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Borussia Mönchengladbach
Traoré: "Wollte meine Familie auf andere Gedanken bringen"

Fotos: Traoré trifft per Außenrist gegen Hannover
Fotos: Traoré trifft per Außenrist gegen Hannover FOTO: dpa, mb jai
Mönchengladbach. Für Ibrahima Traoré war das 2:1 gegen Hannover 96 ein ganz besonderes Spiel. Zum einen traf der Ivorer zur Führung, zum anderen hatte er seine Familie nach den Anschlägen aus Paris geholt. Sie sah den Sieg und das Tor live im Stadion.

Herr Traoré, Sie haben bei Borussias 2:1 gegen Hannover 96 offenbar viel Spaß gehabt. Oder täuschte der Eindruck?

Traoré Natürlich hatte ich Spaß. Es war von uns allen ein gutes Spiel, vor allem in der ersten Halbzeit. Nach der Pause haben wir uns zunächst schwer getan, hatten aber dicke Chancen, das Spiel früher zu entscheiden. Aber das 2:1 ist okay.

Wie war es für Sie persönlich?

Einzelkritik: Sommer und Traoré ganz stark FOTO: Dirk Päffgen

Traoré Ich wollte Spaß haben. Meine Familie war im Stadion und ich wollte sie nach all dem, was in meiner Heimatstadt Paris passiert ist, auf andere Gedanken bringen. Fußball ist eine tolle Sache und er lenkt ab. Wir hatten alle viel Spaß, glaube ich: meine Familie, die Fans, die Mannschaft und ich. Wenn es dann noch erfolgreich ist, ist es umso schöner.

Sie haben Ihre Familie aus Paris geholt wegen der Situation dort nach den Anschlägen – das heißt Sie haben ein volles Haus.

Fotos: Lange Schlangen an Einlasskontrolle im Borussia-Park FOTO: Hans-Peter Reichartz

Traoré Oh, das kann man sagen, es sind insgesamt zwölf Leute da: Meine Mutter, mein Bruder, meine Schwester, meine beiden Cousins und und und. Das gefällt mir auch, ich habe gern viele Leute um mich herum. Und ich muss mir nicht jeden Tag Sorgen machen. Sie können hier ein wenig abschalten und auch an etwas anderes denken, als nur an die ganzen Sachen aus den Nachrichten.

Der Fußball hilft dabei?

Traoré Natürlich. Ich habe mich gefreut, dass wieder Bundesliga ist und ich mich auf den Fußball konzentrieren kann.

Was hat Ihnen besser gefallen: Ihr Treffer mit dem linken Außenrist oder der Pass auf Sie von Mo Dahoud?

Traoré Der Pass von dem Jungen. Es war ein super Pass von meinem kleinen Bruder.  Ich habe mit ihm in dieser Woche viel gesprochen. Ich habe ihm gesagt, dass er alles etwas leichter nehmen soll. Er ist ein überragender Spieler und es prasselt gerade viel auf ihn ein. Da muss man ihn ein bisschen schützen, das versuche ich.

Borussia ist nun Vierter. War damit zu rechnen nach dem Fehlstart mit sechs Pflichtspielniederlagen?

Traoré  Das ist Fußball. Es hat ja auch niemand gedacht, dass wir so schlecht starten, wie wir es getan haben. Dass es jetzt wieder gut läuft, überrascht aber keinen, denke ich. Wir müssen jetzt immer weiter machen und auch an uns glauben, wenn es nicht gut läuft. Wir müssen einfach versuchen, jedes Spiel zu gewinnen.

Insbesondere das am Mittwoch gegen Sevilla in der Champions League. Muss Borussia in dieses Endspiel mit der gewissen Lockerheit reingehen?

Traoré Auf jeden Fall. Wenn man sich zu viel Druck macht gegen solche Mannschaften, wird es schwer. Wir müssen so auftreten wie gegen Juventus Turin, aber mit ein bisschen mehr Erfolg. Wir haben viel Selbstvertrauen. Außerdem spielen wir zu Hause und wollen den ersten Sieg in der Champions League. Dafür werden wir alles tun.

Sie selbst sind aktuell sehr gut drauf. Liegt das auch an der Spielweise unter André Schubert?

Traoré Erst mal tut es natürlich gut, wenn man regelmäßig spielt. Das gibt Sicherheit. Die neue Spielweise ist auch gut für mich. Ich muss nicht mehr nur an der Linie entlang dribbeln, ich kann auch öfter nach innen ziehen und mich so mehr ins Spiel einbringen im Zentrum. Die Änderung hat mir gut getan.

Aufgezeichnet von Karsten Kellermann.

(are/kk)
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