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Borussia Mönchengladbach
Das schlimmste Foul der Saison

Übersicht: Die Horror-Verletzungen der Fußball-Profis
Übersicht: Die Horror-Verletzungen der Fußball-Profis FOTO: dpa, puc hak
Mönchengladbach. André Hahn fehlt nach dem Tritt von Johannes Geis monatelang. Der Schalker wird für fünf Spiele gesperrt – auch für das Pokalspiel. Von Karsten Kellermann

Der Sünder war reuig. Knapp 90 Minuten nach seiner Tat stellte Johannes Geis am Sonntag ein umfangreiches Entschuldigungsschreiben bei "Facebook" ins Internet. "Ich habe ihn in der Situation nicht gesehen und habe seine Bewegung falsch eingeschätzt", erklärte der Mittelfeldspieler von Schalke 04 das schlimmste Foul dieser Bundesliga-Saison, bei dem der Mönchengladbacher André Hahn der Leidtragende war. "Es tut mir leid, André", schrieb Geis auf, was er dem Borussen auch persönlich mitgeteilt hatte.

Selbst viele Gladbach-Fans zollten ihm für seine Worte Respekt (mancher vermutete dahinter indes eine PR-Strategie). Experten diskutierten, ob Geis' Tritt Absicht war oder nicht. Das DFB-Gericht ordnete die Aktion als "rohes Foulspiel" ein. Geis wird wettbewerbsübergreifend für fünf Pflichtspiele gesperrt. So fehlt er auch am Mittwoch, wenn Schalke und Gladbach in der zweiten Runde des DFB-Pokals erneut aufeinandertreffen. Zudem ordnete DFB-Richter Hans E. Lorenz eine Geldstrafe von 15.000 Euro an.

Hahns Lage ändert sich weder durch das Urteil noch durch die Klärung der Frage, warum Geis ihn derart gefoult hat. Er wird seinem Beruf monatelang nicht nachgehen können. Der Schienbeinkopf ist gebrochen, und der Außenmeniskus ist gerissen. Gestern wurde Hahn operiert. Die OP sei gut verlaufen, teilte Borussia mit. Für Hahn ist es ganz bitter. Schon zu Beginn der Saison hatte er gefehlt. Gerade erst hatte er sich richtig herangearbeitet und mit seinem Doppelpack beim 5:1 in Frankfurt Selbstvertrauen getankt. Nun gab es den brutalen Rückschlag. Hahns Verletzung lag wie ein Schatten über dem verdienten 3:1-Sieg der Gladbacher gegen Schalke. Der Schock stand nicht nur Sportdirektor Max Eberl ins Gesicht geschrieben. Patrick Herrmann, der wegen eines Kreuzbandrisses auch lange fehlt, eilte gleich von der Tribüne runter in die Kabine, um dem Kollegen beizustehen. "Wenn man selber was am Knie hat, leidet man doppelt mit. Als André auf dem Platz die Hand hob, wusste ich, dass da was Schlimmeres passiert ist", sagte er.

Herrmann und Hahn sind nur zwei der vier Mönchengladbacher Langzeit-Verletzten. Martin Stranzl fehlt nach seinem Augenhöhlenbruch, und Nico Schulz hat einen Kreuzbandriss. In den Jahren zuvor waren die Borussen vom Verletzungspech weitgehend verschont geblieben, jetzt trifft es sie mit voller Wucht. Die Situation stellt die Breite des Kaders auf die Probe. Die Offensivmänner Thorgan Hazard und Josip Drmic, die zuletzt kaum eine oder gar keine Rolle spielten, rücken somit nach vorn.

Ob sie das schon am Mittwoch im DFB-Pokal tun, wird André Schubert entscheiden. Der Trainer hat bislang kaum rotiert, doch der eine oder andere seiner Stammkräfte, vor allem der junge Mo Dahoud, wirkten etwas müde. So könnte es eine leicht veränderte Gladbacher Mannschaft sein, die denselben Gegner wie am Sonntag nun in dessen Stadion herausfordert. "Skurril" nennt Gladbachs Sportdirektor Max Eberl die Konstellation, binnen vier Tagen zweimal Schalke zu treffen. Dass Johannes Geis nicht spielen darf, dürfte dem Wiedersehen etwas Schärfe nehmen.

(can/RP)
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