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Mönchengladbach
Dortmunds einziger Gladbach-Fanklub

Mönchengladbach: Dortmunds einziger Gladbach-Fanklub
Es gibt etwa 20 Phoenix-Borussen, sechs bis acht fahren regelmäßig zu den Spielen der "wahren Borussia". Ihre Liebe bekennen sie auch auf Kennzeichen. FOTO: KN
Mönchengladbach. Die Phoenix-Borussen sind ein wenig wie das gallische Dorf bei Asterix. Die VfL-Fans halten trotz der schwarz-gelben Omnipräsenz in der Stadt an ihren Verein fest. Sie zu treffen ist aber nicht ganz so leicht. Von Jannik Sorgatz

Borussia-Einfluss in Dortmund zu finden, ist entweder ein sehr leichtes oder ein sehr schwieriges Unterfangen. Meint man den BVB, dauert es an scheinbar jedem beliebigen Ort in der Stadt nur Sekunden, bis ein Aufkleber an einem Laternenmast ins Auge fällt, eine Fahne im Fenster oder ein Fan mit schwarz-gelben Devotionalien. Die Mönchengladbacher Borussia - bei ihren Anhängern als "einzig wahre" bekannt, Dortmund-Fans hört man das über ihren Klub verblüffend selten sagen - hat da keine Chance. In der offiziellen Fanklubliste des VfL taucht lediglich ein Eintrag mit Dortmunder Postleitzahl auf, die Phoenix-Borussen aus 44289 Dortmund-Lichtendorf. Genauso viele Gladbach-Fanklubs gibt es in Bagdad (Irak), Wellington (Neuseeland) und Blairgowrie (Südafrika).

Anruf bei Hendrik Schwarze, dem Phoenix-Vorsitzenden. Eine Frau meldet sich, sagt "Hallo?", ohne ihren Namen zu verraten. Ja, es komme öfter vor, dass sich Leute bei ihr melden und nach Herrn Schwarze fragen. Leider könne sie nicht helfen, die Nummer in der Liste sei wohl falsch. Dann fragt sie noch nach der E-Mail-Adresse des Vorsitzenden, um das mal zu regeln. Keinen schwarz-weiß-grünen Borussen in Dortmund gefunden, aber immerhin helfen können. Man kann das als Sinnbild betrachten.

Schwarze bekommt auch eine E-Mail vom Autor dieses Textes. Gute Nachricht: Er antwortet schnell. Schlechte Nachricht: Er weilt gerade in Hamburg, um die Borussia im DFB-Pokal beim FC St. Pauli zu unterstützen. Auch das kann man als Sinnbild für die schier aussichtslose Suche betrachten. Aber Schwarze hat schnell seinen Stellvertreter gefragt. Manfred Daners hat Zeit für ein Gespräch.

Daners ist 27 Jahre alt, seine Eltern stammen aus Mönchengladbach, er ist in Hannover aufgewachsen und wohnt nun in Holzwickede, das offiziell zu Unna gehört. Sie sehen richtig, die Stadt Dortmund taucht in diesem Satz nicht auf. Vom Kern des Fanklubs, der aus etwa 20 Leuten bestehe, von denen sieben, acht regelmäßig zu den Spielen fahren, komme nur der Vorsitzende aus Dortmund. Noch ein Sinnbild? "Wir haben die Phoenix-Borussen extra in Dortmund gemeldet, damit es etwas mehr wehtut", sagt Daners. Das Wehtun besteht vor allem darin, den BVB-Fans im östlichen Ruhrgebiet zu verdeutlichen, dass sie zwar ein Quasi-Monopol besitzen, aber kein vollständiges. "Wir sind ein wenig das gallische Dorf wie bei Asterix", sagt Daners. "Es ist schon ein bisschen seltsam, als junger Mensch so standhaft zu bleiben." Als er fußballerisch sozialisiert wurde, seien Mitte der 90er-Jahre selbst in Hannover viele Kinder mit den neongelben Continentale-Trikots des BVB herumgelaufen. "Aber es kam nie in Frage, den Verein zu wechseln", versichert Daners eilig.

Seine "Wie ich mich in Borussia Mönchengladbach verliebte"-Geschichte ist die, die so viele erzählen können: zum ersten Mal auf dem Bökelberg gewesen, verliebt, Ende der Geschichte. "Wir hatten gar keine richtige Wahl", sagt Daners, "bei uns im Fanklub sind fast alle Gladbach-Fans, weil die Familie es schon war." Eine entsprechende wissenschaftliche Studie ist nicht bekannt, aber bei der Weitervererbungs-Quote scheinen die Fans von Borussia Mönchengladbach ganz weit vorne zu liegen. Das ist ziemlich bemerkenswert. Denn wer dem Klub beispielsweise kurz nach dem DFB-Pokalsieg 1995 als kleiner Junge verfiel, lernte ihn jahrelang nur im Abstiegskampf kennen - bis auf die drei Zweiliga-Spielzeiten, aber selbst die liefen mitunter holprig an.

Die schwarz-gelbe Omnipräsenz in seinem Leben hat bei Daners weder übertriebene Abneigung geschürt noch fungiert der BVB als Zweitverein. "Man war überall das schwarze Schaf mit dem falschen Trikot", sagt er. Doch so ergehe es wohl jedem, der in einer Bundesliga-Stadt nicht das naheliegendste Trikot trage. "Zum Glück gilt auch in dieser Hinsicht die Meinungsfreiheit", sagt Daners und lacht.

Die Stadt Dortmund ragt in Sachen Fußball-Begeisterung heraus. Meistens herrscht keine Intoleranz gegenüber Fans anderer Vereine, vielen fehlt anscheinend nur die Vorstellungskraft, dass man ein Auto mit dem Kennzeichen DO fahren, aber daneben eine Raute mit dem B kleben kann. "Deshalb interessiert es auch nicht wirklich jemanden, wenn man im Gladbach-Trikot durch die Stadt läuft", sagt Daners. "Klar gibt es auf der Arbeit auch Frotzeleien, gerade in der Woche vor dem direkten Duell." In der vergangenen Saison waren die Phoenix-Borussen aus 44289 Dortmund-Lichtendorf im Büro sowieso meistens der Sieger - außer am Montag nach Christoph Kramers Eigentor. Zum ersten Mal seit 1991 landete die Borussia vom Niederrhein in der Tabelle vor der Borussia aus Westfalen.

In der Fanklubliste des BVB findet sich übrigens nur eine Postleitzahl, die auf den ersten Blick aus Mönchengladbach stammen könnte. Doch 41461 steht für Göteborg in Schweden.

Quelle: RP
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