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Borussia Mönchengladbach
Havard Nordtveit ist bereit für mehr

Einzelkritik: Herrmann verdient sich die Bestnote
Einzelkritik: Herrmann verdient sich die Bestnote FOTO: dpa, mjh hak
Mönchengladbach. Havard Nordtveit war zu Scherzen aufgelegt. Borussias Norweger und der Schwede Oscar Wendt hatten sich eine Sammlung von Last-Minute-Toren beim Videokanal YouTube angeschaut. "Oscar hat das offenbar falsch verstanden", sagte Nordtveit mit einem Grinsen. Von Karsten Kellermann

Denn Wendt traf nicht in letzter Minute, sondern in der ersten, genauer gesagt nach 28 Sekunden des Bundesligaspiels gegen Borussia Dortmund. Damit schuf er die Basis für das 3:1 gegen die Westfalen. Nordtveit selbst sorgte für die endgültige Entscheidung mit seinem 3:0 - auch er wartete damit nicht bis zur letzten Minute, sondern traf 23 Minuten vor dem Ende.

Nordtveit trat den Ball mit viel Nachdruck ins Tor, sein Jubel danach war ganz und gar nicht unterkühlt nach norwegischer Art. Ein wenig, gestand er, jubelte er da vielleicht auch den Frust heraus wegen der vielen Spiele auf der Bank. Nordtveit setzte mit seiner starken Darbietung gegen Dortmund ein klares Zeichen für den Rest einer Saison, die bislang doch etwas anders verlaufen ist, als er sich vorher erhofft hatte. Meist ist er nur zweite Wahl, denn die erste Doppelsechs bilden Granit Xhaka und Christoph Kramer. Letzterer war jedoch gesperrt gegen den BVB, weswegen Nordtveit neben Xhaka, der abermals der große Antreiber des Spiels war, Dienst tun durfte. Er machte es, als hätte er nie gefehlt: umsichtig, kampf- und laufstark, zudem mit einigen guten Impulsen nach vorn.

Die Sprüche des 28. Spieltags

Ob Nordtveit sich nun für weitere Startelf-Einsätze beworben hat, "muss der Trainer entscheiden". Dass er optimal mit Xhaka kooperierte, obwohl er zuletzt im Europa-League-Spiel in Villarreal mit dem Schweizer gemeinsame Sache gemacht hatte, überraschte weder Nordtveit noch seine Kollegen. "Howie ist im Kopf extrem klar, er ist ein super Spieler", sagte Patrick Herrmann. Nordtveit selbst berichtete, dass er immer positiv eingestellt sei, auch wenn es nicht so gut läuft. Vor allem sei es wichtig, bereit zu sein. "Wenn man bereit ist, spielt man gut, und ich war bereit", sagte er. Er ist auch bereit für mehr.

Mit seinem Tor stellte er einen persönlichen Rekord auf. Nie zuvor hat er mehr als ein Bundesligator pro Saison für Gladbach geschossen, jetzt hat er zwei. Außerdem hat er in der Europa League getroffen. Trainer Lucien Favre hatte vor der Saison von seinen defensiven Mittelfeldspielern mehr Torgefahr eingefordert, Nordtveit kam dem Wunsch des Trainers nun nach. Für ihn geht es auch darum, sich für die neue Spielzeit zu positionieren.

Fotos: Wendt trifft gegen Dortmund nach 28 Sekunden FOTO: afp, apr

Kramer ist dann weg, er geht zurück zu Bayer Leverkusen. Doch in Lars Stindl hat Borussia längst einen Mann verpflichtet, der den Job übernehmen kann. Stindl ist insbesondere einer, der für Tore aus der Tiefe gut ist. Zudem wird das Talent Mo Dahoud, der gegen Dortmund in den letzten Minuten des Spiels sein Bundesliga-Debüt feierte, eine größere Rolle spielen als er es aktuell tut. So kommt es Nordtveit, der seit Januar 2011 Borusse ist, ganz gelegen, sich gut aufzustellen. "Tore sind immer gut", sagte er. Dass er unermüdlichen Einsatz zu bieten hat ("Ich blute für mein Trikot"), weiß Favre längst.

Nordtveit und auch die beiden anderen Skandinavier im Borussen-Kader, Wendt und Branimir Hrgota, der aktuell keine Rolle spielt im Angriff, haben Verträge, die 2016 enden. Nordtveits Berater sei im ständigen Dialog mit Borussia, gab der Fußballer bekannt. Dass er sich vorstellen kann, noch lange für Gladbach zu spielen, hatte er vor einiger Zeit im Gespräch mit dieser Zeitung gesagt. Dass seine Zukunft in Gladbach auch weiter hinten liegen kann, ist eine Denk-Option. Nordtveit als Innenverteidiger aufzubauen, könnte ein Favre-Ansatz sein. "Das ist Spekulation", sagte Nordtveit. "Jetzt bin ich gerade Sechser. Aber wenn der Trainer etwas anderes sagt, dann mache ich das", fügte er hinzu. Dass Nordtveit immer eine gute Alternative ist, hat er gegen Dortmund gezeigt.

Quelle: RP
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