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Borussia Mönchengladbach
Traorés Deal und der Mut der Borussen

Ibrahima Traorés Deal und der Mut der Borussia Mönchengladbach
Ibrahima Traoré kündigt eine offensive Borussia an. FOTO: afp, PST/bb
Mönchengladbach. Gladbachs Flügelstürmer erklärt vor dem Champions-League-Spiel gegen Juventus, warum er zwar nicht gern nach hinten arbeitet, es aber trotzdem gut macht. Und er kündigte an: "Wir werden offensiv anders auftreten als in Turin." Von Karsten Kellermann

In der Fremde werden weitreichende Studien angelegt, um dem wundersamen Comeback der Borussen nach dem Fehlstart auf den Grund zu gehen. Die BBC in England beispielsweise geht der Frage nach, was es denn auf sich habe mit dieser "wilden Ehe" zwischen Borussia und ihrem Trainer ohne Cheftrainer-Vertrag. Vielleicht, mutmaßt der Sender, sei gerade diese Ungebundenheit das Geheimnis des Erfolgs. In Italien wird indes vermutet, André Schubert sei ein Zauberer, ein Harry Potter, der mit magischen Kräften die Profis von sieglosen Letzten zu Seriensiegern gemacht hat. An anderer Stelle wird die teilnehmende Beobachtung zurate gezogen: Ob es bei Borussia immer so launig zugehe wie auf der gestrigen Pressekonferenz vor dem heutigen Spiel gegen Juventus Turin, wollte ein Reporter aus Italien wissen. Und ob das möglicherweise das Geheimnis des Erfolgs am Niederrhein sei?

Fotos: Borussia trainiert vor Heimspiel gegen Juventus FOTO: Dirk Päffgen

Schubert und Ibrahima Traoré, die Protagonisten des Medientermins, hatten Spaß an der Frage. Nein, er habe keinen Zauberstab, versicherte Schubert. Eher gebe es Zauberer auf dem Rasen, wie beispielsweise Traoré, und auch nur dort, auf dem Platz, werde gezaubert. Der Rest sei keine Magie, sondern harte Arbeit. Gleichwohl, schob Schubert nach, sei einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren im Fußball, den Spaß nicht zu verlieren, zudem dürfe man nicht an sich zweifeln. Traoré gab an, Schubert habe ihm und den anderen Borussen sowohl Selbstvertrauen als auch Spaß zurückvermittelt, und das sei eigentlich das Geheimnis der Geschichte.

Dazu kommt, dass Spieler wie er ganz einfach tun, was der Trainer sagt (das ist im Fußball immer so, wenn der Erfolg da ist, denn wer siegt, hat immer recht). "Ich verteidige nicht gern. Aber wir wollen Punkte holen, also tue ich es", berichtete Traoré und gab bekannt, dass es quasi einen Deal mit Schubert gibt: "Er hat mir nach vorn alle Freiheiten gegeben, dafür hat er gesagt, ich muss defensiv mitmachen." Das indes hat er schon in seinem ersten Borussen-Jahr bei Lucien Favre gelernt, da indes musste er sich noch daran gewöhnen, denn zuvor in Stuttgart gab es keine Defensiv-Aufgaben für die Offensivkräfte.

Heute gegen Turin muss wieder der "komplette" Traoré funktionieren: Der, der nach hinten mitarbeitet und den rechten Verteidiger* unterstützt. Aber auch der, der wilde Ideen nach vorn hat. Denn Tore müssen her gegen die italienischen Defensivkünstler und die Torwart-Legende "Gigi" Buffon. Ein Punkt könnte schon zu wenig sein, wenn es darum geht, mindestens Platz drei in der Gruppe zu erreichen.

Juve-Fans singen sich in Mönchengladbach warm

Beim 0:0 in Turin wurde hinten rum nahezu perfekt gearbeitet. "Nach vorn fehlte uns aber etwas der Mut", gestand Traoré. Null Torschüsse zeugen davon. "Wir müssen drei Punkte machen und werden vor unseren Fans offensiv anders auftreten - mit viel mehr Mut", kündigte der Flügelstürmer an. Die Kunst des Torerfolgs haben die Borussen wieder für sich entdeckt, seit Schubert da ist. 24 Treffer gab es, verteilt auf neun Spiele, das ist ein wettbewerbsübergreifender Schnitt von 2,7. Hält Borussia diese Quote, dürfte es etwas werden mit dem ersten Sieg in der Champions League.

Ohne Magie, aber mit Zauberfußball, Konzentration und Spielfreude wollen es die Borussen schaffen. Turin wird auf seine Art versuchen, Borussia zu entzaubern: Hinten dichtmachen und vorn lauern. "Wir dürfen nicht ins offene Messer laufen", weiß Verteidiger Leonardo Bonucci. Es klingt nach einem Plan, der spaßfeindlich ist.

*Julian Korb war gestern noch mal beim Arzt, wenn er nicht spielen kann, wird wie in Berlin Havard Nordtveit einspringen, da Tony Jantschke weiter ausfällt.

Quelle: RP
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