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Borussia Mönchengladbach
Die erste praktische Prüfung für Yann Sommer

Yann Sommer trainiert erstmals in Gladbach
Yann Sommer trainiert erstmals in Gladbach FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Borussias neuer Torwart Yann Sommer hat bisher nur trainiert und viele Autogramme geschrieben. Am Samstag in Enschede feiert er sein Debüt. Von Karsten Kellermann

Yann Sommer verliert sein Lächeln nie. Nicht, als die Extra-Schicht, die er und Janis Blaswich zuletzt anberaumt hatten, von einem Unwetter jäh beendet wurde. Und auch nicht, wenn er täglich fast eine halbe Stunde braucht, um vom Trainingsplatz in die Kabine zu laufen. Der Weg dorthin führt gewöhnlich vorbei an einem Spalier von Fans und jeder will sein Autogramm haben. Auch Fotos mit Borussias neuer Nummer eins sind ein Muss für die Gladbach-Freunde. So schreibt Sommer und lächelt, lächelt und schreibt. "Ich weiß nicht, wie viele Autogramme ich hier schon gegeben habe", gesteht Sommer. Es dürften Hunderte sein. Dabei hat der Schweizer noch nicht einmal im Borussen-Tor gestanden.

Fotos: Bayern München gegen Borussia FOTO: Dirk Päffgen

Das wird sich am am Samstag ändern. Beim Testspiel in Enschede beginnt für Sommer der Ernst seines Borussen-Lebens. Die Fans werden genau hinschauen, was er kann. Sie sind gespannt auf den Neuling und die Erwartungen sind hoch. Das hat auch mit Marc-André ter Stegen zu tun. Drei Jahre stand der gebürtige Gladbacher im Tor und hielt meist prächtig. Sommer weiß, dass er daran gemessen werden wird, ob er will oder nicht. "Die Fußstapfen sind groß", sagt Sommer.

Fotos: Telekom Cup: Hamburger SV gegen Borussia FOTO: Dieter Wiechmann

Er selbst und alle Borussen sind bemüht, herauszuarbeiten, dass künftig kein neuer ter Stegen im Gladbacher Tor steht, sondern ein Sommer, der seine eigene Geschichte am Niederrhein schreiben will. Doch ganz sicher wird es die Vergleiche geben, unweigerlich. Denn gerade Sommers großes fußballerisches Können ist es, das ihm den Job bei Borussia eingebracht hat – und das ist auch die wesentliche Parallele zu ter Stegen. In Mönchengladbach ist der Torhüter der erste Aufbauspieler, ter Stegen hat das nahezu in Perfektion umgesetzt.

Impressionen aus dem Trainingslager FOTO: Dirk Päffgen

Nun ist ter Stegen aber weg, er will mit dem FC Barcelona "Titel holen", wie er jüngst in Spanien bekanntgab. Natürlich will ter Stegen spielen, trotz der beachtlichen Konkurrenz im Klub, der sich nach der Weltmeisterschaft den chilenischen Helden Claudio Bravo kaufte. Mit dem versteht sich ter Stegen nach eigenen Angaben "sehr gut". Der Ex-Borusse hat sich viel vorgenommen in der neuen Wahlheimat. "Ich möchte der Welt meine Qualitäten zeigen", sagte er der Zeitung "El Mundo Deportivo". Der Anspruch seines Nachfolgers in Gladbach ist zunächst mal etwas bescheidener. Er will der Bundesliga zeigen, dass all die Lobeshymnen, die aus der Schweiz hinüber nach Deutschland geschwappt sind, seit feststeht, dass er Borusse wird, zurecht gesungen werden.

Sommer sei der kompletteste Torwart, den die Schweiz jemals hatte, sagte beispielsweise Jörg Stiel, der als erster Eidgenosse im Gladbacher Tor stand. Diese Liaison, die drei Jahre dauerte, war eine, die gut klappte. Stiel hatte 2001 den perfekten Einstand. Im Saisoneröffnungsspiel gegen Besiktas Istanbul debütierte er. Stiel hatte gute Aktionen, leitete sogar ein Tor ein und hatte sogleich die Fans hinter sich.

Diese sind auch Sommer schon sehr gewogen. "Wir freuen uns, wenn du endlich bei uns im Tor stehst", postete einer der Gladbach-Freunde auf Sommers Facebook-Seite.

Auch Sommer ist froh, dass es um 19.30 Uhr endlich soweit ist. "Es ist wichtig, ins Spiel reinzukommen", sagt er. Auch in Basel wurde er viel einbezogen in den Aufbau. "Ich bin ein Typ, der von hinten raus gern mitspielt", sagt er. Und er sei einer, der viel spricht auf dem Platz, um die Abwehr zu dirigieren, dabei kann er auch mal laut werden, wenn es nötig ist. "Ich sehe von hinten vieles ja am besten", sagt Sommer. Die Kommunikation mit den Kollegen ist ihm wichtig. Und auch, ihre Spielweise zu kennen. "Borussia spielt natürlich etwas anders als Basel. Jeder Spieler hat außerdem seinen eigenen Stil, man muss sich aneinander gewöhnen", gesteht Sommer. Dies sei ein Prozess, der "ein bisschen Zeit" braucht.

Im Training hat er die Organisation der Gladbacher Defensive kennengelernt. Beim Telekom-Cup in Hamburg war er als Zuschauer dabei und konnte von der Bank aus Anschauungsunterricht nehmen. All das war Theorie. Nun steht in Enschede der erste praktische Prüfung für ihn an. Borussias Sportdirektor Max Eberl traut dem 25-Jährigen zu, schnell ein Führungsspieler in Gladbach zu werden. Dass er bei den Fans schon ein Darling ist, spürt Sommer jeden Tag nach dem Training. Jetzt will er anfangen, den Vertrauensvorschuss zurückzuzahlen. "Ich will ein guter Torwart für Borussia sein", sagt Sommer. Klappt das, wird er auch künftig sein Lächeln nicht verlieren.

Quelle: RP
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