| 17.22 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Gladbach verpatzt Generalprobe gegen Bilbao

Fotos: Borussia - Athletic Bilbao
Fotos: Borussia - Athletic Bilbao FOTO: afp, PST/bb/abm
Mönchengladbach. Bislang lief die Vorbereitung der Borussen gut. Vor einer Woche noch gab es eine reife Leistung beim 4:1-Sieg in Enschede. Bei der eigenen Saisoneröffnung unterlag das Team von Trainer Lucien Favre dem spanischen Champions-League-Qualifikanten Athletic Bilbao aber nun 1:3. Von Karsten Kellermann

Branimir Hrgota erzielte vor 17.497 Zuschauern das Gladbacher Tor, es war sein viertes in der Vorbereitung. Das letzte Testspiel der Vorbereitung ging verloren, weil die erste Halbzeit total missriet. Nach der Pause lief es besser, doch abwenden konnten die Gladbacher die Niederlage bei der Generalprobe für das Pokalspiel am 16. August in Homburg nicht mehr.

Borussia feiert Saisoneröffnung mit Fans FOTO: Dieter Wiechmann

Für den neuen Torhüter Yann Sommer war sein erstes Spiel im Borussia-Park ein bitteres Erlebnis. Es waren gerade mal 24 Minuten gespielt, da musste der Schweizer schon zum dritten Mal den Ball aus dem Tor holen. Und es war zum dritten Mal ein Treffer nach einer Ecke. Beim zweiten Gegentor sah Sommer zu allem Überfluss nicht gut aus. Beim Kopfball von Aritz Aduriz kam er im Fünfmeterraum zu spät. 

Vier Neue in der Startelf

Sommer war einer von vier Zugängen, die Favre bei der Generalprobe in die Startelf eingebaut hatte. Fabian Johnson spielte zunächst hinten rechts, vor ihm André Hahn und auf der linken offensiven Seite Ibrahima Traoré. Der Ex-Stuttgarter war im ersten Durchgang der einzige Borusse, der zumindest ansatzweise Gefahr ausstrahlte. Vor allem in der 37. Minute, als er flankte, doch Hrgota, der anstelle Max Kruses neben Raffael stürmte, brachte nur ein Kopfbällchen in Richtung Bilabo-Tor zuwege, Torwart Gorka Iraizoz wehrte den Ball relativ problemlos ab.

Die ansonsten recht rumpligen Bemühungen der Gladbacher in Richtung gegnerisches Tor wurde schon vor der Halbzeit mit Pfiffen quittiert. Es ging kaum etwas zusammen, nur Granit Xhaka brachte den Ball mit zwei Distanzschüssen zumindest mal aufs Bilbao-Tor – doch in beiden Fällen stellte er Iraizoz nicht vor allzu große Probleme.

Fotos: Borussias Neue singen beim Fan-Abend auf der Bühne FOTO: Dirk Päffgen

Diese hatte indes die Gladbacher Abwehr. Es stimmte nicht in der Abstimmung, das wurde vor allem bei den ersten drei Ecken der Basken deutlich. Zunächst kam Alvaro Dominguez, der sich eigentlich auf das Spiel gegen "alte Freunde" gefreut hatte, zu spät gegen Benat Etxebarria. Dann patzte Sommer und vor dem 0:3 flipperte der Ball wild durch den Borussen-Strafraum, bis Aduriz ihn aus kurzer Distanz über die Linie drückte. Da gab es dann doch Diskussionsbedarf bei den Gladbachern, die danach hin und her gestikulierten.

Es war eine ernüchternde erste Halbzeit für die Borussen. Vieles hatte in den bisherigen Testspielen gut geklappt, nun ging kaum etwas zusammen. Hinten war es phasenweise chaotisch, vorn ging kaum etwas Brauchbares zusammen. Vor allem über rechts ging wenig, weder Johnson noch Hahn konnten sich in Szene setzen. Auch Xhaka und Havard Nortveit konnte aus der Tiefe des Raumes keinen Druck entwickeln. Raffael war bemüht, aber auch ihm fehlte die Konsequenz.

