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Denis Zakaria
"Ich habe noch kein Derby verloren"

Denis Zakaria: "Ich habe noch kein Derby verloren"
Nach dem Testspiel in Nürnberg sagte Denis Zakaria, er wolle die freien Tage nutzen, um seine Wohnung einzurichten. Fertig ist er aber noch nicht. Gleiches gilt für sein Spiel. Er könne noch viel verbessern, sagt der neue Sechser. FOTO: Imago
Krefeld. Denis Zakaria sagt, warum Borussia Mönchengladbach der perfekte Klub für ihn ist und wie sehr er sich auf das Derby gegen Köln am ersten Bundesliga-Spieltag freut.

Borussias Mittelfeldspieler aus der Schweiz ist der zweitteuerste Zukauf der Borussen für die neue Saison. Zwölf Millionen Euro ließ sich der Bundesligist den neuen "Sechser" von Young Boys Bern kosten.  Im Interview mir Karsten Kellermann und Jannik Sorgatz sagt der 20-Jährige, der in Genf geboren wurde, wie er mit dem Druck des vielen Geldes umgeht, erzählt, warum er in Bern bei einer Gastfamilie lebte und warum der Wechsel nach Gladbach nicht nur sportlich Neuland für ihn ist.

Herr Zakaria, nach dem Testspiel in Nürnberg standen zwei freie Tage an. Sie sagten, Sie wollen Ihre Wohnung einrichten. Ist es schon wohnlich?

Zakaria (lacht) Oh, nein, ich muss noch ein bisschen was machen. Ich habe noch nicht alle Möbel zusammen, und es dauert ja auch ein paar Wochen, bis die bestellten Sachen da sind. Aber ich bleibe ganz ruhig. Es wird schon werden.

Wie richten Sie sich ein?

Zakaria Ganz modern, denke ich. Aber es muss auch gemütlich sein. Ob mein Style dann schön ist oder nicht, muss jeder selbst entscheiden. Aber ich gebe mein Bestes, eine schöne Wohnung zu haben. Wenn ich heimkomme, will ich mich wohlfühlen. Das ist mir wichtig. Es ist schließlich meine erste eigene Wohnung.

Sie waren doch schon fern Ihrer Genfer Heimat, als Sie in Bern wohnten.

Zakaria Stimmt. Aber da habe ich mich entschieden, bei einer Gastfamilie zu wohnen. Ich habe in Genf ja nur französisch gesprochen und musste erst mal Deutsch lernen. Wenn man in einer Familie lebt, geht das viel besser. Klar, ich hätte auch in Bern eine eigene Wohnung nehmen können, aber so war es mir lieber. Ich war zum ersten Mal weg von meinen Eltern, es war somit ein nicht ganz so harter Schnitt für mich.

Aber jetzt kommt der nächste Schritt: Das erste Mal alleine wohnen.

Zakaria Ja, das ist doch spannend, oder? Ich muss, wie gesagt, noch einiges besorgen, auch die Küche ist noch nicht fertig.

Sie kochen selbst?

Zakaria (lacht) Na, ein paar Sachen kann ich schon, denke ich. Hoffe ich. Einfache Sachen eher. Für die afrikanische Küche kommt aber meine Mama hierher, die Gerichte sind nicht leicht zu kochen.

Wohnen Sie in Gladbach oder in Düsseldorf?

Zakaria In Gladbach, das ist besser für mich. Da bin ich näher am Stadion. Und wenn ich mal nach Düsseldorf will, bin ich in 20 Minuten da.

Die neue Wohnung ist der nächste Schritt für den Menschen Denis Zakaria, Borussia sportlich der nächste Schritt für den Fußballer. Erst vom Zweitligisten Genf zum Erstligisten Bern, nun von der Schweizer Liga in die Bundesliga. Sie hatten auch Angebote aus der englischen Premier League, haben sich aber dagegen entschieden - weil es zu früh gewesen wäre?

