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Borussia Mönchengladbach
Favres 100. Sieg – ausgerechnet in Berlin?

Fotos: Favre – akribischer Arbeiter und Ex-Gladbach-Trainer
Fotos: Favre – akribischer Arbeiter und Ex-Gladbach-Trainer FOTO: AP
Mönchengladbach. Borussias Trainer hat bislang 99 Spiele in der Bundesliga gewonnen, bei seinem Ex-Klub kann er demnach das Jubiläum feiern. Doch die Hertha hat sich schon häufiger als Spielverderber erwiesen und Gladbacher Erfolgsserien beendet. Von Thomas Grulke

Da war er wieder, jener Satz, den Borussias Fans vor allem im Frühjahr 2011 so häufig von Lucien Favre gehört haben. "Es sind noch zwölf Punkte zu vergeben", sagte Gladbachs Trainer nach dem 1:0 gegen den VfL Wolfsburg zur Lage im Rennen um die direkte Champions-League-Qualifikation. So oder ähnlich hatte Favre sich im Kampf um den Klassenverbleib vor vier Jahren häufig ausgedrückt. Nur dass sich die Zahl, die er nannte, von Woche zu Woche veränderte. Wichtig war ihm dabei immer der Zusatz: "Es ist noch alles drin. Aber wir schauen von Spiel zu Spiel." Jene Denkweise flößte der Schweizer seiner Mannschaft damals ein, dieses Credo beherzigt sie auch jetzt wieder. Nur die kommende Aufgabe steht im Fokus.

Für Favre ist die kommende Aufgabe eine besondere: Sie führt ihn am Sonntag zurück nach Berlin, an seine alte Wirkungsstätte. Bei 219 Bundesligaspielen hat er bislang auf der Trainerbank gesessen, 75 davon als Hertha-Coach, 144 als Borussen-Trainer. Mit der Partie gegen Wolfsburg hat der 57-Jährige Bernd Krauss (143 Bundesligaspiele) in der Riege der Gladbach-Trainer überflügelt, nun liegen nur noch Hennes Weisweiler (340) und Jupp Heynckes (291) vor ihm. Bislang kommt Favre auf insgesamt 99 Siege im deutschen Oberhaus, am Sonntag will er sein Jubiläum feiern. Doch er weiß aus eigener Erfahrung, dass Hertha im Olympiastadion ein unangenehmer Gegner sein kann.

"Ich bin überzeugt davon, dass das ein hartes Stück Arbeit für uns wird. Hertha wird zu Hause alles daran setzen, gegen uns zu gewinnen", sagte Favre, der mit Borussia eine positive Bilanz in Berlin hat – dank der Saison 2011/12. Damals siegte Gladbach nicht nur in der Liga 2:1 in Berlin, sondern wenige Monate später auch im DFB-Pokal-Viertelfinale, 2:0 nach Verlängerung. Den einen Sieg besorgte Marco Reus mit zwei Toren, den anderen leitete Igor de Camargo mit einer Schauspieleinlage im Berliner Strafraum ein, den anschließenden Elfmeter nutzte Filip Daems zur Führung.

Hertha als Spielverderber

Den bislang letzten Auftritt bei Hertha verloren die Borussen jedoch. Am 19. Oktober 2013 reiste Gladbach mit der Empfehlung von 19 Toren in den ersten acht Saisonspielen nach Berlin. Doch Hertha zog der neuen Borussen-Offensive um Raffael und Max Kruse den Zahn und gewann 1:0. Erstmals in jener Saison blieb Favres Mannschaft ohne eigenen Treffer. Und zu allem Übel sah in der Schlussphase Abwehr-Chef Martin Stranzl die Gelb-Rote Karte. Das 0:1 im Oktober 2013 reihte sich damit in die Liste Gladbacher Gastspiele ein, bei denen sich die Berliner als Spielverderber erwiesen.

So fügte Hertha BSC dem amtierenden Meister vom Niederrhein in der Saison 1970/71 mit einem 4:2 am 14. Spieltag die erste Niederlage zu. 17 Pflichtspiele hatte Hennes Weisweilers Mannschaft seit dem Saisonbeginn nicht verloren – ein Rekord, der erst in der laufenden Saison um eine Partie überboten wurde. Und am 19. April 1975 beendete die Hertha im Olympiastadion eine weitere Gladbacher Erfolgsserie. 17 Bundesligaspiele in Folge hatte Borussia auf ihrem Weg zur dritten Deutschen Meisterschaft nicht verloren (das ist immer noch der Vereinsrekord), ehe es am 28. Spieltag ein 1:2 in Berlin gab.

Am kommenden Sonntag könnte Hertha erneut eine Gladbacher Serie beenden. Zehn Bundesligaspiele am Stück sind die Borussen unbesiegt. Nehmen sie nun auch die Hürde Hertha erfolgreich, gehen sie auf jeden Fall mit einem Punkte-Vorsprung in das Duell mit Bayer Leverkusen um den dritten Platz. Doch Gladbach ist durch die Historie gewarnt. Nur fünf von 26 Liga-Gastspielen in Berlin konnte Gladbach gewinnen. Favre peilt nun den sechsten Sieg an – es soll sein persönliches Jubiläum werden.

Quelle: RP
 
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