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Borussia Mönchengladbach
Erfolgreich, doch weit von Favres Ideal entfernt
Bundesliga 12/13: Arango trifft von der Seitenlinie
Bundesliga 12/13: Arango trifft von der Seitenlinie FOTO: dpa, Jonas Güttler
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach ist seit sechs Pflichtspielen unbesiegt und hat sich in der Defensive deutlich stabilisiert. Allerdings genügt das Spiel der Gladbacher nicht den gehobenen ästhetischen Ansprüchen des Trainers. Die Schönheit liegt derzeit in der Pragmatik. Von Karsten Kellermann

Zuweilen windet sich Borussias Trainer Lucien Favre wortreich um klare Aussagen. Nun aber, da er gefragt wurde, wie weit das Spiel seiner Mannschaft von seinem Ideal entfernt sei, antwortete Favre ohne Umschweife: "Wir sind sehr weit entfernt von dem Fußball, den wir spielen wollen."

Der Fußball-Professor aus der Schweiz ist bekennender Anhänger des kombinationsreichen Angriffsfußballs des FC Barcelona und der spanischen Nationalmannschaft. Und tatsächlich hat das, was die Borussen derzeit spielen, mit dem iberischen Tiki-Taka nicht viel zu tun. Borussia arbeitet ihr Spiel – das jedoch erfolgreich. Seit sechs Pflichtspielen ist sie unbesiegt, hat in der Bundesliga 24 Punkte beisammen und ist in der Europa League eine Runde weiter.

"Wir können besser spielen"

So gesehen hat Favre ein Luxusproblem: Es geht ihm um die Ästhetik, um hohes technisches Niveau. Was das angeht, ist noch reichlich Luft nach oben. "Wir können besser Fußball spielen, es in der Offensive viel besser machen und offensiver verteidigen", sagte Mike Hanke, dessen Einwechslung gegen Mainz Borussias bis dahin wenig erbauliche Darbietung zielgerichteter werden ließ – und entscheidend erfolgreich. Hanke erzielte das 1:0 mit dem ersten echten Torschuss nach einer Flanke von Tony Jantschke. Der zweite und letzte Torschuss war das atemberaubende Tor von Juan Arango aus 44 Metern. Wenn Borussia in diesen Tagen trifft, dann oft richtig schön.

So wurden die Mainzer, die spielerisch reifer wirkten, aber nur wenige Tormöglichkeiten hatten, besiegt. Die Borussen können sich derzeit auf ihre verblüffende Effektivität vor dem Tor verlassen – auch wenn Favre weiß, dass die allein nicht immer reichen wird in Zukunft. Dennoch war er am Ende dann doch zufrieden mit dem Spiel, vor allem des Ergebnisses wegen. Er hat für den Moment akzeptiert, dass die Schönheit des Borussen-Spiels derzeit in der Pragmatik liegt: "Man muss einfach effizient spielen, das ist uns gelungen. Um effizient zu sein, muss man clever verteidigen. Das haben wir seit dem Heimspiel gegen Marseille geschafft", sagte Favre.

Favre sieht Fortschritte in Sachen Ästhetik

Vor dem 2:0 gegen die Südfranzosen, das die Basis war für das Fortkommen in der Europa League, gab es viel zu viele Gegentore: 0:5 in Dortmund, 2:4 gegen Istanbul, 0:4 in Bremen. "Wir waren fast raus aus dem Europapokal und in der Liga in einer schwierigen Lage", erinnert sich Favre. Jetzt ist sein Team Achter in der Liga und damit im Soll. Als Zugabe hofft Borussia am 20. Dezember auf ein attraktives Los im Europapokal. Auch was die Ästhetik angeht, sieht der Trainer sein Team auf dem richtigen Weg: "Wir machen kleine Fortschritte, treten spielerisch besser auf und sind konstanter als zu Saisonbeginn."

Nun steht noch das Spiel bei den Überfliegern vom FC Bayern an. "Wir fahren dahin, um zu gewinnen", sagte Torwart Marc-Andre ter Stegen. Gelingt das, hätte Borussia nicht nur 27 Punkte, es würde sich der Kreis des Jahres schließen: Denn es begann mit dem spektakulären 3:1-Sieg gegen den Rekordmeister. Damals war Favres Team auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens. Am Freitag indes würde Favre wohl auch ein ganz pragmatischer Sieg gefallen.

Quelle: RP/ac/seeg/rm
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