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Borussia Mönchengladbach
Elvedi steht für Borussias Geschäftsmodell

Fotos: Elvedi trifft und grätscht im Derby
Fotos: Elvedi trifft und grätscht im Derby FOTO: dpa, pg wst
Mönchengladbach. Borussias Siegtorschütze vom Derby steht als Symbol für die Kaderplanung. Gladbach holt Talente früher als andere, entwickelt sie und kalkuliert einen Weiterverkauf ein. Von Karsten Kellermann

Im Sommer 2015 gab es in Mönchengladbach eine Transfersummen-Debatte im Kleinen. Borussia gab die Verpflichtung eines jungen Defensivspielers aus der Schweiz bekannt, und zugegebenermaßen war dessen Name, Nico Elvedi, eher nur Experten der Branche bekannt. Dass Borussia für den 18-Jährigen vier Millionen Euro an den FC Zürich überwies, ließ manchen die Frage formulieren, ob es gerechtfertigt sei, für einen vergleichsweise unbekannten Spieler so viel Geld auszugeben.

Elvedis erstes Bundesliga-Tor

788 Tage später hat Elvedi mit seinem Tor gegen den 1. FC Köln das Derby zum Auftakt der neuen Bundesliga-Saison zugunsten der Gladbacher entschieden. Es war bereits sein 61. Pflichtspieleinsatz für Gladbach. Und wieder war es ein besonderes Spiel, in dem Elvedi den nächsten Schritt machte. Sein Debüt in der Startelf hatte er beim 3:1 gegen die Bayern im Dezember 2015 gegeben, nun gab es den Torerstling in der Liga im rheinischen Klassiker.

Elvedi hatte angekündigt, er wolle sein Offensivspiel künftig effektiver gestalten, nun setzte er das Ansinnen im ersten Ligaspiel in die Tat um. Er ist also auf dem Weg, die nächste Stufe auf der Entwicklungsleiter zu nehmen. Das wird auch Vladimir Petkovic, der Schweizer Nationaltrainer, gern hören, zu dessen Kader der junge Borusse seit einem Jahr regelmäßig gehört. Elvedi fuhr mit zur EM 2016 und dürfte mit zur WM nach Russland reisen.

Elvedi ist durch seinen Status als Derby-Held aktuell das Vorzeige-Fohlen. An ihm lässt sich trefflich das Prinzip erläutern, nach dem Borussias "junger Weg" funktioniert: Talente finden, sie holen, sie entwickeln, aber schon den Weiterverkauf einkalkulieren. "Fantasie", von der Manager Max Eberl oft spricht, hat damit zu tun, ein bisschen auch Glück, vor allem Gespür für Talente. Darin wird investiert, wie im Fall Elvedi, in der Hoffnung, dass die Zukunftsprognosen zutreffen. Das ist die "Nische", in der sich die Borussia tummelt. Entscheidend ist, rechtzeitig zuzugreifen. Denn Elvedi ein Jahr später zu verpflichten, wäre zu teuer gewesen.

Borussia hat sich den Ruf erarbeitet, dass sich hier Talente entfalten können. In Gesprächen mit potenziellen Kandidaten wirbt Eberl gern damit, und er nennt auch Namen, die bestätigen, dass Borussia der Schritt vor dem Schritt zu den Top-Klubs ist. Marco Reus. Oder Granit Xhaka. Beide haben in Gladbach sportlich viel bewegt und dann viel Geld gebracht. Reus kam 2009 für weniger als eine Million Euro aus Ahlen, 2012 bezahlte Dortmund 17 Millionen Euro für ihn. Granit Xhaka, der schon ein Star war in Basel, kostete neun Millionen Euro, vier Jahre später kaufte ihn der FC Arsenal für 42 Millionen Euro.

Geduld gehört zum Prinzip "junger Weg" dazu, das zeigte sich bei Xhaka, der erst nach zwei schwierigen Anfangsjahren zum Kapitän reifte. Dass zudem nicht jeder Hoffnungsträger die Hoffnung erfüllt, belegt das Beispiel Djibril Sow. Der Schweizer kam wie Elvedi 2015, schaffte den nächsten Schritt aber nicht und wurde nach zwei Jahren nach Bern verkauft. Elvedi hingegen hat, wie der Belgier Thorgan Hazard, der für acht Millionen Euro vom FC Chelsea kam, längst einen vielfachen Wert des Kaufpreises.

Jungstars mit Erfahrung wie Xhaka, No-Name-Spieler wie Reus oder Elvedi und Eigengewächse wie Marc-André ter Stegen (2014 für zwölf Millionen Euro nach Barcelona) oder Mo Dahoud (für zwölf Millionen Euro zu Dortmund) sind die drei Säulen des jungen Weges. "Es gilt, immer wieder Talente zu finden, die uns erstens die Perspektive für sportlichen Erfolg geben und zweitens für finanziellen", sagt Eberl. Die nächste Talent-Generation hat er bereits geholt: Denis Zakaria, Laszlo Bénes, Mickael Cuisance oder der derzeit an Düsseldorf verliehene Florian Neuhaus sollen sportlich und finanziell wertvoll werden. Bei Nico Elvedi geht die Rechnung mehr und mehr auf.

Quelle: RP
 
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