| 13.02 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Die dramatische VAR-längerung gegen Hannover

Fotos: Videobeweis bestätigt Borussia-Elfer in der Nachspielzeit
Fotos: Videobeweis bestätigt Borussia-Elfer in der Nachspielzeit FOTO: dpa, fg nic
Mönchengladbach. Zweieinhalb Minuten musste Thorgan Hazard auf die Ausführung seines Elfmeters warten. Am Ende ging alles gut, nicht nur für den Belgier, sondern auch für den Videobeweis im Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Hannover 96. Von Jannik Sorgatz

Wenn man nach dem Spiel die emotionalisierten Borussia-Fans gefragt hätte, wie lang es am Ende gedauert hatte, was wäre wohl die durchschnittliche Antwort gewesen? Die richtige lautet auf jeden Fall "146 Sekunden". So viel Zeit verging zwischen Christian Dingerts erstem Elfmeterpfiff und der Netzberührung des Balles, von Thorgan Hazard zum 2:1 ins Tor geschossen für Borussia gegen Hannover 96. Dafür sorgte der VAR, der Video Assistant Referee.

Sportlich hatte André Breitenreiter die Szene später schnell analysiert. "Salif Sané trifft in der Nachspielzeit leider die falsche Entscheidung und geht ins Tackling", sagte Hannovers Trainer. Der gefoulte Glückliche bzw. glückliche Gefoulte hieß Vincenzo Grifo, doch die ursprünglichen Hauptdarsteller waren mit diesem Duell nur die Geburtshelfer des großen Dramas.

91:22 Minuten: Dingert pfeift und zeigt auf den Elfmeterpunkt.

91:36 Minuten: Während Hannovers Spieler auf ihn einreden, geht Dingerts Finger erstmals zum Ohr. Die Kommunikation mit Videoschiedsrichter Wolfgang Stark in Köln beginnt.

92:03 Minuten: "Hallo, ruhig!", sagt Dingert den ungeduldigen Spielern um sich herum, die miteinander diskutieren, während er versucht, mit Stark zu kommunizieren.

92:37 Minuten: Dingert malt einen Bildschirm in die Luft und rennt zur Seitenlinie, um sich die Szene selbst anzusehen.

93:22 Minuten: Entscheidungsfindung beendet, exakt zwei Minuten nach dem ersten Mal zeigt Dingert wieder auf den Elfmeterpunkt.

93:46 Minuten: Der Ball wird freigegeben.

93:48 Minuten: Hazard schießt in die linke Ecke, der Ball ist drin, 2:1 für Gladbach.

Es war also deutlich nach halb sechs, als das Spiel abgepfiffen wurde. Weil Hannovers Bus im Stau gestanden hatte, war die Begegnung bereits später angepfiffen worden, nun dauerte die Nachspielzeit mehr als sechs Minuten – die vier angezeigten Minuten plus ziemlich genau 146 Sekunden aufgrund des Elfmeter-Dramas.

Wenn Schiedsrichter Dingert Borussia pfeift, ist dieses Jahr für Gesprächsstoff gesorgt, es bleibt dabei. Ende Februar gab er Lars Stindls Handtor beim Sieg in Ingolstadt, Mitte April leitete er das 3:5 gegen Hoffenheim, Anfang Mai folgte der Wolkenbruch in Wolfsburg samt Spielunterbrechnung, und nun eben die VAR-längerung gegen Hannover.

Nachdem Breitenreiter dem Schiedsrichter die richtigen Entscheidungen bescheinigt hatte, schwang sich Hecking erneut zum vehementen Verfechter des technischen Hilfsmittels auf. "Nochmal: Ganz klares Statement pro Videobeweis! Wir haben uns entschieden, das ein Jahr zu testen. Dass das nicht immer alles glatt läuft, ist für mich normal", sagte er. "Aber wenn wir jedes Wochenende neu Druck aufbauen, dann wird das nichts. Wir sind alle gefordert, dem Videobeweis die Chance zu geben, sich durchzusetzen. Wenn das nicht begriffen wird, dann tut es mir leid."

In Gladbach gingen dahingehend alle zufrieden nach Hause, und auch der Schwarm im Internet sowie rund ums Stadion fand den Elfmeterpfiff in der deutlichen Mehrheit richtig. Wobei das Schiedsrichter-Team in Gladbach 146 Sekunden für die Bestätigung einer bereits im Ursprung richtigen Entscheidung benötigte. So wurde es ein Thriller am frühen Samstagabend, wie es ihn so in der Bundesliga noch nicht gegeben hatte.

 
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