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Johnson vergibt Großchance
"Mir tut es leid für die Mannschaft"

Johnson vergibt Großchance zum Siegtreffer
Johnson vergibt Großchance zum Siegtreffer FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Fabian Johnson hatte gegen seinen Ex-Klub Hoffenheim die große Chance, Borussia Mönchengladbach zum Sieg zu schießen. Doch er vergab. Nach dem Spiel sprach er über die Situation der Borussia. Von Karsten Kellermann

Es wäre eine dieser Geschichten gewesen, die der Fußball aus dem Effeff schreibt: Spieler trifft gegen Ex. Fabian Johnson, der einst 94 Pflichtspiele für die TSG 1899 Hoffenheim gemacht hat binnen drei Jahren, rannte nach einem feinen Pass von Mo Dahoud allein auf Oliver Baumann zu. Johnson schaute, er schaute noch einmal, wirkte eigentlich cool und überlegt, und schoss – am Tor vorbei.

Es stand 1:1 zwischen den Borussen und den Hoffenheimern zu diesem Zeitpunkt, und es ist zu vermuten, dass, hätte Johnson den Ball ins Tor getreten, er der Matchwinner für Gladbach gewesen wäre, der Mann, der gegen den Ex trifft, noch besser: der Mann, der die viel zu lange Sieglosserie nach sechs Spielen beendet. Es wäre mithin ein Joker-Tor gewesen, denn Johnson war eingewechselt worden. Man hätte dann Gladbachs Trainer André Schubert nachgesagt, ein gutes Händchen gehabt zu haben bei seinem Wechsel.

So aber wurde nachher gemunkelt, Schubert habe im Vergleich zu seinem jungen Kollegen Julian Nagelsmann zu spät gewechselt. Nagelsmann nämlich hatte zur Pause umgestellt und seine Mannschaft offensiver gemacht durch die Hereinnahme von Nadiem Amiri und Mark Uth, und es war Amiri, der den Führungstreffer der Gladbacher durch Dahoud mit einem 22-Meter-Schuss egalisierte. Yann Sommer, der Borussen-Torwart, reagierte bei dem Schuss nicht, und so war es später eben Baumann, der zum Festhalter des Punktes erkoren wurde und neben Amiri Hoffenheims Held war. Johnson und Sommer indes waren die tragischen Figuren der Gladbacher. Johnson, der für die Entscheidung hätte sorgen müssen, sprach über das Spiel und die Situation der Gladbacher.

Herr Johnson, wie schon vor einer Woche gegen Köln war die Partie gegen Hoffenheim eine, in der mehr für Gladbach drin war.

Johnson Ja, das kann man so sagen.

Woran hat es gelegen? Vor allem an der Chancenverwertung?

Johnson Auf jeden Fall. Wir hatten genügend Chancen, auch ich persönlich hatte eine Riesenmöglichkeit, die ich nicht genutzt habe. Ich muss ehrlich sagen, dass mir das sehr leid tut für die Mannschaft, denn wir hätten es verdient gehabt, so wie wir gespielt haben, dieses Spiel zu gewinnen.

Woran liegt die Torschussproblematik?

Johnson Dafür gibt es wohl keine Erklärung. Wir spielen die Chancen sehr gut heraus, doch am Ende kommt nichts dabei rum. Wir müssen weiter versuchen, gut zu arbeiten. Es gab ja trotz allem auch gute Sachen in dem Spiel, und wenn wir so weitermachen, wird der Erfolg auch wieder kommen.

Welche positiven Sachen würden Sie herausstellen?

Johnson Wir waren weitestgehend dominant, haben das 1:0 gut herausgespielt, haben danach auch weitere Chancen produziert und auch defensiv ganz gut gestanden. Gehapert hat es an der Verwertung der Tormöglichkeiten.

Wie schwierig ist die Situation? Wieder wurde ein Heimspiel nicht gewonnen, und nun geht es am kommenden Samstag nach Dortmund, wo es nicht leicht sein wird, etwas zu holen.

Johnson Natürlich wird es ein sehr schweres Spiel in Dortmund, da müssen wir schon einen super Tag haben, um dort etwas zu holen, das ist uns bewusst. Wir sind ein gutes Team, und der Erfolg wird auch wieder kommen. Trotzdem sollten wir auch nicht alles gut reden.

Was heißt "nicht gut reden"? Worüber ist zu reden?

Johnson Es ist nicht meine Aufgabe, darüber zu sprechen. Sicher, wir haben gut gespielt, aber das bringt uns nichts, wenn wir keine Punkte holen. Es ist sicher jedem von uns lieber, wenn wir mal nicht so gut sind, aber mal dreckig drei Punkte holen. Da kommen wir leider nicht so richtig hin.

Ist es eine Mentalitätsfrage?

Johnson Woran es liegt, kann ich nicht sagen.

Hoffenheim hat mit einem Fernschuss ausgeglichen. So etwas sieht man von Borussia selten, ebenso wie Tore nach Standards. Gerade mit solchen vergleichsweise einfachen Mitteln kann man vielleicht etwas bewegen.

Johnson Auch in der vergangenen Saison war es nicht unsere Stärke, dass wir mit Ecken und Fernschüssen unsere Tore erzielt haben. Es war meistens aus dem Spiel heraus, und das fehlt im Moment ein bisschen.

Was können Sie als erfahrener Spieler und Mitglied des Mannschaftsrats tun, um dem Team zu helfen?

Johnson Wir dürfen uns jetzt nicht verrückt machen. Wir müssen weiter arbeiten und uns die Siege erarbeiten. Da müssen wir konzentriert dranbleiben.

Ist dieses Erarbeiten etwas, das einem Team, das vor allem über das Spielerische kommt, schwerfällt?

Johnson Das glaube ich nicht. Jeder kämpft bis zum Äußersten, jeder läuft bis zum Äußersten, da kann man keinen rausnehmen. Das müssen wir auch weiterhin machen. So werden wir auch wieder Erfolg haben.

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