Bilbao, das in den Play-offs zur Meisterliga auf den SSC Neapel trifft, ließ die Borussen zeitweise nach Belieben laufen, die Gäste kontrollierten das Spiel ohne großen Aufwand. So war es dann ein Gladbacher Ersatzmann, der Applaus aus der Nordkurve bekam. Als Tony Jantschke sein Aufwärmprogramm hinter dem Tor begann, riefen die Fans immer wieder seinen Namen. Die Borussen auf dem Spielfeld hatten den Fans bis dahin keinen Anlass für große Zuneigung gegeben. Jantschke kam nach der Pause für Dominguez.

Nach dem Seitenwechsel waren die Borussen bemüht, das Spiel freundlicher zur gestalten. Hahn setzte in der 47. Minute ein erstes Zeichen, als er aus spitzem Winkel knapp das Tor verfehlte. Es war der erste Torschuss des Ex-Augsburgers in dieser Partie. Kurz darauf kam Nordtveit zum Schuss, dieses Mal reagierte Iraizoz glänzend. Der Norweger schaltete sich nun öfter ins Spiel nach vorn ein. Es lief nun flüssiger bei den Borussen, das Spiel nach vorn wirkte durchdachter und war geordneter. Dafür wurden die Borussen belohnt.

Überblick: Borussias Gegner FK Sarajevo im Porträt FOTO: dpa, jkn mr

Raffaels Flanke schoss Hrgota zum 1:3 ins Netz. Hrgota zeigte wieder mal die Coolness vor dem Tor, die Lucien Favre so schätzt. Für Raffael war es die vierte Vorlage in der Vorbereitung. Das gesteigerte Engagement der Borussen gefiel den Fans, nun gab es immer wieder Szenenapplaus. Johnson rückte dann ins linke Mittelfeld, als Traoré raus ging, Julian Korb verteidigte nun hinten rechts. Favre testet Johnsons Vielfalt.

Deutlich besser lief der zweite Durchgang auch für Hahn. Der Rechtsaußen kam viel besser zur Entfaltung und traute sich mehr zu. Nachdem sein Schussversuch kurz nach der Pause das Zeichen für den Aufbruch der Borussen war, hatte er Pech in der 67. Minute: Nach Raffaels Pass rannte er los, doch sein Schuss knallte an den Pfosten. In der 76. Minute scheiterte noch einmal an Iraizoz. So blieb den Gladbacher ein freundlicheres Ergebnis verwehrt. Favre nimmt vor allem die Erkenntnis mit, dass er an der Abstimmung in den einzelnen Mannschaftsteilen noch arbeiten muss.

Favre: Drei Tore nach Ecken besonders ärgerlich

Trotz der Niederlage war Favre nicht völlig unzufrieden. "Wir haben drei Tore nach Ecken bekommen. Das ist besonders ärgerlich, denn die defensiven Standards waren in der vergangenen Saison unsere große Stärke", sagte der Borussen-Trainer. "Aus dem Spiel heraus haben wir aber wenig zugelassen. In der zweiten Hälfte lief das Spiel dann besser."

Lob gab es von Favre für Torschütze Hrgota. "Hrgota ist ein sehr guter Abschlusspieler. Mit seinen 21 Jahren muss er aber natürlich noch viel lernen. Auch die Neuen wie Hahn und Traoré müssen sich noch an unser Spiel gewöhnen, aber insgesamt machen sie das schon sehr gut." Ähnlich sah dies Jantschke. "Bilbao ist ein sehr starker Gegner, das hat man heute gesehen. Die drei Tore sind natürlich ärgerlich, positiv ist aber, dass wir aus dem Spiel heraus kaum etwas zugelassen haben. Wir müssen noch an der Abstimmung arbeiten, aber das ist mit den neuen Spielern ganz normal."

Eine Woche bleibt Favre nun noch, um an letzten Details zu feilen. Dann beginnt am Samstag mit dem Pokalspiel in Homburg für die Borussen der Ernst des Lebens.

 

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