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Borussia Mönchengladbach
Geduldsprobe für den Fußballgott

Borussia Mönchengladbach: Geduldsprobe für den Fußballgott
Tony Jantschke wurde zur Pause wegen einer Verletzung ausgewechselt. FOTO: ap
Leverkusen. Unter Lucien Favre war Tony Jantschke als formstarker Lieblingsschüler gesetzt. Bei André Schubert sitzt der Fan-Liebling öfter draußen, bekommt Defizite aufgezeigt, ist verletzungsgeplagt und nicht mehr erster Ersatz-Kapitän. Von Stefan Klüttermann

In der Einordnung des Geleisteten verlässt Tony Jantschke die Grenzen nüchterner Sachlichkeit nur in Ausnahmefällen. Und so analysierte er auch nach dem 0:5 von Leverkusen gewohnt unaufgeregt zu Protokoll: "Wenn wir die erste Linie der Leverkusener überspielt hatten, haben wir es nicht geschafft, den riesigen Raum in ihrer Hälfte zu nutzen. Wir hatten zuviel Druck und haben dann manchmal den langen, unkontrollierten Ball gespielt. Und in der zweiten Hälfte nach dem 2:0 und 3:0 sind wir natürlich eingebrochen."

Gerade, weil Jantschke den Blick fürs Wesentliche beherrscht, wird er vor allen anderen realisiert haben, welche Folgen für ihn persönlich der Trainerwechsel von Lucien Favre hin zu André Schubert hatte. Für keinen anderen Profi, nicht einmal für Thorgan Hazard oder Branimir Hrgota, änderte sich seitdem der Status so spürbar wie beim 25-Jährigen. Favres Ankunft in Gladbach 2011, so sagte es Jantschke immer wieder in Interviews, sei für ihn ein Glücksfall gewesen. Unter dem Schweizer war Borussias Eigengewächs gesetzt, Jantschke verdrängte Tobias Levels und avancierte bald zu Favres Lieblinsschüler. Er spielte außen, innen, auf der Sechs - irgendwo immer und irgendwie immer ordentlich.

Doch dann trat Favre zurück, und mit diesem Tag verschwand auch Jantschkes Lieblingsschüler-Etikett. Als Schubert seine Erfolgsserie startete, fehlte Jantschke mit einer schweren Unterschenkelprellung. Erst in den beiden Partien gegen Schalke in Liga und Pokal stand er, den die Fans "Fußballgott" nennen, wieder in der Startelf, dann setzte ihn eine Kapsel-Bänderdehnung im rechten Schultereckgelenk drei Spiele lang außer Gefecht. Danach waren die Protagonisten des Gladbacher Umschwungs längst andere. Jantschkes Wochenenddienste trugen auf einmal öfter das Prädikat "ohne Einsatz im Kader".

Unter Favre war Jantschke meist als Rechtsverteidiger gesetzt. Und wenn innen einer ausfiel, rückte "Mr. Zuverlässig" eben ein, und Julian übernahm die Außenposition. Unter Schubert sieht es so aus: Hinten rechts ist Korb gesetzt, und als innen Dominguez ausfiel, war relativ schnell Havard Nordtveit erster Ersatz - nicht Jantschke. Ja, selbst als im Rahmen des Projekts "Dreierkette" jüngst Korb vorgezogen agierte, rückte zweimal Nico Elvedi in die Startelf - nicht Jantschke. Schubert ließ die Öffentlichkeit auch wissen, warum Jantschke hinten dran sei. "Tony muss sich noch an das Durchverteidigen gewöhnen. Es ist eine Umstellung, relativ offensiv zu verteidigen, es wird aber im Training immer besser", sagte Schubert in der Vorwoche.

Hinzu kommt: In Abwesenheit von Martin Stranzl war Jantschke lange Kapitän gewesen. Dann übertrug Schubert während Jantschkes Ausfall im September Xhaka das Amt als pädagogisch-taktische Maßnahme. Indes: Als Jantschke gegen Schalke aufs Feld zurückkehrte, behielt Xhaka die Binde. Was Jantschke davon hielt, ist bis heute nicht publik geworden.

Nun in Leverkusen durfte Jantschke mal wieder ran. Als rechter Teil der Dreierkette - hinter Korb. Jantschke spielte - wie die Kollegen - schwach und musste mit einer Blessur am Knie, deren genaue Diagnose noch aussteht, zur Pause raus. Ob er auch ohne Verletzung ausgewechselt worden wäre, wurde Jantschke später gefragt. "Das kann ich nicht beurteilen", sagte er und lächelte.

Quelle: RP
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