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Borussia Mönchengladbach
In aller Ruhe in die Champions League

Borussia Mönchengladbach: In aller Ruhe in die Champions League
Tobias Strobls Qualität ist es, nicht so sehr aufzufallen – denn dann hat er seine Aufgaben zufriedenstellend erledigt. FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Tobias Strobl war im Frühjahr Borussias Neuzugang. Vielleicht auch deshalb hatten ihn viele zum Start der Vorbereitung nicht auf dem Zettel. Auf der Pressekonferenz stellte er eine seiner Qualitäten unter Beweis: Der Defensiv-Allrounder lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Von Karsten Kellermann

Eine Genugtuung ist es nicht für Tobias Strobl. Das stellt er flugs klar. Trotzdem hat es denen bewiesen, die ihn, den ersten Zugang für diese Saison, fast schon vergessen hatten, wenn es darum ging, das neue Gladbacher Team aufzustellen, das es kurzsichtig war, ihn zu übersehen. Klar, Christoph Kramer gehört dazu, natürlich Jannik Vestergaard, der Lulatsch aus Dänemark.

Aber Strobl? Nein, so recht hatte ihn keiner auf dem Schirm. "Mich hat niemand auf dem Zettel gehabt, dass ich mich hier durchsetzen werde. Aber es ist doch schön, von hinten das Feld aufzurollen und zu zeigen, was man kann", sagte er bei einem Pressegespräch im Trainingslager am Tegernsee.

André Schubert zählt Strobls Vorzüge auf

Dass es überhaupt Anlass gab für diese Sätze, kann Borussias Trainer André Schubert nicht verstehen. Ob denn einer, der ablösefrei sei, nicht interessant sein könnte, fragte er während der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Play-off-Rückspiel gegen Bern in die Runde.

Die Antwort gab er selbst: "Nein, Tobi hatten wir immer auf dem Zettel", sagte Schubert und zählte eine lange Liste mit den Vorzügen des Spielers auf: "Tobi ist ein sehr variabler Spieler, der in Hoffenheim sowohl in der Dreierkette als auch im defensiven Mittelfeld zum Einsatz gekommen ist. Dadurch, dass er diese Positionen schon in ähnlicher Weise gespielt hat, konnte er sich bei uns schnell hereinfinden und sich fußballerisch integrieren. Tobi ist sehr kopfball- und zweikampfstark und sehr ruhig im Spielaufbau, was unserem gesamten Spiel sehr gut tut", führte Schubert aus.

Beim ersten Pflichtspiel der Saison, im Champions-League-Play-off in Bern, beförderte er Strobl daher in die Startelf. Strobl spielte den zweiten Sechser neben Christoph Kramer, um so dem baumlangen Guillaume Hoarau in Schach zu halten. Es war ein Schlüssel zum Sieg, auch wenn zweimal das Glück half, als Hoarau den Aufpassern entwischt war.

Strobl spielte insgesamt gut, weil unaufgeregt. Dass er auch im Rückspiel dabei ist, ist gut vorstellbar. Im Training gehörte er zu einer der Dreierkettenvarianten, die Schubert ausprobierte. Da könnte er spielen, aber eben auch vor der Abwehr, je nach Ausrichtung des Borussen-Spiels: Will Schubert mehr Kreativität in der Zentrale, werden Mo Dahoud oder Jonas Hofmann spielen. Will er vor allem solide Arbeit im Zentrum des Gladbacher Spiels, dann Strobl.

Der neue "Mr. Zuverlässig"

Der trägt die Nummer 5, die Nummer, die früher der Libero hatte. Das passt. Im Verbund mit Kramer hat er dann den defensiveren Part inne, der Kollege ist der, der mehr nach vorn geht. Strobl sorgt für Ruhe und Ordnung in der Tiefe des Raumes. Gerade heute, da es eher die Berner sind, die eigentlich anrennen müssen, könnte der neue "Mr. Zuverlässig" wieder hilfreich sein.

Am Dienstag saß er erst mal in der ersten Reihe. Mit André Schubert war Strobl bei der Pressekonferenz zum Spiel heute Abend. Es wird sein erstes Pflichtspiel sein im neuen heimischen Stadion. Schon beim 0:0 gegen Lazio Rom, als nur 20.000 Fans dabei waren, war er begeistert. Aber nun? Das Stadion voll, es gibt eine große Choreografie der Fans, die Champions-League-Hymne läuft, ein Flutlichtspiel – das hat alles, was einem Fußballer Spaß macht.

Das sind auch die Momente, wofür Strobl Borusse geworden ist. "Ich weiß ja nicht, ob ich zur Startelf gehöre und einlaufe, aber ins Stadion zu kommen, die Fans und die Hymne zu hören, darauf freue ich mich", sagte Strobl´. Ähnlich geht es dem Kollegen Vestergaard, der aus Bremen kam, zuvor aber mir Strobl für Hoffenheim spielte. Auch der lange Däne steht vor seinem Pflichtspiel-Heimdebüt als Borusse.

Geht es nach Strobl, gab es vorher gar nichts. Zumindest nicht das Hinspiel in Bern, das 3:1 gewonnen wurde. "Wir denken gar nicht an das Hinspiel. Am Mittwoch beginnt ein neues Spiel beim Stand von Null zu Null", sagte Strobl. Den Weg in die Champions League beschrieb er gänzlich unaufgeregt: "Wir müssen einfach unsere beste Leistung zeigen und dürfen unsere gute Ausgangsposition nicht aus der Hand geben. Wir wollen zeigen, wer Chef im eigenen Haus ist und voll konzentriert sein. Dann gehen wir auch als Sieger vom Platz."

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