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Borussia Mönchengladbach
Der ewige Streit um die Sonntagsspiele

Das 0:2 gegen Hannover im Notencheck
Das 0:2 gegen Hannover im Notencheck FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Wenn die DFL Spiele freitags und sonntags ansetzt, hagelt es Kritik. Unsere Analyse zeigt: Borussia ist nicht über Gebühr betroffen. Von Jannik Sorgatz

"Fußball ist Samstag, 15.30 Uhr", hat Lars Stindl vor ein paar Monaten im Interview mit dem "Mitgedacht"-Blog gesagt. Nun werden die Borussia-Profis auch das Spiel gegen die TSG Hoffenheim als Teil der Sportart betrachten müssen, deren Ausübung ihr Beruf ist. Allerdings unterstreicht das Stindl-Zitat, dass die Ansetzungen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) immer wieder ein kontrovers diskutiertes Thema sind.

David Büchler ist kein Fußballprofi, sondern schaut Stindl und Co. fast immer zu - als Fan im Borussia-Park oder auswärts, so wie zuletzt in Hannover. Zudem betreibt Büchler mit Freunden eben jenes "Mitgedacht"-Blog, das sich neben dem sportlichen Geschehen vor allem mit Borussias vielfältiger Fanszene beschäftigt. Die Fahrt nach Hannover war eine besonders misslungene, nur ein Sieg hätte Abhilfe schaffen können. Doch davon war die Mannschaft beim 0:2 noch weiter entfernt als viele Fans zwei Stunden vor dem Anpfiff vom Stadion. Ein ausgebrannter Lkw hatte die A 2 lahmgelegt. Vollsperrung.

Vor Ort gab es die nächste Hürde: eine dürftige Parkplatzsituation aufgrund von zwei Parallelveranstaltungen in Stadionnähe. Rennend habe er es wenigstens in der 6. Minute in den Block geschafft, erzählt Büchler, viele seien noch später eingetroffen. "Was für ein Griff ins Klo!", war daraufhin bei "Mitgedacht" über die Ansetzung zu lesen. Ralf Adam, bekannt als Fanhaus-DJ und Organisator von Sonderzügen sagt: "Das soll keine Verschwörungstheorie sein, aber die Umstände werden die Spielplanmacher im Zweifelsfall wenig interessieren."

Und was sagen die Spielplanmacher? Ein DFL-Sprecher teilt auf Anfrage mit, dass es vonseiten der Hannoveraner keine Informationen über die Parallelveranstaltungen gegeben habe. Zudem sei aus Sicherheitskreisen der Wunsch gekommen, Hannover gegen Mönchengladbach nicht am gleichen Tag wie Bremen gegen Wolfsburg stattfinden zu lassen.

Blogger Büchler sieht die Sache durchaus differenziert, trotz des verständlichen Ärgers, auf der Autobahn festzusitzen und ein paar Spielminuten zu verpassen. "Wir können nicht leugnen, dass die Tendenz zur Aufsplittung geht. Das sehen wir auch kritisch, aber wir sind nicht auf dem Dampfer, die DFL per se hart zu kritisieren", sagt Büchler. Und wenn es um die Nicht-Samstagsspiele gehe, sei eben nicht nur die Borussia betroffen: "Ich glaube nicht, dass die DFL da einzelnen Vereinen einen reindrückt."

Adam hat auf der Homepage des Fanprojekts die Ansetzungen dieser Saison analysiert und kommt dabei zu dem Schluss, dass die unterschiedlich starken TV-Quoten ein Argument seien, Gladbach, Schalke oder Hamburg nach Möglichkeit öfter außerhalb der großen Samstagskonferenz spielen zu lassen. Vergleicht man die vergangenen fünf Spielzeiten, kommen allerdings die Borussia und ihr quotenschwacher Gegner aus Hoffenheim fast identisch weg: Gladbach hatte 46 Nicht-Samstagsspiele seit 2011, Hoffenheim 47 (Europa-League-bedingte Ansetzungen auf den Sonntag ausgenommen). In dieser Saison fallen die 28 Samstagsspiele von Neuling FC Ingolstadt ins Auge.

Langfristig hat nur der FC Bayern den Samstag als Kernspieltag scheinbar sicher, was die DFL damit begründet, dass der Rekordmeister in der Champions League meistens weit komme. Fünfmal in Folge haben die Bayern das Halbfinale erreicht. Aber auch die anderen deutschen Teams mussten vor Spielen in der Königsklasse nie sonntags und danach nie freitags ran. Da die Borussia seit Dezember aus allen Wettbewerben raus ist, fielen die Ansetzungen in der Rückrunde vermeintlich etwas lästiger aus: Sie musste viermal freitags, viermal sonntags und einmal mittwochs ran, nur achtmal am klassischen Samstag.

Ohnehin stellt die Abweichung von der Norm nicht jeden Fan vor gleich große Herausforderungen: Adam ist selbstständig, Büchler noch Student, das macht flexibel. "Was ich nicht schaffe wegen der Fußball-Reise, ist mein Problem. Ich muss mir nicht frei nehmen", sagt Büchler. Morgen steht nun ein Heimspiel an, der letzte Nicht-Samstagstermin der Saison. Da könnte man meinen, dass die Lage viel entspannter sei.

Doch Zahlen, die Borussia unserer Redaktion zur Verfügung gestellt hat, zeigen, dass zuletzt gegen Hertha BSC (auch ein Sonntagsspiel) mehr als 5800 Dauerkarteninhaber und Kartenbesteller (die zum Teil mehrere Tickets kaufen) nicht aus Nordrhein-Westfalen kamen. In anderen Worten: Für tausende Fans ist der Anfahrtsweg zu Heimspielen genauso weit wie zu Auswärtsspielen in Hannover.

Sollte am Ende der Saison die Europa-League-Qualifikation stehen, könnten sich die Fans auf mehr als ein Dutzend Sonntagsspiele einstellen, ab 2017 kommt ligaweit fünfmal der Montag hinzu. Wer als beliebter Klub möglichst oft am Samstag spielen will, muss in der Champions League weit kommen. Das wäre natürlich nicht nur aus logistischen Gründen ein Glücksfall.

Quelle: RP
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