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Borussia Mönchengladbach
Das steckt hinter Schuberts Weichenstellungen

Das ist André Schubert
Das ist André Schubert FOTO: dpa, fg fdt
Mönchengladbach. Mit der Entscheidung, von einer Stammelf abzurücken wie auch mit der Besetzung des Mannschaftsrates setzt Borussias Trainer Zeichen, um dem Kader in der Breite Wertschätzung zu vermitteln und stillere Führungsspieler zu kitzeln. Von Stefan Klüttermann

Es gibt da dieses Bild von Otto von Bismarck und seiner Außenpolitik als "Spiel mit den fünf Kugeln". Der Reichskanzler versuchte Ende des 19. Jahrhunderts, mittels eines ausgeklügelten Systems von Bündnissen mit den anderen europäischen Großmächten, die Rolle des Deutschen Reiches zu stärken und Krieg zu vermeiden.

Nun ist André Schubert kein Reichskanzler, sondern Trainer eines Bundesligisten, und es geht in seinen Entscheidungen und Überlegungen auch nicht um den Frieden in Europa, aber jonglieren muss der seit Sonntag 45-Jährige auch - um im Bild zu bleiben -, und das mit mehr als 20 Kugeln, seinen Spielern eben, die alle Wertschätzung erfahren, bei Laune gehalten, zu Verfechtern des Team-Erfolgs angespornt und zu maximaler Leistung hin gefördert werden sollen. In dieser Hinsicht hat Borussias Coach in diesem Sommer zwei durchaus clevere Entscheidungen getroffen: die öffentlich propagierte Abkehr von der Stammelf und die personelle Besetzung des Mannschaftsrates.

Borussia Mönchengladbach: Torjägerliste der Sommer-Vorbereitung 2016 FOTO: Dirk Päffgen

Grundsätzlich "werden wir situativ entscheiden, welches die beste Elf ist, um einen Gegner zu bespielen. Daher wird es während der gesamten Saison einen offenen Konkurrenzkampf geben", hatte Schubert bereits zum Trainingsauftakt Ende Juni gesagt. Damit hatte er letztlich zwar nur Erwartbares und Logisches verkündet angesichts der bevorstehenden Dreifachbelastung sowie der qualitativen Breite des Kaders, aber in einer Sportart, in der eben vieles auch auf Botschaften und verbales Streicheln ankommt, hatte er eben auch dem letztem in seinem Team klargemacht, dass er ihn braucht. Und so gibt es in diesen Wochen im internen Gefühl der Borussen eigentlich niemanden, der klar hinten ansteht (bis auf Alvaro Dominguez und die verletzten Jungen Mamadou Doucouré und Laszlo Bénes). Auch das ist eine Basis der von vielen Spielern aktuell berichteten tollen Stimmung im Team.

Die personelle Besetzung des Mannschaftsrates - Schubert entschied hier genauso, wie er in der Kapitänsfrage entscheiden wird, er lässt nicht wählen - geht ebenfalls als Maßnahme mit nachvollziehbarem Kalkül des Trainers durch. In Christofer Heimeroth belässt er die vielleicht wichtigste Stimme der Kabine im Rat, in Tony Jantschke belässt er einen, der ob Verletzungen und guten Auftritten anderer in der Vorsasion zurückgefallen war, ebenfalls dort. Das vermittelt dem bei den Fans beliebten Jantschke Wertschätzung, die er nie einfordern würde, aber doch gerne registriert.

Bei Lars Stindl, Fabian Johnson, Oscar Wendt und Yann Sommer darf die Nominierung durchaus als Schubert'scher Reiz gesehen werden, mehr Führungsaufgaben aus den genannten vier herauszukitzeln, dem Führen durch Leistung wichtige Prozentpunkte des Führens durch Verpflichtung als Leistungsträger hinzuzufügen. Es ist ein Kitzeln, wie es Schubert im Fall von Granit Xhaka und seiner Kapitänsbinde schon mal gelungen ist. Weil zudem Christoph Kramer, Tobias Strobl und Jannik Vestergaard vom Naturell eh Typen sind, die sich nicht verstecken, konnte der Trainer in diesen Fällen getrost davon absehen, ihnen über einen Posten Führungsrollen einimpfen zu müssen. Außerdem sind sie per Definition ja auch erst einmal Neuzugänge.

So stuft der "Kicker" die Borussen im Sommer 2016 ein FOTO: Dieter Wiechmann

Mit den genannten Entscheidungen hat Schubert es in jedem Fall geschafft, im Vorfeld der Saison im Kader Konkurrenzkampf und gute Laune gleichermaßen zu vermitteln. Gerade letzteres sollte man nicht als Lapalie abtun, denn die Vergangenheit in der Liga hat oft genug gezeigt, dass gute Stimmung auf breiter Front letztlich erst gar keine Stinkstiefel oder eine Front gegen den Trainer entstehen lässt. Dabei gilt natürlich: Die Stimmung ist immer gut, wenn der Erfolg da ist. Und den müssen Schubert und Borussia ab August wieder abliefern. Mit den getroffenen Entscheidungen.

Quelle: RP
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