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Borussia Mönchengladbach
Krauss: "Futsal ins Fußballtraining einbinden"

Mönchengladbach. Der frühere Borussen-Trainer Bernd Krauss spricht über Athletic Bilbao, das am 9. August Borussias Gegner im Saisoneröffnungsspiel ist, Deutschlands Chancen bei der Weltmeisterschaft in Brasilien, fehlende Typen im deutschen Team und sein Engagement für Futsal.

Herr Krauss, Sie haben als Trainer lange in Spanien gearbeitet, kennen also die Liga dort. Athletic Bilbao kommt am 9. August zu Borussias Saison-Eröffnungsspiel. Ein guter Gegner?

Der ehemalige Gladbach-Coach Bernd Krauss spricht sich für eine Einbindung von Futsal in den Trainingsbetrieb aus. FOTO: Dieter Wiechmann

Krauss Ah, das ist interessant. Ich bin gerade im Baskenland, in der Nähe von San Sebastian, rund 120 Kilometer von Bilbao entfernt. Das ist auf jeden Fall ein guter Gegner. Es ist eine der besten Mannschaft in Spanien. Der Klub spielt nur mit Basken, ist also sehr traditionsbewusst. Jupp Heynckes hat ja da gearbeitet, Athletic hat viele gute, junge Spieler hervorgebracht.

Fotos: Die Trainer-Galerie von Borussia Mönchengladbach FOTO: dpa, mb jhe

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1982 haben Sie für Österreich gespielt und waren beim Skandalspiel in Gijon dabei. Deutschland wurde in Spanien damals Vize-Weltmeister. Ist nun in Brasilien der Titel drin?

Bundesliga 13/14: Die Choreografien von Borussia FOTO: RPO/Dirk Päffgen

Krauss Ich glaube es nicht. Dafür sind die Probleme zu groß mit den verletzten Spielern.

Trotzdem: Deutschland war immer eine Turniermannschaft ...

Krauss Richtig, das war immer so. Aber da hatten wir auch noch andere Charaktere, die auch mal ein Spiel herumgerissen haben. Solche Spieler sehe ich im Moment nicht. Da ist keiner, der Zeichen setzt und mal dazwischenhaut. Die Jungs sind in meinen Augen einfach zu brav. Das ist aber auch ein Ausdruck unserer Zeit. Ich will nicht sagen, dass die Spieler geklont sind, aber irgendwie werden sie doch alle in ein Schema F gepresst. Wer ausbricht, hat keine Chance mehr. Da sehe ich schon eine Gefahr. Man muss auch Spieler haben, die eine Mannschaft mitreißen und Spiele entscheiden können. Man braucht Alphatiere.

Dem Titelverteidiger Spanien fehlt Carles Puyol, der aufgehört hat. Er war ein Alphatier.

Krauss Er ist einer der Spieler, bei denen man sieht, wie wichtig sie sind, wenn sie nicht mehr das sind. Das hat sich auch beim FC Barcelona gezeigt. Es ist Ramos bei Real Madrid, der vorn wegmarschiert und seine Mitspieler wachrüttelt. Man wird sehen, wie es bei Spanien geht.

Ronaldo, der mit Portugal gegen Deutschland spielt, wird oft als Poser bezeichnet. Ist er ein Typ?

Krauss Definitiv. Ihn liebt man oder man hasst ihn. Aber die Fakten sprechen für ihn. Er hat viele entscheidende Tore geschossen, hat immer den absoluten Siegeswillen. Er ist ein großartiger Fußballer.

Besteht die Gefahr, dass Deutschland bei der WM schon in der Vorrunde scheitert?

Krauss Man muss es abwarten. Das erste Spiel kann entscheidend sein für ein Turnier - und da wartet mit Portugal, sprich: Ronaldo, ein starker Gegner. Die klimatischen Bedingungen werden eine Rolle spielen - und Deutschland hat zum ersten Mal die Situation, dass die Winterpause kurz war und die Spieler hohe Belastungen in den Knochen haben.

