| 14.42 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Kleine Dinge mit großer Wirkung

Max Eberl packt die Säge aus
Max Eberl packt die Säge aus FOTO: Dirk Päffgen
Meinung Borussias Trainingslager im spanischen Marbella ist vorbei. Dort hat sie mit ihrem neuen Trainer Dieter Hecking genau den richtigen Start hingelegt. Jetzt geht es zurück in den kalten Alltag am Niederrhein. Von Jannik Sorgatz, Marbella

Dieter Hecking schien die Sonne ins Gesicht, als er die Tage in Marbella zusammenfasste. Lichtschutzfaktor 20 hätte zum Abschluss nicht geschadet. Normalerweise sollte das Wetter im Sport nicht als allzu großer Faktor ins Kalkül gezogen werden. Aber es darf behauptet werden, dass die Bedingungen in Spanien das Gesamtbild, das Borussia unter ihrem neuen Trainer abgibt, besser untermauerten als dick eingepackte Spieler, die auf dem Trainingsplatz aussehen wie Roald Amundsen auf dem Weg zum Südpol.

So war dann auch der Last-Minute-Erfolg im zweiten Testspiel gegen Zulte Waregem ein passender Abschluss, am Mittwoch wurde nur noch regeneriert. Mit null Kopfballtoren hatte Borussia das erste Halbjahr in der Bundesliga beendet, gegen die Belgier gelang Jannik Vestergaard plötzlich eines. Fünf Treffer waren ihr in der Liga insgesamt nur in der zweiten Halbzeit gelungen, in den beiden Testspielen am Dienstag fielen alle vier nach der Pause. Nach einem Rückstand hatte Gladbach lediglich noch einen Punkt geholt, in Marbella machte die Mannschaft aus einem 0:1 noch ein 2:1. Es hätte nur noch ein Jokertor gefehlt, um hinter fast alle großen Probleme der Krisenzeit im Herbst einen Haken zu machen.

Last-Minute-Erfolg gegen Zulte Waregem FOTO: Dirk Päffgen

Die Borussen sollten reflektiert genug sein, um die beiden Siege gegen Zulte Waregem und Würzburg nicht überzubewerten. Allerdings sind sie wichtige Teile des ersten größeren Bildes, das sich nach einer Woche unter dem neuen Trainer zeichnen lässt. Dass es bei 18 Grad und Sonne leichter fällt, auf 102,5 Prozent à la Christoph Kramer zu kommen, ist da natürlich ein Randaspekt.

"Jedes Erfolgserlebnis hilft", sagt Hecking. Niemand wird den Spielern verbieten, sich auch an den kleinen Dingen hochzuziehen. Sie haben unter André Schubert schließlich das Gegenteil erlebt, wie schnell ein Negativstrudel aus eben diesen kleinen Dingen entsteht: eine viel diskutierte Auswechslung gegen Schalke, zwei verschossene Elfmeter gegen Hamburg, ein kurioses Gegentor gegen Köln, kläglich vergebene Chancen gegen Hoffenheim – schon war die Lawine nicht mehr aufzuhalten.

Dass ab einem gewissen Punkt scheinbar alles schiefging, war dann jedoch nicht mehr nur unglücklich. Manchmal ist der Fußball eben verdammt ehrlich, und in Marbella war zu beobachten, wie einfach er zudem sein kann. Es findet keine surreale Befreiung wie im September 2015 nach Lucien Favres Rücktritt statt, sondern eine, die in wohldosierten und erklärbaren Bahnen verläuft. Der bodenständige, umgängliche und arbeitsliebende Hecking – die Attribute haben ihre Berechtigung – ist nicht als großer Inspirator aufgetreten in seiner ersten Woche als Borussia-Trainer. Er macht die erwartbaren Dinge, aber er macht sie gut. Um die enorme Konkurrenzsituation zu schüren, muss er kaum bewusste Reizpunkte setzen. Das kommt von alleine. Denn die individuelle Qualität ist einfach hoch.

Borussia hat eine "saubere" Mannschaft, wie Sportdirektor Max Eberl immer wieder betont. Im Herbst ist ihr das sanfte Gemüt ein wenig zum Verhängnis geworden, doch schon jetzt präsentiert sich das Harmoniebedürfnis wieder als Stärke. Da kann es vielleicht nicht schaden, ab Freitag bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zu Hause die Arbeit aufzunehmen. Denn Marbella war lediglich ein guter Anfang – und auf Düsseldorf, wo am Samstag der Telekom Cup stattfindet, folgt schnell genug Darmstadt.

 
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