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Borussia Mönchengladbach
Ein Jahr zum Einrahmen

Das Hinrunden-Zeugnis der Borussia
Das Hinrunden-Zeugnis der Borussia FOTO: afp, agz
Mönchengladbach. Mit 68 Punkten hat Borussia ihr bestes Kalenderjahr seit 28 Jahren bestritten. 2015 ist man damit die Nummer drei der Liga. Zum Jahresausklang präsentiert der Verein den Transfer von Jonas Hofmann. Von Stefan Klüttermann

Ausschneiden, aufkleben, Rahmen drum, Nagel in die Wand und aufhängen - als Fan wie als Verantwortlicher oder Mitarbeiter des VfL Borussia 1900 könnte man schon auf den Gedanken kommen, sich das nun zu Ende gehende Jahr in die Wohnungs- oder Büroeinrichtung zu integrieren. 68 Bundesligapunkte holten die Borussen 2015 – 39 als Rückrundenmeister und nun eben 29 in der abgelaufenen Hinrunde. So erfolgreich bestritt ein Gladbacher Team ein Kalenderjahr zuletzt 1987, also vor 28 Jahren. Damals sammelte Borussia (umgerechnet auf die Drei-Punkte-Regel) gar 77 Zähler, allerdings in 36 Ligaspielen. Auch im so bedeutungsschwangeren Jahr 1975, als am Jahresende 78 Punkte zu Buche standen, hatte Borussia dafür 36 Spiele Zeit gehabt. Besser als 2015 war Borussia seit dem Bundesligaaufstieg zudem nur noch zweimal: 1970 und 1971 mit jeweils 69 Punkten.

Mit den 68 Punkten 2015 belegt man in der Jahresabschlusstabelle Rang drei – gerade einmal einen Zähler hinter dem BVB, aber schon bemerkenswerte 20 (!) Punkte vor dem FC Schalke 04 (siehe nebenstehende Tabelle). "Wir haben nach den 39 Punkten der letzten Rückrunde erneut wichtige Spieler verloren. Wir mussten also wieder neu aufbauen. Wie 2012. Damals hat es drei Jahre gedauert, bis die Mannschaft wieder das Niveau erreicht hatte. Jetzt haben wir nach einer skurrilen Hinrunde 29 Punkte – aus zwölf Spielen", bilanziert Sportdirektor Max Eberl und spielt damit auf die fünf sieglosen Spiele zu Saisonbeginn an, die schließlich im Rücktritt von Lucien Favre mündeten.

Dass Borussia diesen unvermeidlichen Gau, also den Tag, an dem Favre mal nicht mehr Trainer sein würde, so schmerz- und geräuschlos auffangen konnte, gehört neben der genannten Punkteausbeute und den mehr als 30 Millionen Euro an Einnahmen aus der Champions-League-Premiere zu den großen Leistungen dieses Borussen-Jahres.

Und dieses Borussen-Jahr sah am Dienstag kurz vor dem Ende, wie von unserer Redaktion angekündigt, in Jonas Hofmann von Borussia Dortmund den nächsten Zugang. Der 23-Jährige wechselt für eine Ablösesumme von bis zu acht Millionen Euro an den Niederrhein, soll kurzfristig den personellen Engpass auf den Außenbahnen beheben und langfristig sein Potenzial besser entwickeln können als bei ungleich größeren Konkurrenz beim BVB. "Jonas hat in Mainz und Dortmund schon gezeigt, dass er ein überdurchschnittlich talentierter Bundesligaspieler ist", sagte Eberl. Und Hofmann selbst gab zu Protokoll: "Es gab zwar mehrere Angebote, wie auch zu lesen war. Aber der Klub, mit dem ich mich richtig beschäftigt habe und bei dem mir auch mein Bauchgefühl gesagt hat, das ein Wechsel dorthin Sinn machen würde, war Borussia Mönchengladbach. Das Gesamtpaket hat letztlich den Ausschlag zu Gunsten Borussias gegeben."

Hofmanns Einkauf bewegt sich dabei in flexiblen Grenzen, was das Risiko angeht. Zum einen ist Borussia durch ihn sicherlich auf den Fall vorbereitet, in dem sich die Rückkehr von Patrick Herrmann und André Hahn weiter als bis in den Februar hinein verzögert. Zum anderen könnte sich der mit der Hoffnung auf deutlich mehr Spielpraxis als in Thomas Tuchels Starensemble wechselnde Hofmann in einer für die Rekonvaleszenten günstigen Konstellation bereits früh in der Rückrunde mit sechs anderen Bewerbern um die zwei freien Flügelpositionen balgen müssen – Ausgang völlig offen, aber Ausgang auf jeden Fall nur auf der verbliebenen Bühne Bundesliga möglich. Auch Hofmann wird wie anderen vor ihm im Zweifelsfall das Prädikat anheften, auch weiter innen spielen zu können. Aber innen spielen eben – und das fast immer und ohne Gegenargumente – Raffael und Lars Stindl.

Eberl jedenfalls kann sich nun seiner zweiten Baustelle widmen: dem Innenverteidiger mit linkem Fuß. Dass es sich im Falle eines Wintertransfers auch hierbei um einen Kauf mit langfristiger Perspektive handeln wird, gilt als gesichert. Sie wollen sich ja schließlich auch künftig noch manches Jahr sportlich einrahmen bei Borussia.

Quelle: RP
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