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Borussia Mönchengladbach
Ein verdientes Lustspiel

Borussia Mönchengladbach: Ein verdientes Lustspiel
Oscar Wendt bejubelt im Hinspiel das 3:2-Siegtor gegen Darmstadt. Am Samstag ist Wendt gesperrt. FOTO: ap
Mönchengladbach. Borussia und der heutige Gegner Darmstadt haben mehr erreicht, als in dieser Saison angesichts der Umstände zu erwarten war. Von Karsten Kellermann

Wärmedecken oder derlei Kram wird es nicht zu kaufen geben, wenn die Borussen heute die Reise zum Böllenfalltor antreten. Trainer André Schubert hat glaubhaft versichert, dass sie die letzte Dienstreise der Saison ganz sicher keine Kaffeefahrt wird. Der Grund für Schuberts Hinweis ist einer, der vor einigen Wochen noch sehr überrascht hätte: Nämlich, dass es sowohl für den gastgebenden SV Darmstadt 98 als auch für die Borussen um nichts mehr geht als einen netten und möglichst unterhaltsamen Fußballnachmittag.

Was hatte man sich alles ausgemalt für diesen 14. Mai: ein großes Finale für beide Teilnehmer dieses Bundesligaspiels, am Ende Freudesprünge auf der einen und Traurigkeit auf der anderen Seite, bei wem auch immer, oder bestenfalls gemeinsames Feiern, Finalstimmung mithin, das bodenständige Stadion der "Lilien" als Stätte des Showdowns, der Entscheidung, nebst ständigem Blick auf Ergebnisanzeigen der Mobiltelefone, Rechnereien, vielleicht eine Herzschlag-Entscheidung am Schluss.

Aber so? Der sportliche Reiz ist weg, denn Darmstadt hat sich mit dem 2:1 in Berlin vor einer Woche endgültig gerettet - und damit, neben dem 1:1 des FC Augsburg bei Schalke 04, dazu beigetragen, dass der 2:1-Erfolg der Gladbacher gegen Bayer Leverkusen reichte, um Platz vier zu 99,99 Prozent sicher zu haben. "Die Wahrscheinlichkeit, dass wir den vierten Platz auch nach dem letzten Spiel innehaben, ist natürlich sehr groß. Dennoch haben wir keinen Grund, die Saison ausklingen zu lassen", sagte Schubert. Er will heute gewinnen.

Zu dieser Saison würde es dann auch passen, wenn es dann am letzten Spieltag doch noch den ersten Auswärtssieg der Rückrunde geben würde, quasi als Ergänzung des grundsätzlichen Zickzack-Kurses. Dass dieser am Ende in den Play-offs zur Champions League gemündet hat, definiert André Schubert als "Wahnsinn".

Als er den Trainerjob in Gladbach bekam, schien die Richtung eine ganz, ganz andere zu sein. Jedenfalls gestand Vize-Präsident Rainer Bonhof nun, dass er zumindest insgeheim ein paar melodramatische Gedanken gehegt habe, als Borussia nach fünf Spielen Letzter war. Es ist aber alles sehr gut gegangen im ersten Jahr nach dem ersten Aufstieg Borussias in die Champions League.

So wird es auch Schuberts Kollege Dirk Schuster sehen, ungeachtet der Tatsache, dass sein Klub "nur" von der Zweiten Liga in die Bundesliga wechselte. Jeder macht seine Sensationen dort, wo er ist. Darmstadt jedenfalls hatten die meisten Experten bestenfalls die Relegation zugetraut. Auch in Gladbach wurde lange gezweifelt, ob der Höhenflug der Vorsaison nach dem Absturz zu Beginn der aktuellen Spielzeit tatsächlich zu wiederholen sei.

Beide Klubs haben daher am guten Ende mehr erreicht, als zu erwarten war angesichts der besonderen Umstände dieser Saison. Beide haben sich das heutige Lustspiel redlich verdient. Spiele mit so entspannter Ausgangslage sind selten. In der neuen Saison wird sich das, was nun bejubelt wird, in Erwartungen verwandeln. Die wachsen mit dem Erfolg, davon können die Borussen dem Gegner von heute berichten. Darum sollten die, die auf dem Feld stehen, den Tag genießen. Der Druck des Müssens ist weg. Es geht um puren Spaß am Spiel. Man ist geneigt zu sagen: Kickt einfach ohne Hemmungen drauflos!

Quelle: RP
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