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Borussia Mönchengladbach
Favre und die vier H-Fragen

Fotos: Borussia - Athletic Bilbao
Fotos: Borussia - Athletic Bilbao FOTO: afp, PST/bb/abm
Fussball. Hrgota, Hazard, Hahn, Herrmann – die Lage des Offensivquartetts nach dem Bilbao-Spiel. Von Karsten Kellermann

Branimir Hrgota tat, was ein Stürmer zu tun hat. Nach Raffaels Vorlage trat er den Ball ins Tor von Athletic Bilbao. Es war für die Borussen nur eine Ergebniskosmetik, der letzte Test vor dem DFB-Pokalspiel in Homburg ging 1:3 verloren. Doch Hrgota nutzte die Chance, einmal mehr zu zeigen, dass vor dem Tor auf ihn Verlass ist. Mit vier Treffern ist der 21-Jährige Borussias erfolgreichster Torschütze der Vorbereitung. "Branimir zeigt im Training immer wieder, dass er eventuell unser bester Abschlussspieler ist. Er ist vor dem Tor sehr stark, er nimmt die Tiefe. Aber er ist erst 21, um noch mehr Verantwortung zu übernehmen, muss er ein paar mehr Spiele haben", sagte Trainer Lucien Favre.

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Hrgota ist eines seiner Lieblingsprojekte, der Schweizer glaubt fest an den Schweden – und lässt nicht nach, ihn zu formen und zu fordern. "Er ist ein super Fußballer. Aber er weiß, dass er noch zu tun hat. Er muss noch an seiner Beinarbeit arbeiten und an seinem Kopfball", sagte Favre. Die Coolness vor dem Tor ist Hrgotas großes Plus, zudem macht er die Laufwege, die dem Trainer gefallen. Doch taktisch muss er noch reifen, und beim Kopfball tut er sich schwer. Den Beleg gab es gegen Bilbao: Ibrahima Traoré flankte, doch Hrgota brachte nicht genug Geschwindigkeit in den Ball, den er mit der Stirn aufs Tor lenkte. Torhüter Iraizoz verhinderte das frühere 1:3. Gleichwohl hat sich Hrgota gut aufgestellt und ist näher herangerückt an den auf der zentralen Angriffsposition wohl gesetzten Max Kruse. Der fehlte gegen Bilbao, weil er sich einen Harnleiterstein hatte entfernen lassen.

Wie nah dran Hrgota ist, bleibt abzuwarten. Zumindest ist er eine von vier H-Fragen, mit denen sich Lucien Favre beschäftigen wird: H wie Hrgota, H wie Hazard, H wie Hahn und H wie Herrmann. Hazard kam gegen Bilbao rein, doch er ist noch nicht so recht angekommen im Gladbacher Spiel. Er dürfte zunächst der dritte Mann ganz vorn sein, hinter Kruse und Hrgota. Während links Ibrahima Traoré, der auch gegen Bilbao einige gute Aktionen hatte, dank einer ausgezeichneten Vorbereitung erste Wahl sein dürfte, ist es auf der rechten Seite enger.

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Hahn und Herrmann kämpfen um Stammplatz

André Hahn und Patrick Herrmann balgen sich um den Platz auf dem Flügel. Hahn bringt viel Körperlichkeit mit. Gegen Bilbao tat er sich vor der Pause schwer, auch das Zusammenspiel mit Fabian Johnson, der zunächst Rechtsverteidiger spielte, klappte nicht so recht. Es kam zu wenig über rechts, Hahn war bemüht, arbeitete fleißig nach hinten, konnte vorn aber keine Akzente setzen. Das Spiel in Augsburg war anders. Er muss sich umgewöhnen an Favres System, das zwischen Ballbesitz-Tiki-Taka-Geduldsspiel und schnellem Umschaltspiel hin und herspringt. Gegen Bilbao "fehlte in der ersten Halbzeit die Geschwindigkeit", monierte Favre und meinte das gesamte Offensivspiel. Nach der Pause setzte Hahn mit seinem ersten Torschuss in der 47. Minute, der knapp das lange Eck verfehlte, ein Zeichen. Danach lief es besser. Später hatte Hahn Pech mit einem Pfostenschuss.

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"Es ist ja normal, dass die Automatismen bei den neuen Spielern noch nicht so drin sind", sagte Tony Jantschke. Er hat Favres Idee vom ersten Tag der Ära des Schweizers aufgesogen – wie Herrmann. Der gehörte vor zwei Jahren zu den Protagonisten von "Borussia Barcelona", die Fußballdeutschland erstaunte. Herrmann ist ein typischer Flügelstürmer, klein und wendig. Er kam in der letzten Viertelstunde gegen Bilbao zum Einsatz. Nach einem Pass von Raffael stürmte er auf und davon – gerade das neu erarbeitet Konterelement im Gladbacher Ansatz "ist genau mein Spiel".

In den vergangenen Jahren war er nahezu gesetzt. Nun ist die Konkurrenz gewachsen. Doch wie alle Borussen versteht Herrmann das als Ansporn. Wie auch immer Favre für das erste Pflichtspiel seine H-Fragen beantwortet – "wir haben viele gute Offensivspieler. Aber wir haben schon in der Anfangsphase der Saison viele Spiele, und da werden wir sicher vor allem vorn öfter wechseln", sagte Herrmann zuletzt.

Quelle: RP
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