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Borussia Mönchengladbach
"Es macht mir einfach Spaß"

Fotos: Die Trainer-Galerie von Borussia Mönchengladbach
Fotos: Die Trainer-Galerie von Borussia Mönchengladbach FOTO: dpa, ade cul
Erkelenz. Borussias Interimstrainer spricht über seine bisher sehr erfolgreiche Arbeit mit der Mannschaft, seinen Ansatz, die Rolle eines Trainers, sein Debüt in der Champions League gegen Manchester City und den Menschen André Schubert.

Herr Schubert, zwei Spiele, zwei Siege, 7:3 Tore - haben Sie Borussia von der Kette gelassen?

Schubert Nein, so würde ich das nicht sagen. Wir haben einfach ein paar Dinge anders gemacht. Wir haben das erst im Trainerstab besprochen, stundenlang diskutiert und dann auch mit dem Team gesprochen. Wir haben die Dinge gemeinsam erarbeitet - ganz sachlich, im Training, in Gesprächen und durch Videoanalysen. Da haben wir das glückliche Händchen gehabt, dass es funktioniert hat.

Bei Lucien Favre war Geduld ein wesentliches Prinzip. Beide Spiele unter Ihrer Regie wurden in der ersten Halbzeit entschieden. Ist das der Schubert-Touch?

Schubert Es gibt keinen Schubert-Touch. Wir haben eine sehr gute Mannschaft, die offensiv ausgerichtet und fußballerisch stark ist. Das ist nicht mein Stil, sondern der Stil der Mannschaft. Es sind zwei Spiele, daraus will ich auch noch keine Regelmäßigkeit ablesen. Wichtig ist uns, den Rhythmus des Spiels zu bestimmen. Es gibt Phasen, in denen wir hoch verteidigen, aber auch Phasen, in denen wir tiefer stehen und den Gegner kommen lassen, auch um uns Räume für Konter zu schaffen. In beiden Spielen hatten wir auch nach der Pause gute Chancen, die wir einfach nicht genutzt haben. Klar, was man sagen muss: wir investieren viel, pressen hoch, und es ist eine andere körperliche Belastung. Die Zahl der Sprints hat sich erhöht, und die Zahl der intensiven Läufe. Da muss ich sagen, dass es mich überrascht, wie gut die Mannschaft das von jetzt auf gleich hingekriegt hat. Wir haben das zusammen besprochen. Ich finde es wichtig, dass die Mannschaft hinter etwas steht, sie möchte es so spielen, denn es entspricht der Natur der Mannschaft. In dem Fall trifft es sich gut, dass ich das auch gern mag. Das Team weiß: Wenn es das hinbekommt, wird es die Mehrzahl der Spiele gewinnen.

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Auffällig ist, dass Sie früh wechseln.

Schubert Wenn man etwas bewegen will, muss man einem Spieler meiner Meinung nach mindestens 20 bis 30 Minuten Zeit geben. Aber das sieht jeder Trainer anders. Noch mal: Alles, was wir tun, ist keine Kritik an dem, was vorher war. Es wurde über viele Jahre sehr erfolgreich hier gearbeitet. Jetzt machen wir in dieser speziellen Situation ein paar Dinge anders. Entscheidend ist immer, auch bei der Aufstellung: Was ist das Beste für die Mannschaft. Grundsätzlich sind wir auf alle Eventualitäten vorbereitet: Was ist bei einem frühen Rückstand? Was ist bei einer Roten Karte? Und bei einem Elfmeter? Die Antwort: Nichts. Man muss weiterspielen, Gas geben. Wir konzentrieren uns auf das, was wir beeinflussen können. Und das machen die Jungs.

Es fällt auf, dass, wenn Sie über Ihre Arbeit reden, das Wort "Ich" kaum vorkommt.

Schubert Das ist in der U23 auch nicht anders. Die Zuschauer kommen wegen der Spieler und nicht wegen der Trainer ins Stadion. Trainer sind dafür verantwortlich, alles zu lenken und aufzubauen, aber die Spiele werden durch die Qualitäten der Spieler entschieden - egal ob in der Regionalliga oder in der Bundesliga. Das Stadion ist die Bühne der Spieler, der Trainingsplatz die Bühne des Trainers. Gerade in meiner Situation, und darum noch mehr ,Wir', bin ich natürlich abhängig vom gesamten Trainerstab und dem Staff, die Unterstützung ist einzigartig. Alle bemühen sich sehr um mich. Das ist eigentlich aber nicht nötig, ich bin ganz entspannt.

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Entspannt gehen Sie auch mit der Gesamtsituation um. Es wird klar gesagt, dass Sie nur eine Übergangslösung sind. Aber mal ehrlich: Ist es nicht doch eine große Chance, zumal jetzt, da Sie sich auch in der Champions League zeigen können?

Schubert Es tut uns sicher allen gut, die Situation ganz entspannt zu sehen. Ich kann ja verstehen, dass alle denken, dass es eine Chance ist. Aber ich denke anders. Ich sehe es nicht so. Es macht mir einfach Spaß. Auch, weil ich jetzt unter noch professionelleren Bedingungen arbeite. Aber grundsätzlich bin ich Fußballtrainer. Das ist vor 200 Zuschauern nicht anders als vor 50 000.

Aber das Champions -League-Spiel gegen Manchester City muss für Sie doch etwas Außergewöhnliches sein.

Schubert Das ist doch keine Frage. Es ist etwas Schönes und eine super Herausforderung. Und ich bin ja gegen Manchester noch ungeschlagen. Wir haben mit der U23 im Premiere-League-Cup 1:1 bei der U23 von "City" gespielt.

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Im Job sind sie bislang im legeren Outfit unterwegs gewesen, im Kapuzenpulli. In der Champions League ist Anzugpflicht. Noch ein Novum.

Schubert Das ist wohl so. Aber im Grenzlandstadion würde ich es auch für übertrieben halten, im Anzug an der Linie zu stehen. Die Anzug-Frage gab es auch bei Jürgen Klopp, auch er musste sich in den Anzug zwängen. Wenn Kloppo das schafft, kriege ich das auch hin.

Kriegt Borussia auch das Spiel gegen das superreiche Manchester hin?

Schubert Das ist die Herausforderung. Natürlich spielen wir gegen ein Team, das viel bessere Voraussetzungen hat. Aber das ist nicht immer entscheidend. Mit einem guten Plan und einer gemeinschaftlichen Leistung kann man vielleicht trotzdem so einen Gegner packen.

Der Trainer Schubert ist ganz entspannt. Wie ist der Mensch Schubert?

Schubert Ich treibe gern Sport, Tennis oder Joggen. Aber dazu komme ich gerade kaum. Den Rest müssen andere beurteilen. Grundsätzlich nimmt der Fußball schon einen Großteil meines Lebens ein, gerade jetzt. Ich bin dankbar, dass ich im Fußball arbeiten darf. Mein Lebensmotto ist, in allen Bereichen: Wenn ich etwas mache, mache ich es, so gut ich kann. Ich bin sicherlich auch Perfektionist. Aber ich bin im Laufe der Jahre geduldiger und entspannter geworden. Mit ein bisschen mehr Ausgeglichenheit sind die Dinge manchmal einfacher. Darum nehme ich mir immer wieder mal meine Auszeit, in der ich ausspanne und mich mal mit ganz anderen Dingen beschäftige als mit Fußball. Das tut mir gut - privat und im Job. Auch, weil man dann auch wieder auf neue Ideen kommt.

KARSTEN KELLERMANN SPRACH MIT ANDRÉ SCHUBERT

Quelle: RP
 
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