| 19.33 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Kramer rettet Gladbach einen Punkt gegen Stuttgart

Kramer bewahrt Gladbach vor einer Auftaktpleite
Kramer bewahrt Gladbach vor einer Auftaktpleite FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach hat einen Stolperstart in die neue Bundesliga-Saison hingelegt. Die Fohlen kamen gegen den VfB Stuttgart trotz über weite Strecken ordentlicher Leistung nicht über ein 1:1 (0:0) hinaus und verpassten damit, vor dem immens wichtigen Rückspiel in der Play-offs zur Europa League am Donnerstag gegen FK Sarajevo (Hinspiel 3:2) noch einmal Selbstvertrauen zu tanken. Von Karsten Kellermann

Christoph Kramer hatte es angekündigt. "Er hat im Training gesagt, dass er eigentlich ein Tor schießen muss, weil er auch in den letzten beiden Rückrundenspielen der vergangenen Saison getroffen hatte. Er wollte seine 100-Prozent-Quote halten", sagte André Hahn, der neue Offensivmann von Borussia Mönchengladbach nach dem 1:1 gegen den VfB Stuttgart. Kramer hielt Wort: Er bewahrte seine Mannschaft mit seinem späten Treffer nach seiner Einwechslung vor einer Heimniederlage im ersten Saisonspiel.

Gladbach ehrt Weltmeister Kramer FOTO: dpa, fg fpt

"Dafür ist unser Weltmeister da", sagte Hahn und grinste. Derweil staunte Torhüter Yann Sommer über die große Präsenz des Mittelfeldspielers. "Er ist mit viel Power reingekommen und hat uns Antrieb gegeben. Er ist eine große Persönlichkeit und kann uns sehr viel helfen", sagte der Schweizer. Kramer setzte mit seinem Tor die unglaubliche Geschichte fort, die ihn zuvor bis zum WM-Sieg in Brasilien geführt hatte.

Dabei war er am Sonntag zunächst gar nicht für eine Hauptrolle eingeplant. Bevor der Alltag Bundesliga losging, wurde der Weltmeister geehrt. "Christoph Kramer" brüllte die Nordkurve, und der 23-Jährige, der sich an seinen Einsatz im WM-Finale des DFB-Teams gegen Argentinien nicht erinnern kann, bekam von Borussias Chefetage ein Präsent. Danach nahm Kramer auf der Bank Platz. Granit Xhaka und Havard Nordtveit spielten im defensiven Mittelfeld.

Von seinem Sitzplatz aus sah Kramer eine vor allem nach der Pause überlegene Borussia, die jedoch ihre Chancen nicht konsequent nutzte. Als die Abwehr inklusive Yann Sommers einmal zu arglos war, traf Maxim (51.).

Hrgota trifft das leere Tor nicht FOTO: afp, agz

In der 72. Minute kam Kramer. Man spürte seine Motivation bis auf die Tribüne, er wollte unbedingt etwas bewegen. Seine erste Aktion: ein toller Pass auf den ebenfalls eingewechselten Thorgan Hazard, der aber nur den Pfosten traf. Kramer forderte ständig den Ball und sorgte mit seiner Laufarbeit für Unruhe in der Stuttgarter Defensive. "Ich habe gebrannt und mich gefreut, wieder auf dem Platz zu stehen. Das Unentschieden fühlt sich aufgrund des Spielverlaufs wie ein Sieg an", sagte Kramer.

Bevor er kam, hatte zuvor vor allem der frühere Stuttgarter Ibrahima Traoré die VfB-Abwehr beschäftigt. Der Linksaußen war der aktivste Borusse, er war viel unterwegs und sorgte mit seinen Flanken immer wieder für Gefahr. Vor der Pause war er an allen gefährlichen Aktionen vor Stuttgarts Tor beteiligt. In der 20. Minute enteilte Traoré nach einem langen Ball Nordtveits, die Hereingabe war wohl temperiert, doch Daniel Schwaab spitzelte den Ball Branimir Hrgota vom Fuß. Eine Minute vor der Pause zirkelte Traoré den Ball auf Raffaels Stirn, der dessen Kopfball flog über die Querlatte. "Wir haben nicht schlecht gespielt und hatten viele Chancen, die wir nicht konsequent genutzt haben", befand André Hahn.

In der 48. Minute sah Christoph Kramer von der Bank aus dann, wie der sonst so coole Hrgota nach einer Nordtveit-Flanke aus kurzer Distanz das Tor verfehlte. Der Schwede raufte sich die Haare, während Kramer mit den anderen Ergänzungsspielern zum Aufwärmen hinter das Tor von Yann Sommer trabte. Kaum war er dort angekommen, lag der Ball im Netz.

Maxim kam völlig frei zum Schuss und ließ dem zögerlichen Sommer keine Chance (51.). Borussia drängte danach, war aber glücklos. Als dann aber kurz vor Schluss Ibrahima Traoré Alvaro Dominguez auf links schickte und dieser Kramer bediente, zeigte der Weltmeister die nötige Coolness: Er guckte Sven Ulreich aus und schoss den Ball ins Netz – 1:1 (90.). "Wahnsinn", staunte Hahn.

(sid)
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