhängt. Sieben Pflichtspiele hat Bern schon absolviert. "Und wir kommen aus dem Kalten", sagt Max Eberl. Borussia weiß zwar, wo sie hinwill, aber noch nicht, wo sie steht.

"Wenn wir vorher noch drei Pflichtspiele machen könnten, würde ich es beantragen. Es ist immer gut, Wettkampfpraxis zu haben. Aber es hilft ja nichts", sagt Schubert. Der Vorteil ist: Wenn es wirklich entscheidend wird in den Play-offs, nächste Woche Mittwoch, hat Borussia zwei Pflichtspiele hinter sich.

Der Kunstrasen Im Stade de Suisse liegt ein künstliches Geläuf. "Es ist ein ganz anderes Spiel", sagt Torwart Yann Sommer. Der Ball springt anders, wird schneller. Schubert bereitet sein Team darauf vor. Sonntag übten die Profis auf dem Kunstrasen im Borussia-Park, gestern im Stade de Suisse und heute beim "Anschwitzen" auf einem Rasen, der dem im Stadion ähnlich ist. "Ich spiele lieber auf einem guten Kunstrasen, als auf schlechtem Naturrasen", sagt der Trainer. Der Platz kann ein Vorteil für Bern sein, doch kommt er wohl auch dem Kombinationsspiel der Borussen entgegen.

Fazit Die Young Boys sind kein Freilos. Es gibt Denkmodelle, die den Wunderglauben in Bern stützen. Doch die Borussen müssen das nächste "Wunder von Bern" verhindern und stattdessen eine gute Basis schaffen für das Rückspiel. Auch, um am 24. August nicht auf ein "Wunder von Gladbach" hoffen zu müssen.

Quelle: RP
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