| 07.23 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Jantschkes Jagd nach dem zweiten Tor

Porträt in Bildern: Das ist Tony Jantschke
Porträt in Bildern: Das ist Tony Jantschke FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. Wann er sein letztes Tor erzielt hat? Tony Jantschke wusste das noch ziemlich genau. "Hey, so lange ist das auch noch nicht her", sagte er lachend auf die Anspielung, dass die Zeitspanne gefühlte Ewigkeiten umfasst. Von André Schahidi

"Das war letzte Saison gegen Köln", sagte er – wie aus der Pistole geschossen. Nein, Tony Jantschke ist wahrlich nicht Borussias Offensiv-Wunderwaffe. Drei Bundesliga-Tore erzielte der 22-Jährige bislang, säuberlich verteilt über drei verschiedene Spielzeiten.

Vielleicht lag es an den alten Freunden auf der Tribüne, dass sich der Rechtsverteidiger mal wieder auf seinen Torriecher verließ. Unter den Blicken von Marco Reus und Roman Neustädter, die ihre alten Gladbacher Kollegen besuchten, hämmerte Jantschke einen von Juan Arango verlängerten Eckball zum 2:0 unter die Latte. "Ich war in Rücklage, habe den Ball irgendwie erwischt", gab er hinterher ehrlich zu Protokoll.

Mit dem Angreifen hat es Jantschke nicht so. Das weiß er selbst. Das drückte auch seine Jubelgeste aus. "Ich wollte mich ein bisschen fassungslos über mein Tor zeigen", sagte Jantschke – auch als Fingerzeig für die Ex-Kollegen auf den Rängen des Stadions, die sich immer wieder über die fehlenden Offensiv-Impulse ihres Freundes amüsierten.

Es ist ein kleiner Zwiespalt, in dem Jantschke steckt. Defensiv macht dem gebürtigen Sachsen keiner was vor. Er gewinnt 64 Prozent seiner Zweikämpfe, macht kaum Fehler und hält die rechte Seite – aktuell auch dank tatkräftiger Unterstützung von Lukas Rupp – ziemlich dicht.

Jantschke ziert sich bei Flanken

Doch die Statistik spricht auch eine andere Sprache. Nur zehn Flanken schlug Jantschke in dieser kompletten Spielzeit. Oscar Wendt, der weniger als die Hälfte der Spielminuten Jantschkes vorweisen kann, brachte den Ball immerhin achtmal in den gegnerischen Strafraum. Der moderne Außenverteidiger hält nicht nur seine Seite dicht, er geht auch, an dem Flügelspieler vorbei, bis zur Grundlinie, um den Pass in den Strafraum zu bringen. Aktionen, für die Jantschke gar nicht vorgesehen ist. Wenn Wendt (oder Daems) nach vorne geht, verschiebt sich der Defensivverbund zu einer Dreierkette – mit Jantschke auf der rechten Seite.

Dabei wären offensive Außenbahnen gerade in dieser Saison von substanzieller Bedeutung für die Gladbacher. Mit Luuk de Jong kam ein typischer "Strafraumspieler", der gerne lange und hohe Bälle in den Sechzehner bekommt. Und diese Bälle kommen eben von den Seiten – von den Rupps, Arangos – und Außenverteidigern dieser Welt.

"Ich gehe schon bei Standards immer mit nach vorne", sagte der Filmfan. Um Unruhe im Strafraum zu stiften. Dass ein verlängerter Ball dann doch plötzlich seinen Fuß findet, ist Zufall – freut Jantschke aber um so mehr. Der 22-Jährige hat mit Borussia schon viel erlebt. Abstiegskampf, Höhenflug – und genau deshalb findet er die aktuelle Situation gar nicht so schlimm. "20 Punkte, das ist doch zum aktuellen Zeitpunkt völlig in Ordnung. Wir wollen uns nachhaltig etablieren – und sind da auf dem richtigen Weg."

Nur eines, das würde Jantschke gerne noch ändern. "Ich will endlich einmal zwei Tore in einer Saison schießen", sagt er.

Genug Zeit, dieses Ziel auch in die Tat umzusetzen, hat er zum Glück noch.

(RP/ac/seeg/das)
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