Zakaria So ist es. Ich hätte mich dabei nicht wohlgefühlt. Was nicht heißt, die Bundesliga ist schlechter als die Premier League, im Gegenteil. Die Bundesliga ist eine Top-Liga. Aber hier wird viel mehr auf junge Spieler gesetzt, insbesondere bei Borussia. Man kann sich hier entwickeln und Erfahrungen sammeln. Borussia ist der perfekte Klub für mich. Ich habe Vertrauen in den Verein, in das Team. Wir haben ein tolles Team mit dem wir, da bin ich mir sicher, in den nächsten Jahren einiges erreichen können. Ich habe einen Vertrag über fünf Jahre - und habe viel vor hier.

Sie haben, war zu lesen, auch mit Granit Xhaka über Borussia gesprochen. Er kam ebenfalls als junger Spieler her, damals aus Basel, und spielte vier Jahre in Gladbach. Nun ist er beim FC Arsenal in London.

Zakaria Er hat mir natürlich etwas von Gladbach erzählt. Er hat gesagt, dass Borussia für einen jungen Spieler wie mich ein Topverein ist, weil man sich gut entwickeln kann. Und er sagte, dass Borussia ein tolles Stadion hat mit tollen Fans.

Das haben Sie ja schon selbst kennengelernt - beim Rückspiel in der Champions-League-Qualifikation vor einem Jahr.

Zakaria Oh je, oh je, das 1:6 war das schlimmste Spiel meines Lebens. Borussia hatte einfach ein anderes Niveau, war wirklich zu stark für uns. Trotz des Ergebnisses war es aber eine wichtige Erfahrung, und da habe ich mir gedacht: Es ist toll, hier zu spielen.

Am Mittwoch hat Bern wieder in der Qualifikation zur Champions League gespielt. Gegen Kiew, das 2012 Borussias Gegner war. Bern hat dort 1:3 verloren. War es das schon für Young Boys?

Zakaria Nein. Bern ist gut genug, das zu Hause noch zu drehen, um 2:0 oder 3:0 zu gewinnen. YB hat eine starke Mannschaft und ist im eigenen Stadion sehr gut, das haben wir in der vergangenen Saison gegen Donezk gezeigt. Das Spiel gegen Kiew habe ich ehrlich gesagt nicht gesehen. Ich war mit meinen Kollegen Josip Drmic und Vince Grifo essen.

Mal ehrlich: Haben Sie sich mal vor Augen geführt, wie viel eigentlich zwölf Millionen Euro sind? So viel waren Sie Gladbach wert.

Zakaria Darüber darf man sich gar keine Gedanken machen. Es ist ein großer Transfer, das weiß ich, und ich muss zeigen, dass ich das Geld wert bin. Das ist aber kein Druck, sondern ein Anspruch, den ich habe. Wenn ich gut arbeite und versuche, mich immer weiter zu verbessern, werde ich den erfüllen können.

Was hat Ihre Mutter gesagt, als Sie ihr sagten, dass Sie nach Deutschland wechseln?

Zakaria Erst mal war es für sie natürlich ein kleiner Schock, aber ich war ja schon zwei Jahre von zu Hause weg, und sie war schon darauf vorbereitet. Sie freut sich natürlich für mich und gibt mir immer viel Kraft. Das ist mein Rückhalt, meine Stärke. Wir telefonieren auch sehr oft gerade jetzt natürlich, wo ich ein paar Tipps brauche für meine Wohnung und das Einkaufen.

Sprechen wir über das Laufen. Die Sechser in Gladbach sind gut darin, Christoph Kramer zum Beispiel läuft pro Spiel zwölf, 13 Kilometer. Passt das zu Ihnen?

Zakaria Auf jeden Fall. Ich war in Bern auch immer viel unterwegs und werde das auch bei Borussia sein. Der Fußball in der Bundesliga ist sehr schnell, man muss viel laufen. Ich muss noch ein bisschen an mir arbeiten, um top vorbereitet zu sein für diese Herausforderung. Aber der Verein macht alles für mich, dass ich das hinkriege. Es ist ja auch noch etwas Zeit bis zum ersten Spiel.

Was sind neben der Laufbereitschaft Ihre Stärken?

Zakaria Ich bin ganz gut im Zweikampf, denke ich. Ich kann viele Bälle erobern. Und ich denke immer nach vorn und versuche, wenn ich den Ball habe, auch nach vorn zu gehen, um Überzahl für uns zu schaffen.

