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Borussia Mönchengladbach
Die Führungs-Krise und eine berechtigte Frage

Einzelkritik: Gute Leistung von Elvedi, Dahoud laufstark
Einzelkritik: Gute Leistung von Elvedi, Dahoud laufstark FOTO: dpa, jg
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach steht nach 13 Spieltagen bei null Eckball- und null Joker-Toren. Dagegen müsste bei André Schuberts Mannschaft nach einem 1:0 öfter die Null stehen. Schon acht Punkte sind so vergeben worden. Von Jannik Sorgatz

Hoffen aufs Revival bei Borussia Dortmund

Es hat in den vergangenen Jahren nicht viele dieser Negativläufe bei Borussia gegeben. Sieben Ligaspiele ohne Sieg, sechs Pflichtspiele ohne Sieg – worauf das Augenmerk gelegt wird, ist letzten Endes Geschmacksache. Am größten sind die Parallelen zur Krise in der Saison 2013/14, als Gladbach unter Lucien Favre neunmal in Folge in der Bundesliga sieglos blieb. Damals gab es zwei Unentschieden vor Weihnachten, drei Niederlagen nach der Winterpause und anschließend gewann Borussia noch einmal vier Spiele nicht.

Da führte man 82 Minuten lang in Bremen und kassierte kurz vor Schluss ein Freistoß-Gegentor, führte 2:0 gegen Hoffenheim und es reichte nicht, führte in Braunschweig und Marc-André ter Stegen erzielte ein Eigentor. Als es schließlich Mitte März nach Dortmund ging, waren wohl alle Arten des Vergeigens durchgespielt. Beim BVB gab es einen vielumjubelten 2:1-Erfolg. Der Gegner am kommenden Wochenende dürfte bekannt sein. Dafür wurde doch einst das Wort "ausgerechnet" erfunden.

Zur Hälfte auf Champions-League-Niveau

Es ist am Mittwoch untergegangen, was für eine Wundertat Manchester City kurz vor der Pause vollbrachte. In der Nachspielzeit fügte Pep Guardiolas Team den Borussen das erste Heim-Gegentor in der ersten Hälfte seit Anfang Mai zu. Gegen Hoffenheim stand nach 45 Minuten wieder die Null. Mit 21 Punkten und 9:5 Toren ist Gladbach die drittbeste Bundesliga-Mannschaft der ersten Halbzeit. Im zweiten Durchgang bedeuten 3:13 Tore und zehn Punkte den Relegationsplatz. Besonders anfällig ist Borussia in der Viertelstunde direkt nach der Pause. Da fielen schon sechs Gegentore – so wie am Samstag durch Nadiem Amiri.

Führungen ohne Wert

1:0-Führungen sind ein so unzuverlässiger Sieggarant wie seit Michael Frontzecks Zeiten nicht. Dabei war das unter André Schubert schon ganz anders, so gut wie lange nicht. 20-mal ging Borussia vergangenen Saison in den 29 Spielen nach Lucien Favres Rücktritt in Führung. Nur dreimal reichte es nicht, so dass man die drei Spiele mal eben aufzählen kann: 1:0 in Hoffenheim, 3:3 am Ende; 1:0 in Hamburg, 2:3 am Ende; 1:0 in Augsburg, 2:2 am Ende. Hier ist die Gesamtbilanz seit dem Wiederaufstieg 2008, zuerst die Zahl der verlorenen Punkte nach 1:0-Führung, dahinter die Siegesquote in diesen Spielen:

2016/17: 8 Punkte – 50 Prozent
2015/16: 7 Punkte – 85 Prozent
2014/15: 13 Punkte – 79 Prozent
2013/14: 16 Punkte – 70 Prozent
2012/13: 18 Punkte – 60 Prozent
2011/12: 11 Punkte – 77 Prozent
2010/11: 27 Punkte – 50 Prozent
2009/10: 20 Punkte – 59 Prozent
2008/09: 11 Punkte – 62 Prozent

Hochgerechnet auf eine ganze Saison, ist die aktuelle Bilanz also so schlecht wie seit dem Relegationsjahr nicht. Daran muss Borussia dringend arbeiten. In der Champions League ist die Quote mit 25 Prozent schließlich noch schlechter.

Eine berechtigte Frage

Der FC Bayern freut sich, dass die kurze Ergebniskrise vorbei ist. Mats Hummels' Kopfballtor nach einer Ecke brachte den Sieg gegen Bayer Leverkusen. Aus München sind keine Stimmen vernommen worden, dass das 2:1 weniger wert sei, weil es nach einer Ecke fiel. Im Gegenteil, die Einfachheit ist beinahe attraktiv. Was das mit Borussia Mönchengladbach zu tun hat? Nun ja, André Schuberts Mannschaft fehlt nicht nur das Gefühl eines Sieges, sondern schon viel länger das Gefühl eines Tores nach einer Ecke. Andreas Christensen traf Anfang Februar gegen Werder Bremen, gegen die TSG Hoffenheim segelte die 159. und 160. Ecke ohne Torerfolg in allen Wettbewerben in die Mitte.

Warum tut sich Gladbach so schwer? "Ich habe die Frage vorher nie bekommen", sagte Schubert. "Als wir Woche für Woche gewonnen haben, hat nie jemand nach Standards gefragt." Das wäre wohl komisch gekommen: "Herr Schubert, 5:0 gegen Hertha BSC, aber warum hat Ihre Mannschaft kein Eckball-Tor erzielt?" Bremen traf vergangene Saison mit jeder 16. Ecke, die Topquote hätte Borussia seit Februar zehn Tore mehr gebracht. Selbst bei einer durchschnittlichen Quote hätte Schuberts Team viermal häufiger jubeln können. Von daher ist die Standard-Frage nicht das drängendste Problem, aber zweifellos ein Problem.

Noch vier Trainer ohne Goldenes Händchen

Von einer weiteren Null hätte Fabian Johnson seine Mannschaft erlösen müssen. Der US-Amerikaner war erst drei Minuten auf dem Platz, als er frei vor Oliver Baumann die größte Chance des Spiels vergab. Es wäre Borussias erstes Joker-Tor in dieser Bundesliga-Saison gewesen. Markus Weinzierl (Schalke), Markus Gisdol (Hamburg) und Maik Walpurgis (Ingolstadt), der gerade erst einen Job angetreten hat, haben ebenfalls noch keinen Torschützen eingewechselt.

Quelle: RP
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