| 17.39 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Die Lernwilligen vom Niederrhein

Borussia - Ingolstadt: Einzelkritik
Borussia - Ingolstadt: Einzelkritik FOTO: dpa, gki gfh
Meinung | Mönchengladbach. Nach zwei Niederlagen in Folge schien Borussia Mönchengladbach in einen Negativstrudel zu geraten. Doch das Team von André Schubert hat die Dinge in kurzer Zeit geradegerückt, weil es aus Fehlern gelernt hat. Von Karsten Kellermann

Als die Borussen am 15. September mit einem Tag Verspätung aus Manchester zurückkehrten, trugen sie einen schweren Rucksack mit sich herum. Den zeitlichen Verzug natürlich wegen des vertagten Spiels bei City, das einen Tag Regenerationszeit kostete. Vor allem aber war da die Last der schlechten Erfahrungen. Zuvor hatten die Gladbacher 1:3 beim Aufsteiger Freiburg verloren, und nun 0:4 auf der Insel. Null Punkte und 1:7 Tore in 180 Minuten. In Freiburg hatten die Borussen sich nicht genügend gewehrt gegen den willensstarken und enthusiastischen Neuling; dann in Manchester, gegen einen sicherlich übermächtigen Gegner, ließen sie zu viel einfach geschehen. Es schien sich eine kritische Lage anzubahnen.

Zehn Tage später hat das Team von André Schubert die Dinge zurechtgerückt. Sieben Punkte hat es ergattert, hat seine Heimserie um zwei Siege erweitert und im fernen Leipzig einen Punkt geholt. "Das war eine gute Reaktion", fasste Manager Max Eberl nach dem 2:0 gegen Ingolstadt zusammen. Die Borussen haben nachgewiesen, dass sie mit Rückschlägen und speziellen Situationen umgehen können. In Leipzig haben Sie sich gegen die Niederlage aufgelehnt, anders als in Freiburg. Und nun gegen Ingolstadt haben sie gezeigt, dass sie nicht nur, wie gegen Bremen, spielerisch glänzen können, sondern einen Sieg auch kämpferisch arbeitend erspielen können. Schubert definiert das zu Recht als Lerneffekt.

Die erfahrenen Spieler haben sich gesteigert

Aus Erfahrungen die richtigen Schlüsse zu ziehen, daraus zu lernen und das Gelernte effektiv anzuwenden – das spricht für Gladbach. Borussia hat das Wort "Entwicklung" zum Teil des eigenen Dogmas erkoren, und sie lebt es. Nun kommt die nächste Gelegenheit, einen möglichen Lerneffekt nachzuweisen: Nach dem Debakel in Manchester kommt der FC Barcelona, und es gilt, sich im zweiten Champions-League-Spiel besser zu verkaufen als bei "City". Dass es wieder einen "auf die Nuss" (Eberl) geben kann, muss man einkalkulieren. Es kommt aber auf die Art und Weise an.

In Manchester waren gerade die erfahrenen Spieler wie Lars Stindl, Oscar Wendt und Fabian Johnson zu passiv und zu wenig präsent. In Leipzig und nun gegen Ingolstadt übernahmen sie Verantwortung als Torschützen. So haben sie entscheidend dazu beigetragen, dass es nach den beiden Niederlagen kein schwarzer September wurde. Im Gegenteil: In der Liga ist es der beste Start seit fünf Jahren geworden, mehr als die zehn Punkte gab es nach fünf Spielen zuletzt 1976. Gegen Ingolstadt war es ein souveräner Sieg ohne Glamour – das ist ein Merkmal für Reife.

Die Borussen dürfen daher am Mittwoch mit einem gesunden Selbstvertrauen ins Spiel gegen den Giganten gehen. Die beachtliche Heimstärke kann ein Quell der Energie sein, auch wenn sie an der Konstellation nichts ändert: Borussia ist gegen Barca extremer Außenseiter. Doch die Lernwilligen vom Niederrhein werden aus der Manchester-Erfahrung die Erkenntnis gezogen haben, dass zu viel Respekt, Ehrfurcht oder gar Angst keine hilfreichen Begleiter sind. Sie führen zu Passivität, Zurückhaltung und Abwesenheit, wenn es darauf ankommt. Und schließlich zu einer Erfahrung wie der in Manchester.

Die Borussen haben es sich verdient, mit einem guten Gefühl in das Spiel gegen den FC Barcelona zu gehen. "Wir sind keine Fans, wir wollen etwas holen", sagte Oscar Wendt. Nicht staunender Beobachter zu sein, sondern ein Ärgernis für den großen Gast - das ist der richtige Ansatz für den Feiertag am Mittwoch. Wird der aktiv umgesetzt, darf Borussia die Champions League auch genießen.

 
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