Was müssen Sie noch verbessern?

Zakaria Ich habe noch nicht so viele Tore gemacht. Und ich muss mehr Assists geben. Insgesamt kann ich noch vieles verbessern.

Sie wirken stets sehr gut gelaunt und fröhlich.

Zakaria Das bin ich auch. Und das ist auch wichtig, denn Fußball ist doch vor allem erst mal ein Spiel, das Spaß machen soll. Den Fans, aber auch den Spielern. Ich bin jedes Mal froh, wenn ich zum Training komme, wenn wir trainieren oder spielen. Wie kann man nicht froh und glücklich sein, wenn man bei so einem Verein und in so einem Stadion spielt?

Das zeigen Sie aber auch.

Zakaria Das ist auch nicht gespielt, das kommt aus dem Innern. Es ist meine Natur, fröhlich zu sein.

Haben Sie mal nachgemessen, wie lang Ihre Beine sind?

Zakaria Nein, das habe ich nicht. Aber sie sind lang, das ist mal klar.

Patrick Vieira und Paul Pogba haben auch lange Beine - sind das darum Ihre Vorbilder?

Zakaria Sie sind einfach unglaubliche Spieler, von denen ich mir etwas abschauen kann. Aber eigentlich will ich nicht sein wie Vieira oder Pogba, sondern nur Zakaria. Ich habe meinen Stil. Natürlich gucke ich mir an, wie die beiden es machen, aber ich mache es dann auf meine Art.

Pogba macht mehr Show auf dem Platz.

Zakaria Stimmt. Das passt zu ihm, aber nicht zu mir, ich mache das nicht.

Haben Sie einen bestimmten Torjubel?

Zakaria Ich habe bisher noch nicht so viele Tore gemacht, darum musste ich mir noch nicht so viele Gedanken darüber machen. Ich lasse die Freude dann einfach aus mir raussprudeln. So wie in Nürnberg. Aber das war ja nur ein Testspiel. Und wir haben verloren. Aber wir sind noch in der Vorbereitung und haben noch zwei Wochen bis zum Pokalspiel in Essen. Dann müssen wir so weit sein, bis dahin müssen wir hart arbeiten. Ich bin sicher, dass wir dann bereit sind für das Spiel.

Der Auftakt ist ja cool: Rot-Weiss Essen ist ein Traditionsverein, auch wenn er nur in der Regionalliga spielt. Und dann kommt der 1. FC Köln.

Zakaria Das Derby! Super, darauf freue ich mich. Klar ist: Das müssen wir gewinnen, etwas anderes gibt es da nicht. Mir muss keiner was zu diesem Spiel sagen, ich weiß, worum es da geht. Ich habe mich natürlich vorab informiert, habe viele Spiele von Gladbach gesehen bei Youtube und so, da habe ich gesehen, was bei den Derbys abgeht. Ich kenne ja die Derbys aus Bern gegen den FC Thun. Und ich kann sagen: Ich habe noch kein Derby verloren.

Das könnte ein gutes Omen für den ersten Spieltag sein.

Zakaria Das hoffe ich doch. Im Derby gilt eben: verlieren verboten. Und dafür werde ich alles geben, ob ich auf dem Platz stehe oder nicht. Aber erst einmal müssen wir uns auf das Spiel in Essen fokussieren.

Wie fokussiert sind Sie auf das Thema WM 2018?

Zakaria Ich muss zuerst in Gladbach mein Bestes geben. Dann im WM-Aufgebot zu sein, wäre für mich ein Traum, natürlich. Ich war ja bei der EM in Frankreich im Kader - das war eine unglaubliche Erfahrung, auch wenn ich nicht gespielt habe.

Die Chancen, bei Borussia aufzufallen, wenn es gut läuft, sind gut. Der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic ist recht häufig im Borussia-Park. Und grundsätzlich passt es ja gut mit Borussia und den Schweizern.

Zakaria Das war bisher meistens so. Das war sicher auch ein Faktor für mich, aber es ist keine Garantie für einen Platz im Nationalteam. Ich bin hergekommen, das fortzusetzen.

Quelle: RP
 
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