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Borussia Mönchengladbach
Elvedi: "Ich habe noch keinen Urlaub gebucht"

Das ist Nico Elvedi
Das ist Nico Elvedi FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Borussias Schweizer Verteidiger spricht über seine Pläne für den Sommer, Tipps von Granit Xhaka und eine Sache, bei der er dem Kapitän helfen kann.

Herr Elvedi, haben Sie schon Ihren Sommerurlaub gebucht?

Elvedi Nein, ich habe noch keinen Urlaub gebucht. Ich lasse alles offen, was den Sommer betrifft. Ich spiele jetzt immer und vielleicht bin ich ja bei der EM dabei.

Das schwingt ein gewisser Optimismus mit.

Elvedi Natürlich. Es kann alles passieren mit der EM, das haben mir die letzten Monate gezeigt. Wenn es nicht klappt, buche ist spontan etwas und sonst geht es eben zur EM.

Also Frankreich oder ...?

Elvedi Ich habe noch nichts geplant.

Ehrlich, Herr Elvedi, Sie sitzen hier und plaudern ganz leicht und locker darüber, dass sie vielleicht in diesem Sommer bei der Europameisterschaft mitmachen. Dabei ist Ihre Entwicklung in den vergangenen Monaten wahnsinnig schnell fortgeschritten.

Elvedi Das ist wahr. Ich habe sicherlich erst mal davon profitiert, dass wir so viele Verletzte hatten. Aber danach musste ich mich auch beweisen. Das habe ich ganz gut gemacht. Es ist aber unglaublich, wie schnell alles gegangen ist bei mir seit dem Sommer. Das ist schon Wahnsinn. Schon als Kind träumt man davon, mal bei einer EM zu spielen und jetzt ist man vielleicht dabei.

Wie fühlte es sich an, zuletzt zum ersten Mal bei der "großen" Nati zu sein?

Elvedi Es war sehr speziell, zum ersten Mal dabei zu sein und vor dem Spiel die Hymne zu hören. Alle im Team sind sehr nett und haben mich super aufgenommen. Und den einen oder anderen kenne ich ja.

Im Hinspiel gegen Ingolstadt, wo Borussia Samstag antritt, haben Sie Ihre ersten beiden Bundesliga-Minuten absolviert. Ist das vergleichbar mit dem Erlebnis in der Nati?

Elvedi Die Nati ist noch mal was anderes - ganz zu schweigen von der Vorstellung, im Sommer bei der EM dabei zu sein. Aber es war damals gegen Ingolstadt ein Riesenerlebnis für mich. In allen Fällen ist ein Traum in Erfüllung gegangen.

Ist André Schubert, Ihr Trainer, verantwortlich für Ihren Aufstieg?

Elvedi Das kann man wirklich sagen. Ich habe selber nicht gedacht, dass ich so schnell so viel spiele. Ich verstehe mich sehr gut mit André Schubert, er spricht oft mit mir.

Aber mal ehrlich: Hatten Sie nicht ein bisschen Bammel, als Lucien Favre, Ihr Schweizer Landsmann, der Sie geholt hatte, ging?

Elvedi Favre war sicher auch ein Grund für mich, vom FC Zürich nach Gladbach zu wechseln. Und erstmal war es auch ein Schock für mich, als er weg war. Aber das war schnell vorbei. Es war kein Problem.

Waren die Gefühle nach der ersten Halbzeit gegen die Bayern, Ihrem Startelf-Debüt, ein Problem? Es waren sehr schwere 45 Minuten, oder?

Elvedi So war es. Ich brauchte etwas Zeit, mich einzufinden. Nach der Pause ging es dann ja besser für mich. Wir haben bei meinem Startelf-Debüt 3:1 gegen die Bayern gewonnen, besser geht es kaum.

Haben Sie daheim eine Kiste, in der Sie Erinnerungsstücke sammeln?

Elvedi Nein. Ich schaue mir aber ab und zu mal ein paar alte Szenen von mir bei You Tube an, zum Beispiel mein erstes Tor für den FC Zürich. Oder eine Zusammenfassung des Bayernspiels oder des Spiels gegen Manchester City in der Champions League.

Ich vermute, Ihre Kumpels haben gestaunt, als sie das Bayern-Spiel gesehen haben. Gab es viele SMS aus der Heimat?

Elvedi Sehr viele. Es war ein schönes Gefühl, solche positiven Nachrichten zu bekommen. Als ich zu Gladbach ging, gab es ein paar Leute, die sagten, es sei noch zu früh. Die wundern sich jetzt.

Vermissen Sie Zürich manchmal?

Elvedi Natürlich, es ist ja mein Heimatort. Gerade am Anfang war das schwierig: zum ersten Mal mit 18 weit weg von den Freunden, von den Eltern. Das kannte ich ja nicht. Aber man gewöhnt sich schnell daran. Und ich habe hier ja auch ein paar Schweizer, die mir geholfen haben. Granit Xhaka sagt mir, was ich besser machen kann.

Yann Sommer kann sogar Kochtipps geben. Er hat einen Koch-Blog.

Elvedi (lacht) Stimmt. Ich habe auch schon mal was gekocht. Meistens gehen wir aber mit ein paar Jungs aus der Mannschaft essen. Aber ich habe mir schon vorgenommen, mir mal ein Kochbuch zu kaufen und etwas anzuprobieren. Aber ich habe nicht ganz so viel Zeit, ich mache ja noch meine kaufmännische Ausbildung bei Borussia. Die Prüfung ist im Juni. Das könnte mit der EM kritisch werden ...

Haben Sie eine Freundin?

Elvedi Ja, sie lebt in Zürich.

Eine Fernbeziehung. Das ist kompliziert. Und dann ist der Sommerurlaub fraglich ...

Elvedi (grinst) Ich könnte nach der EM wegfahren. Kein Problem.

Fahren Sie zur EM? Hat Vladimir Petkovic schon ein Signal gegeben?

Elevedi Das nicht. Aber wenn es für mich so weitergeht, habe ich sicher gute Chancen.

Ist die Schweiz EM-Geheimfavorit?

Elvedi Geheimfavorit würde ich nicht sagen. Wir bleiben bodenständig, versuchen, in der Gruppe zu bestehen. Dann sehen wir weiter.

Das ist der Ansatz auch in Gladbach. Was ist bei Borussia möglich?

Elvedi Es wäre schön, wenn wir uns für das internationale Geschäft qualifizieren würden. Aber alles ist eng zusammen. Wir spielen guten Fußball, müssen aber jetzt auswärts schauen, eine Serie zu starten.

Ingolstadt haben Sie im Hinspiel die meiste Zeit von außen gesehen. Warum ist das Team zu unangenehm?

Elvedi Ingolstadt ist ein unangenehmer Gegner, der viel Emotionen ins Spiel bringt und viel Selbstvertrauen hat. Aber wir müssen unser Spiel machen wie gegen Berlin ...

... und Granit Xhaka ruhig halten, er hat im Hinspiel Gelb-Rot gesehen ...

Elvedi Er macht es sehr gut, hat 2016 noch keine Gelbe Karte gesehen.

Was die Ruhe angeht, kann er von Ihnen lernen?

Elvedi (grinst) Ja, vielleicht.

Ihr Tipp?

Elvedi Am besten gar nicht hinhören, wenn provoziert wird.

Quelle: RP
 
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