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Borussia Mönchengladbach
Johnson trifft auch ohne Post vom Trainer

Johnson trifft kurz vor Schluss zum 3:3 in Hoffenheim
Johnson trifft kurz vor Schluss zum 3:3 in Hoffenheim FOTO: afp, agz
Sinsheim. Borussias US-Amerikaner sichert mit seinem ersten Bundesliga-Doppelpack das 3:3 bei seinem Ex-Verein 1899 Hoffenheim. Eine Zettel-Anweisung von André Schubert brauchte er dafür nicht. Er ist Struktur- und Führungsspieler. Von Karsten Kellermann

Fabian Johnson hat keine Post bekommen. Nico Elvedi, der bei seiner Einwechslung den einen oder anderen Zettel von Trainer André Schubert zustellen musste, hatte nichts für ihn dabei. Lars Stindl bekam einen, auch Granit Xhaka. Es waren Anweisungen taktischer Art. Johnson kam indes ohne schriftliche Instruktionen des Trainers klar. "Ich habe keinen Zettel bekommen", gab er bekannt.

Worauf es ankam, wusste er auch so: Borussia wollte nicht verlieren, und dafür sorgte Johnson in der 87. Minute mit seinem zweiten Tor an diesem Tag: Einen Konter schloss er kühl zum 3:3 ab. Borussias Vize-Präsident Rainer Bonhof, früheres Mitglied der legendären Fohlenelf, deren Spezialität schnelle Gegenangriffe waren, war begeistert. "Es war ein unglaublich zielstrebiger Konter, einer, wie wir ihn uns wünschen. Fabian hat ihn mit großer Coolness vor dem Tor gekrönt. Wie er die beiden Verteidiger aussteigen lässt und auch Torwart Baumann ausguckt, das war schon klasse gemacht", sagte Bonhof.

Die Treffer gegen Hoffenheim, seinen Ex-Klub, waren Johnsons erster Doppelpack in der Bundesliga und seine Saisontore zwei und drei. Beim 4:2 gegen Sevilla am Mittwoch hatte er auch zum zweiten Mal in der Champions League getroffen. "Fabian war eigentlich immer ein Spieler, der sich für die Mannschaft aufgeopfert hat. Im Moment ist er auch extrem produktiv und effektiv", befand Bonhof. Die neue Qualität, die Johnson vor dem Tor zeigt, ist für Sportdirektor Max Eberl ein wichtiger Entwicklungsschritt des US-Amerikaners. "Fabian war schon in der vergangenen Saison ein wichtiger Strukturspieler. Das ist er auch jetzt. Und wenn er dazu auch noch Tore macht, wird aus dem Strukturspieler ganz schnell ein Führungsspieler", sagte der Manager. Trainer André Schubert sieht bei Johnson auch ohne Tore alle Anforderungen erfüllt, die einen Führungsspieler ausmachen.

Nach seinem Wechsel von Hoffenheim nach Gladbach hatte sich Johnson 2014 zunächst schwergetan. Nach einer ganz starken WM kam er erst später an bei Borussia, und zunächst wurde gerätselt, wo er denn nun spielen sollte: hinten rechts oder auf der linken Außenbahn. Dort sah ihn Ex-Trainer Lucien Favre und setzte ihn hartnäckig dort ein. Favre behielt recht: In der Rückrunde sorgte gerade das Duo auf links, Oscar Wendt und Johnson, für Stabilität. Zu Beginn dieser Saison war Johnson angeschlagen und fehlte - erst als André Schubert übernahm, war er wieder bereit. Schubert nutzte das und setzte wieder auf die Kooperation des Schweden und des Amerikaners.

Die Statistik zeigt, dass Johnsons Anwesenheit im Gladbacher Spiel durchaus ein Baustein des Erfolgs ist. In den 26 Spielen, die Johnson von Beginn an mitmachte, gab es nur eine Niederlage und 19 Siege. Er ist passsicher (gegen Hoffenheim kam er auf eine Quote von fast 90 Prozent), hat eine gute Zweikampfführung (am Samstag gewann er 57,1 Prozent). Dass er früher bei 1860 München, wo er ausgebildet wurde, "fast alles gespielt hat, auch Stürmer", hat sicherlich seinen Torinstinkt geschult, den er nun in Sinsheim auslebte wie nie zuvor in der Bundesliga. "Groß nachgedacht habe ich bei den Toren nicht, ich habe den Ball einfach reingemacht", sagte Johnson (27).

Auch jenseits der Statistik verkörpert er die Faktoren, die Schubert nun auflistete, als es darum ging, den seriellen Erfolg der Borussen zu erklären. "Erstens ist da eine Selbstverständlichkeit, die das Vertrauen bringt, erfolgreich sein zu können, zweitens eine gute Fitness und drittens ein großes Herz und großer Wille", sagte Schubert. So holten Johnson und seine Kollegen den 1:3-Rückstand auf.

Nach seinem 3:3 stand Johnson im Mittelpunkt. Erst beim mannschaftlichen Jubel auf dem Platz, später bei der Fragerunde in der Mixedzone. Eine Freude ist ihm so etwas nicht, Johnson ist auf dem Platz keine Ich-AG, sondern definiert sich als Teamplayer.: "Ich versuche immer, mannschaftsdienlich zu spielen". Nach seinem Selbstverständnis trifft er daher auch nicht für sich, sondern für das Gladbacher Gemeinwohl. Bei seinen Toren sei er es eben gewesen, der am Ende imposanter Kombinationsketten gestanden habe - es hätte auch jeder andere sein können. Seinem Trainer zeigt Johnsons Bilanz vor allem, dass "wir von allen Positionen gefährlich sein können".

In Hoffenheim zeigte Johnson nebenbei Mut. Nach dem Spiel wagte er sich trotz seiner Tore in die Kabine seines Ex-Vereins. Ungemach widerfuhr ihm da nicht. Mut wird es auch am Samstag brauchen, wenn Borussia die Bayern herausfordert. Und gerade in diesem Spiel wird es auch auf einen wie Johnson ankommen, einen, der für Struktur und Balance zuständig ist. Als ursprünglicher "Löwe" würde es ihn natürlich besonders freuen, die "Roten" zu besiegen. Zugeben würde Johnson, der die Kunst der Ent-Emotionalisierung perfekt beherrscht, das nicht. Er hält es allgemein, wie üblich: "Wir werden versuchen, die Punkte zu behalten", sagte er. Mit oder ohne Post vom Trainer.

Quelle: RP
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