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Borussia Mönchengladbach
"Dass ich Chef werde, war nicht abzusehen"

Borussia Mönchengladbach: "Dass ich Chef werde, war nicht abzusehen"
FOTO: dpa, mb
Mönchengladbach. André Schubert ist der 20. Cheftrainer in der Bundesliga-Geschichte von Borussia Mönchengladbach. Der 44-Jährige spricht über Aberglaube und Vertrauen, grüne Pullis, Pläne im Fußball und die Fähigkeit, Umwege zu beschreiten. Von Karsten Kellermann

André Schubert wirkt entspannt. Seit wenigen Stunden ist er offiziell Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach (Vertrag bis 2017). Er hat das "totale Vertrauen" von Sportdirektor Max Eberl. Zum exklusiven Interview mit unserer Redaktion trägt er nicht den grünen Kapuzenpulli, mit dem er seine Erfolgsserie in der Bundesliga hingelegt hat.

Schubert neuer Cheftrainer – Stranzl trainiert wieder FOTO: Dirk Päffgen

Herr Schubert, sind Sie abergläubisch?

Schubert Nein. Weder wegen Freitag, dem 13., an dem ich meinen Vertrag unterschrieben habe, noch wegen grünen Pullis.

Der Pulli steht aber für Ihren Erfolg ...

Schubert ... zuletzt haben wir nur Unentschieden gespielt ...

Womit Sie in der Bundesliga aber weiter unbesiegt sind. Ist es eine der Begleiterscheinungen des Bundesliga-Geschäfts, dass solche Sachen wichtig werden?

Schubert Die Sachen sind nicht wichtig. Sie werden durch die Medien wichtig gemacht. Für die Spieler oder für mich spielen sie keine Rolle. Es sind Geschichten, die man sicherlich braucht, um das Produkt Fußball zu vermarkten. Sie gehören dazu, darum ist es auch in Ordnung, wenn sie gemacht werden. In der Kabine ist es aber kein Thema. Und es glaubt ja auch niemand ernsthaft, dass es die Leistung der Jungs beeinflusst, wenn ich einen grünen oder schwarzen Pulli anhabe. Aber es sind schöne Geschichten.

Karsten Kellermann über André Schubert

Eine schöne Geschichte ist auch die vom U23-Trainer, der Interimstrainer wurde und dann den Verein so überzeugt hat, dass er ihn zum Chef befördert hat.

Schubert Es hat sich so entwickelt. Dass es so kommt, war sicher nicht abzusehen. Wenn man am Anfang der Saison gesagt hätte, dass ein Trainer fest im Sattel sitzt, wäre Lucien Favre einer davon gewesen. In solchen Fällen ist es üblich, dass ein Co- oder U23-Trainer erst mal übernimmt. Es war sicher von Anfang an das Vertrauen da. Aber es ist doch völlig normal, dass ein Topverein wie Borussia sich Optionen offen hält. Deswegen habe ich auf nichts spekuliert. Im Lauf der Zeit haben wir uns sehr gut kennengelernt, nicht nur abhängig von Ergebnissen. Es ging auch darum: Wie arbeitet jemand? Welche Spielidee hat er? Wie vermittelt er sie? Wie geht er mit den Spielern um? Vor allem auch um die Art und Weise, wie Fußball gespielt wird. Das hat dazu geführt, dass der Verein gesagt hat: Das gefällt uns, so stellen wir uns das vor.

Sie gelten als Perfektionist. Kann Fußball perfekt sein?

Schubert Nein. Es gibt Tage, an denen sehr viel gelingt. Aber Fußball ist ein dynamischer Prozess. Fußball verändert sich jeden Tag: Du hast eine Spielidee, die ist erfolgreich, das wird adaptiert, kopiert, dann gibt es einen Schlüssel dafür - und schon hast du eine neue Aufgabe. Im besten Fall ist man immer einen Schritt voraus. Darum ist Fußball für mich eine komplexe Angelegenheit, bei der alle flexibel sein müssen. Man darf nicht nur einen Plan im Kopf haben, sondern muss immer darüber nachdenken, wie man dem Gegner neue Aufgaben stellen und noch variabler spielen kann.

Kann es im unberechenbaren Fußball überhaupt einen Plan geben?

Schubert Man braucht immer einen Plan - damit man davon abweichen kann. Man muss einen Weg haben, den man konsequent beschreitet, aber man muss auch wissen, dass es immer Situationen gibt, wo man einen Umweg nehmen oder eine andere Idee entwickeln muss.

Das ist André Schubert FOTO: dpa, fg fdt

Das klingt ein bisschen wie die Geschichte Ihrer Karriere. Auch da gab es keinen eindeutigen Plan.

Schubert Ich hatte keinen eindeutigen Plan für meine Karriere, sondern gar keinen. Es gab das Lebensziel, im Fußball zu arbeiten, und das auf möglichst hohem Niveau. Daran hat sich nichts geändert. Ich möchte gern Dinge entwickeln, in einem Prozess sein, das Gefühl haben, dass alle daran arbeiten, sich zu verbessern - und das möglichst seriös. Das finde ich spannend. Deswegen bin ich im Sommer nach Gladbach gegangen zur U23. Der Eindruck hat sich bestätigt, auch nun im Profibereich. Es gibt nicht so viele Verein, in denen so seriös, sprich: in Ruhe und nicht nur nach Ergebnissen, gearbeitet wird. Natürlich ist Fußball ein Ergebnissport, und daher ist man auch vom Glück anhängig. Deswegen kann man nur eins machen: Die Arbeit, die man gerade macht, sehr gut zu machen. Dann kann man sehen, was dabei rauskommt.

Was kommt bei Borussia heraus?

Schubert Wir haben keinen tabellarischen Plan. Es geht um die Art und Weise, wie wir spielen: Dass wir aktiv sein wollen, dass wir unsere Zuschauer mitnehmen wollen. Wir möchten einen Fußball anbieten, der allen Spaß macht. Natürlich muss er auch erfolgreich sein. Dafür müssen wir einen Plan entwickeln: Wie verteidigen wir? Wie greifen wir an? Wie reagieren wir darauf, dass uns der Gegner immer besser studiert? Wir haben eine Mannschaft, die toll Fußball spielen kann. Aber wir können uns taktisch noch flexibler entwickeln. Aber wir wollen uns immer weiterentwickeln. Das ist nie abgeschlossen. Entscheidend ist, dass der Weg stimmt. Was die reinen Ergebnisse angeht, wollen wir sicherlich im Pokal eine Runde weiterkommen, als Gruppendritter in der Champions League in die Europa League einziehen und in der Bundesliga das nächste Spiel gegen Hannover gewinnen.

Quelle: RP
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