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Borussia Mönchengladbach
Experte für den Weg zurück

Borussia Mönchengladbach: Experte für den Weg zurück
Andreas Bluhm am Dienstagmorgen im Training. FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Andreas Bluhm kümmert sich bei Borussia um die Profis, die nach einer Verletzung wieder ans Mannschaftstraining herangeführt werden. Der 41 Jahre alte Ex-Profi ist dabei Trainer, Physiotherapeut, Psychologe und Entertainer in einer Person. Von Stefan Klüttermann

Wer Andreas Bluhm auf der Internetseite der Borussia sucht, der findet ihn unter dem Oberpunkt "Team & Saison" unter dem Unterpunkt "Spezialtrainer". "Rehatrainer" ist dort als seine Berufsbezeichnung angegeben. Und das ist neu, denn in den vergangenen Jahren lief der 41-Jährige immer vornehmlich unter der Bezeichnung "Physiotherapeut" im Betreuerstab der Fohlen. Diese Neuausrichtung in Bluhms Tun ist nun quasi die zwangsläufige Folge seines bisherigen Wirkens, denn er war zumeist Physiotherapeut und Individualtrainer in einer Person. "Jetzt habe ich die Spieler, die länger ausfallen, in der Reha auf dem Platz, aber auch in der Behandlung. So bin ich ganzheitlich ganz nah dran, und der Austausch ist einfach intensiver", erklärt Bluhm seinen neuen Job. Für ihn ist nun Benedikt Bohnen als reiner "Physio" neu dabei.

Bluhm ist also nun auch auf dem Papier derjenige, der verletzte Profis zurück ins Mannschaftstraining führt, immer in enger Absprache mit Cheftrainer Lucien Favre und der medizinischen Abteilung. "Unser Mannschaftsarzt Stefan Hertl gibt je nach Verletzungsgrad oder Art der Beschwerden vor, wie der Spieler belastet werden soll. Ein Spieler, der beispielsweise mit einem Muskelfaser- oder Bänderriss ausfällt, wird erst einmal in der Medicoreha herangeführt, bevor ich ihn fußballspezifisch auf dem Platz übernehme. Wenn er dann bei mir durch ist, ist er wieder zu 100 Prozent belastbar und kann zurück ins Mannschaftstraining", schildert Ex-Profi Bluhm (sechs Spiele für Borussia) die Abläufe.

Es ist ein spannender Job. Ein verantwortungsvoller. Ein vertrauensvoller. Schließlich geben sich die Rekonvaleszenten in seine Hände und sein Training. Und es ist ein Job, in dem Bluhm Trainer, Physiotherapeut, Psychologe und Entertainer in einer Person ist. "In den vergangenen acht Jahren ist einiges an Programmpunkten gewachsen, mit denen ich mein Training gestalten und einen Spieler auch immer mal wieder überraschen kann - natürlich angepasst an das, was der jeweilige Profis braucht. Ich kann ja zum Glück auch noch ein bisschen kicken, also sind auch mal Wettkämpfe wie Fußballtennis drin", sagt Bluhm und schmunzelt. Zuweilen kann er die Reha sogar in ein Fördertraining ummodeln: "Wer als Spieler solche Phasen richtig annimmt, kann auch mal an Sachen wie zum Beispiel seinem schwachen Fuß arbeiten", sagt Bluhm.

Bei all dem ist innerhalb seiner Arbeit die mentale Seite des Wiederheranführens eine, deren Bedeutung für manchen vielleicht erst auf den zweiten Blick erkennbar wird. Denn ein Spieler, der wochenlang Individualtraining machen muss und stets die Kollegen in der Gruppe nebenan sieht, ist naturgemäß nicht immer ein Strahlemann. "Es kommt immer in der Reha vor, dass der Spieler mal ein mentales Tief hat. Da bin ich auch durchaus flexibel. Wenn man seine Spieler kennt, weiß man irgendwann auch sehr schnell, wenn sie einen begrüßen, wie sie heute drauf sind", sagt Bluhm, der auch immer wieder Impulse aus seinem parallelen Studium des neuropsychologisches Coachings zieht.

Die Art und Weise seiner Arbeit, die Art und Weise der Belastung von Spielern gibt Bluhm recht, gibt Borussia recht. Seit Jahren liegen Zahl und Ausfalldauer von verletzten Spielern konstant und deutlich unter dem Ligaschnitt - ein klarer Wettbewerbsvorteil. Wobei Bluhm, der stets gut gelaunt und positiv rüberkommt, klarstellt, dass er im Zweifelsfall auch anders kann. "Aber auch der liebe Andy kann schon mal einen Nationalspieler reinschicken", sagt er. Das sei aber nur einmal vorgekommen.

Quelle: RP
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