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Interview mit Bernd Krauss
"Ein zweites Dundee wird es nicht geben"

Interview mit Bernd Krauss: "Ein zweites Dundee wird es nicht geben"
Schotten machten dicht: Am 22. April 1987 unterliegt Borussia Dundee United im Uefa-Cup-Halbfinale auf dem Bökelberg. FOTO: Imago
Der Ex-Borusse Bernd Krauss spricht über die bittere 0:2-Niederlage gegen Dundee United im Uefa-Cup-Halbfinale 1987.

Es war der 22. April 1987. Ein Feiertag war es, schließlich waren Borussias damaliger Präsident Dr. Helmut Beyer und Manager Helmut Grashoff just an diesem Tag genau 25 Jahre im Amt. Das Jubiläum sollte veredelt werden. Borussia empfing im zweiten Halbfinale des Uefa-Cups Dundee United und war nach dem 0:0 in Schottland guter Dinge, ins Finale einzuziehen. Es wird sogar schon vom dritten Uefa-Cup-Triumph nach 1975 und 1979 philosophiert. Doch es kommt anders. Dundee, das schon 1981 den Gladbachern böse mitspielte, als es sie mit einem 0:5 auf der Insel aus dem Uefa-Cup beförderte, siegte 2:0 auf dem Bökelberg. Bernd Krauss kam damals in der zweiten Halbzeit ins Spiel, um das 0:1 kurz vor der Pause noch umzubiegen. Karsten Kellermann sprach mit Krauss, der später auch Borussias Trainer war.

Herr Krauss, 1987 kam Borussia mit einem vielversprechenden 0:0 aus Schottland zurück und hatte gegen Dundee die große Chance, ins Endspiel des Uefa-Cups einzuziehen. Was ist damals schief gelaufen?

Krauss Ganz ehrlich: Solche Spiele vergesse ich lieber ganz schnell. Im Hinspiel, beim 0:0 auf der Insel, war ich nicht dabei ...

... Sie waren gesperrt ...

Krauss ... und im Rückspiel bin ich nach der Pause eingewechselt worden.

Da stand es schon 0:1, weil Ian Ferguson kurz vor der Halbzeit per Kopf getroffen hatte.

Krauss Stimmt. Das ist doch typisch in so einem Spiel. Da wird dann deutlich, wie gefährlich ein 0:0 sein kann. Wir mussten dann zwei Tore machen, um weiterzukommen, sind angerannt, und haben dann irgendwann das 0:2 bekommen. Es war ein bitterer Abend.

Dabei war reichlich Torkompetenz auf dem Platz: Uwe Rahn, der in jener Saison Torschützenkönig war, Günter Thiele, Hans-Jörg Criens und Ewald Lienen zum Beispiel.

Krauss Es war wohl einfach nicht unser Tag. Das gibt es in solchen Hop- oder Top-Spielen. Mit der Einstellung, Dundee zu unterschätzen, hatte es nichts zu tun, die Schotten waren besser. Sie hatten vorher ja Barcelona ausgeschaltet. Trotzdem durfte das nicht passieren. Wir haben eine riesige Chance verpasst.

Am Dienstag kommt Celtic Glasgow nach Gladbach und die Voraussetzungen sind ähnlich: Borussia will sich gegen die Schotten in der Vorrundengruppe im Rennen um Platz drei durchsetzen und hat sich im Hinspiel mit dem 2:0-Sieg einen großen Vorteil erspielt.

Krauss Grundsätzlich ist die Konstellation so. Aber es ist doch etwas anderes, ob es ein K.o.-Spiel ist oder ein Gruppenspiel. Es gibt danach ja noch die Gelegenheit zu punkten. Aber Borussia kann definitiv einen großen Schritt machen - und sie muss es tun. In dieser Gruppe sollte Gladbach mindestens Dritter werden. Celtic ist daheim sicherlich eine Macht, aber Teams von der Insel sind auswärts oft weniger stark, und Glasgow ist, das hat das Hinspiel gezeigt, im Vergleich zu den Borussen doch limitiert in seinen fußballerischen Möglichkeiten.

Sie sagen "mindestens Dritter" - glauben Sie, dass mehr drin ist?

Krauss Borussia muss natürlich erst mal ihre Hausaufgaben machen und sich mit einem Sieg von Glasgow deutlich distanzieren. Dann wäre Platz drei meines Erachtens erreicht. Und dann ist vielleicht sogar Platz zwei drin. Wenn Barcelona ManCity besiegt und durch ist, ist zu vermuten, dass Barca dann im letzten Spiel nicht in bester Besetzung antritt. Das kann eine Chance sein. Aber wie gesagt: Das sind Mutmaßungen. Erst mal muss jetzt gegen Glasgow Platz drei fix gemacht werden. Das ist heute Abend der Job.

Eine böse Überraschung wie einst gegen Dundee ist nicht zu befürchten? Borussia wirkte müde beim 0:0 gegen Frankfurt.

Krauss Natürlich kostet die Dreifachbelastung Kraft und die Borussen lernen, was Topteams wie die Bayern oder Barcelona Jahr für Jahr leisten. Zumal es in manchen Ländern gar keine Winterpause wie bei uns gibt, sondern nur wenige freie Tage. Aber die Borussen haben einen starken Kader und haben ja auch in Glasgow trotz einiger verletzter Spieler gewonnen. Nein, ein zweites Dundee wird es nicht geben, da bin ich mir sicher. Borussia muss stark genug sein, Celtic erneut zu besiegen.

Quelle: RP
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