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Borussia Mönchengladbach
Kölner Ultras als reuige Sünder

Drei Kölner Fans nach Fanbus-Attacke vor Gericht
Drei Kölner Fans nach Fanbus-Attacke vor Gericht FOTO: dpa, obe fdt
Mönchengladbach. Drei ehemalige Mitglieder der "Wilden Horde" müssen sich mehr als drei Jahre nach einer Attacke auf einen Reisebus mit Borussen-Fans vor dem Landgericht in Köln verantworten. Alle drei Angeklagten zeigten sich geständig. Von Sebastian Eußem

Gleich zu Beginn des Prozesses legten die drei Männer im Alter von 26 bis 30 Jahren ein Geständnis ab. Man habe einen schweren Fehler begangen. Sie entschuldigten sich beim Busfahrer, den Insassen und dem 1. FC Köln. Man sei vom eigenen Verhalten enttäuscht. In den teils vorgelesenen Erklärungen betonten die Angeklagten, ihre karitativen und sozialen Aktivitäten in der Ultra-Gruppierung "Wilde Horde", zu der sie mittlerweile nicht mehr gehörten.

Ein Angeklagter (27), Sohn eines Anwalts und früher Vorstandsmitglied der "Wilden Horde", will zukünftig Kinder unterrichten. Er studiert Germanistik und Sozialwissenschaften mit dem Berufsziel Gymnasiallehrer. Er soll sich als Fahrer eines Kleintransporters vor dem Reisebus positioniert und ihn durch Ausbremsen auf den Rastplatz gedrängt haben. Der älteste der drei Angeklagten (30) hat soziale Arbeit studiert. Ihm wird Nötigung und Landfriedensbruch im besonders schweren Fall vorgeworfen.

Fußball-Fans attackieren gegnerische Fans FOTO: dpa, Roland Weihrauch

Rückblende: Am Abend des 4. März 2012, als sich die Kölner auf die Rückkehr vom Auswärtsspiel des FC in Hoffenheim machten, verfolgten die drei Angeklagten im Verbund mit circa 40 bis 50 Kölner Ultras einen Bus mit Anhängern von Borussia Mönchengladbach und zwangen den Fahrer zur Ausfahrt auf die Raststätte Siegburg. Der dritte Angeklagte (26), Kfz-Lackierer, begründete die Tat so: "Wir wollten Macht demonstrieren und Eier zeigen."

Alternative Erklärungsversuche lieferte der Lehramtsstudent: Er habe nicht die Absicht gehabt, im Zusammenspiel mit anderen Kölnern den Bus einzukesseln, er habe nur durch das Setzen des Blinkers kurz vor der Ausfahrt der Raststätte den Insassen des Busses signalisieren wollen, "dass Köln jetzt da sei" und man zu einer körperlichen Auseinandersetzung auf dem Rastplatz bereit sei. Wäre es dazu gekommen, fügte der 27-Jährige hinzu, hätte er sich nicht beteiligt, da er so etwas noch nie getan habe.

Übersicht: Platzsturm, Bus-Attacke und Pezzoni-Hetze

Die Täter gingen offenbar davon aus, dass sich Mönchengladbacher Ultras im Reisebus aufhielten. Als man erkannt habe, dass es sich um "normale" Fans handelte, habe man den Rastplatz verlassen, um "die Szenerie aufzulösen", so der Student. Geschlagen hätte man sich nur mit Mönchengladbacher Ultras. Dass der Bus mit Fahnenstangen und Tritten attackiert wurde, bestätigten aber alle drei Angeklagten.

Den Gebrauch von Ketten, Schlagstöcken und Eisenstangen durch andere Mitglieder der "Horde" hätten sie, entgegen der Anklage, nicht mitgekriegt.

Die Problem-Fans der NRW-Vereine

Alle drei erklärten, sich nach den bereits verhängten Stadionverboten von der aktiven Fanszene entfernt zu haben. Bereits am Donnerstag wird der Prozess fortgeführt. Dann kommen der Busfahrer und Insassen zu Wort. Die Angeklagten hoffen auf milde Bewährungsstrafen.

Quelle: RP
 
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