| 21.52 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Johnson rettet einen Auswärtspunkt in Leipzig

Leipzig - Borussia
Leipzig - Borussia FOTO: dpa, woi hak
Leipzig. Selbst einzelne Punkte sind auswärts bei Borussia Mönchengladbach rar. Somit ist das 1:1 bei RB Leipzig, nach einem über weite Strecken ideenlosen Auftritt, schon ein Erfolgserlebnis. Fabian Johnson schoss in der 84. Minute noch den Ausgleich. Von Stefan Klüttermann

Einen nach dem anderen erfasst in diesen Wochen derselbe aufgeregte Aktionismus. Immer gerade denjenigen, dessen Mannschaft am Spieltag gegen RB Leipzig antreten muss, gegen diesen ach so gar nicht typischen Aufsteiger mit dem ach so finanzkräftigen Brausegiganten im Rücken. Am Mittwochabend war nun die Gladbacher Borussia an der Reihe. Ihre Fans hatten sich entschieden, aus Protest gegen das aus ihrer Sicht abzulehnende Kunstprodukt RB Leipzig 19:00 Minuten lang im früheren Zentralstadion zu schweigen, weil Borussias Gründungsjahr 1900 eben just diese bedeutungsschwangere Tradition symbolisiert, die man indes nicht nur in Gladbach, sondern quasi bundesligaweit dem Leipziger Projekt abspricht.

Das Problem an dieser hochemotionalen Beschäftigung mit RB im Vorfeld ist für die Gegner dabei nur, dass sie trotz aller Ungewöhnlichkeit des Neulings ein ganz gewöhnliches Ligaspiel um drei Punkte gegen ihn bestreiten müssen. Und genau das ist eine ziemlich harte Nuss, denn die Sachsen haben eine qualitativ so gute Truppe zusammen, dass viele Experten sie schon auf direktem Weg in den Europacup sehen. In dieser vorherrschenden Gemengelage trat nun also Borussia beim Team vom Trainer Ralph Hasenhüttl an. Und Borussia nahm immerhin ein 1:1 mit.

Gladbachs Trainer André Schubert, der am Mittwoch auf den Tag genau ein Jahr im Amt war, musste indes mitansehen, wie seine Mannschaft von Beginn an das tat, was auch die eigenen Fans erst einmal taten: nur zusehen. Passiv, behäbig und offenbar ohne die nötige Einstellung fanden die Gäste nur schwer ins Spiel. Und bevor sie überhaupt mal zaghaft konstruktiv wurden, lagen sie schon 0:1 hinten.

Timo Werner, im Sommer für zehn Millionen Euro aus Stuttgart nach Leipzig gewechselt, bedankte sich artig bei Gladbachs dänischen Verteidigern Jannik Vestergaard und Andreas Christensen für deren Abstimmungsproblem und schoss einen eigentlich schon an die beiden Borussen verlorenen Ball aus wenigen Metern zum 1:0 flach und humorlos ein.

Den Fohlen, die offenbar ganz konkret mit Real Madrid über Dänemarks Supertalent Martin Ödegaard (17) verhandeln, fiel ohne ihren verletzten Regisseur Raffael nach vorne kaum etwas ein, zudem waren die meisten Ansätze zu langsam, zu ungenau oder sie versandeten bei einem der zahlreichen Hacke-Spitze-eins-zwei-drei-Versuche. Das wirkte zuweilen fast schon überheblich, ja fast schon neureich, und das, wo doch die Leipziger die Neureichen sind und die Gladbacher doch eigentlich ihre trübe Auswärts-Bilanz der vergangenen zehn Monate (nur ein Sieg seit November 2015) aufpolieren wollten.

Gefährlich wurden die Borussen für lange Zeit allerdings nur einmal: als Fabian Johnson per Scherenschlag die Latte traf. Danach blieb es wieder ganz lange ungefährlich, was Borussias Offensivbemühungen anging – bis erneut Johnson ans Werk ging. Kapitän Lars Stindl schickte fünf Minuten vor dem Ende den US-Nationalspieler auf die Reise, der ließ einen Gegenspieler aussteigen und schob mit links zum überraschenden Ausgleich ein. So nahmen die Borussen immerhin einen Punkt mit nach Hause. Und das ist auswärts für sie ja fast schon ein gefühlter Sieg.

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