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Borussia Mönchengladbach
So werden Fußballstadien sicherer

Die Problem-Fans der NRW-Vereine
Die Problem-Fans der NRW-Vereine
Mönchengladbach. Platzsturm und Pyrotechnik im Block - das Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln war von Übergriffen geprägt. Es gibt im Ausland einige Konzepte, mit denen sich solche Vorfälle verhindern lassen. Von Martin Beils und Gianni Costa

Mamas, helft! Vielleicht sollten die deutschen Fußballklubs einem Beispiel aus Brasilien folgen, um ihr Gewaltproblem in den Griff zu bekommen. Für das Derby zwischen Sport Club Recife und Clube Nautico hatten die Gastgeber kürzlich 30 Mütter einiger treuer, aber auch der Gewalt verdächtiger Fans als Sicherheitskräfte gewonnen, um Krawalle zu verhindern. Die Aktion war ein Erfolg, die Hooligans waren zahm. Und die "Security Moms" verlebten einen ruhigen Nachmittag. Die mithilfe einer internationalen Werbeagentur ausgearbeitete Kampagne wurde in der WM-Arena von Recife in großen Lettern auf der Anzeigetafel auf den Punkt gebracht: "Es gibt Dinge, die Fans nicht vor den Augen ihrer Mütter machen. Streit in Stadien ist eines davon." Verschärfte Variante: die Schwiegermutter als Sicherheitskraft.

Fotos: Kölner Fans sorgen mit Platzsturm für Chaos FOTO: Dieter Wiechmann

International gibt es noch andere Konzepte, um Randale zu verhindern, wie sie das rheinische Derby am vergangenen Samstag zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln prägte.

Personalisierte Tickets In vielen Ligen können Fans nur als eingetragene Mitglieder Tickets kaufen. Auch bei Fußball-Welt- und Europameisterschaften ist das so. Damit ist nachvollziehbar, wer Karten bekommen hat. Zudem wird der Schwarzmarkt so weiter eingedämmt. Allerdings funktioniert das System nur dann, wenn Eintrittskarten und Personalausweise der Zuschauer kontrolliert werden. Das ist in der Praxis selten der Fall. Die Türkei hat Ende vergangenen Jahres elektronische Tickets im Scheckkartenformat eingeführt. Die Fans der Topvereine boykottieren seitdem die Spiele, unter anderem wegen eines angeblich mangelhaften Datenschutzes. Zum Spitzenspiel zwischen Besiktas und Fenerbahce kamen statt sonst 76 000 nur ein paar Hundert Zuschauer ins Olympiastadion von Istanbul.

Sicherheitsschleusen Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat immer wieder schärfere Zugangskontrollen für die Bundesligastadien gefordert. "Die Ordner müssen besser geschult werden", sagt GdP-Vorstand Arnold Plickert. "Man muss auch überlegen, ob technisch aufgerüstet werden sollte. Handscanner wie am Flughafen, die metallische Gegenstände aufspüren können, wären eine Maßnahme."

Bei Olympischen Spielen zum Beispiel wird wegen der latenten Gefahr von Terroranschlägen jeder Zuschauer durchleuchtet. Besucher mussten sich darauf einstellen, frühzeitig zu den Stadien zu kommen. Aber die Kosten für diese Art der Kontrollen sind enorm. Der Posten Sicherheit lag für die Spiele in London bei einer Milliarde Euro. Doch an Finanzkraft mangelt es dem deutschen Profifußball ja nicht.

Fotos: Kölner Fans zünden Bengalos beim Derby gegen Borussia FOTO: dpa, mjh nic

Keine Auswärtsfahrten Die anhaltende Gewalt zwischen Hooligans aus dem Umfeld der Klubs PSV Eindhoven und Ajax Amsterdam hat dazu geführt, dass bei den Spielen jeweils keine Auswärtsfans zugelassen sind. Allerdings ist das Phänomen, dass ganze Horden von Fans ihren Klub begleiten, ein typisch deutsches. In Spanien zum Beispiel ist es unüblich, seinen Klub zu begleiten. Selbst zum "Clásico" bei Real Madrid fahren nur wenige Hundert Anhänger des FC Barcelona. In der Bundesliga gilt die Vereinbarung, dass den Gästefans zehn Prozent der Tickets überlassen werden.

Spiele absagen Die Städte sind dafür verantwortlich, die Sicherheitskonzepte rund um die Fußballspiele zu prüfen. In den Niederlanden gehen viele Bürgermeister viel restriktiver mit Fußballgewalt um und verbieten zum Beispiel in ihren Städten Testspiele gegen deutsche Vereine aus Angst vor Ausschreitungen. Auch Borussia Mönchengladbach war davon betroffen. Bei Testspielen ist das relativ einfach möglich. Bei der Absage von Punktspielen wären massiv wirtschaftliche Interessen betroffen, zum Beispiel die der Fernsehsender.

Größere Sicherheitszonen Sicherheitsexperten bemängeln schon lange, dass die Kontrollen rund um die Stadien zu lax sind. Das liegt vor allem an den fehlenden Sicherheitszonen, die schon weiträumig um die Arenen gelten. Dadurch können mögliche Unruhestifter gezielt Druck auf die Eingänge erzeugen und so verbotene Gegenstände wie Pyrotechnik ins Stadion schleusen. Größere Sicherheitszonen bedeuten aber auch Einschränkungen für die Einwohner dort und die Geschäftsleute.

Mehr Sicherheitskräfte Besonders für die sogenannten Risikospiele stehen den Vereinen oft nicht ausreichend geschulte Sicherheitskräfte zur Verfügung. Gegen Köln wurden in Mönchengladbach doppelt so viele Ordner eingesetzt wie normalerweise. Beim Revierderby zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund am übernächsten Wochenende - dem nächsten Spiel mit hoher Krawallgefahr - kommen voraussichtlich rund 3000 Sicherheitskräfte zum Einsatz. Auch hier stellt sich die Kostenfrage.

Nur noch Sitzplätze Bei internationalen Begegnungen, wie etwa im Europapokal, werden nur noch Sitzplatztickets verkauft. Die Vereine rüsten ihre Stehplatzbereiche um. Als Folge der Stadionkatastrophen in Sheffield und Brüssel und auf Initiative der damaligen Premierministerin Margaret Thatcher schaffte die englische Liga die Stehplätze komplett ab. In Deutschland setzten sich die Interessenvertreter der Fans mit ihrem Begehren durch, weiterhin Stehplätze in der Bundesliga anzubieten. Die Vereine schätzen die Stehplatzbesucher, weil diese für Stimmung sorgen. Andererseits sind diese Ränge der Ort, von dem die Krawalle ausgehen.

Quelle: RP
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