Die USA und Ghana sind ebenfalls unangenehme Gegner. Können das Stolpersteine werden?

Krauss Ja. Die USA darf man nicht unterschätzen und auch Ghana nicht. Normalerweise gewinnt Deutschland diese Spiele, aber es wird sehr spannend werden.

Wer wird Weltmeister?

Krauss Schwer zu sagen. Aber, wie gesagt, ich sehe eine Mannschaft aus Südamerika vorn. Brasilien als Heimmannschaft hat natürlich großen Druck. Argentinien darf man nicht vergessen, auch Chile nicht.

Erwarten Sie taktische Neuerungen?

Krauss Ich denke, das ist langsam alles ausgereizt. Das Tor steht immer noch in der Mitte und wir spielen immer noch Elf gegen Elf. Ob da einer jetzt hoch verteidigt oder der andere gegen den Ball spielt - es wird immer viel erzählt. So viel hat sich auch nicht geändert. Trotzdem freue ich mich auf die WM. Eine WM in Brasilien, dem wahren Mutterland des Fußballs, das ist toll.

In Südamerika ist neben dem Fußball auch Futsal ein großes Thema. Sie sind aktuell sozusagen als Botschafter für Futsal unterwegs. Wie ist es dazu gekommen?

Krauss Ich habe Jörg Meinhard kennengelernt. Er hat in der Schweiz die Agentur Fantastic Futsal. Er hatte mich gefragt, ob ich helfen kann, Futsal bekannter zu machen. Ich kenne Futsal aus meiner Zeit in Spanien. Da gibt es eine Profiliga und Futsal hat einen großen Stellenwert. Auch in Südamerika. Ronaldo, Messi - sie haben alle als Kinder mit Futsal angefangen und sich da ihre Grundtechnik geholt. Das Spiel ist technisch hochklassig, Grätschen ist nicht erlaubt. Ich habe mir inzwischen einige Turniere, die EM in Antwerpen und das Finale um den DFB-Cup angeschaut - es ist hochinteressant.

Warum gibt es in Deutschland bei keine Futsal-Profiliga?

Krauss Das kann ich nicht sagen. Aber ich denke, es macht Sinn, das Thema zu pushen. Wir sind eine Fußballnation - und machen bei so etwas nicht mit, das kann nicht sein. In Antwerpen habe ich zwei DFB-Funktionäre, die da waren, darauf angesprochen, warum wir kein Futsal-Nationalteam haben. Sie sagten, das sei eventuell für 2016 geplant. Aber richtige Antworten gab es nicht. Die Jungs, die das hier machen, leisten echte Pionierarbeit. Der HSV hat zum Beispiel eine Futsalmannschaft, für die er keinen Cent ausgibt. Wir wollen nächstes Jahr ein Turnier organisieren, darüber haben wir schon mit dem Fernsehen gesprochen. Aber es ist ein langer Weg. Futsal steckt bei uns noch in den Kinderschuhen.

Was kann man tun?

Krauss In einigen Landesverbänden passiert schon etwas. In Bayern werden seit 2013 zum Beispiel alle Hallenturniere nach Futsal-Regeln gespielt - ohne Bande, auf Handballtore und mit dem speziellen Futsal-Ball. Das ist ein erster Schritt. Ich denke sogar, dass Futsal in die Fußballausbildung aufgenommen werden könnte, um die technischen Fertigkeiten der Spieler zu schulen. Ein, zwei Futsaleinheiten pro Woche ins Training einbinden - warum nicht. Das eine schließt das andere nicht aus. Darüber müsste man mit den Vereinen mal sprechen. Die Futsal-Jungs sind jedenfalls gut. Ich arbeite inzwischen in der Agentur Coaches and More von Gerd vom Bruch mit. Zuletzt habe ich einen Futsalspieler einem Fußball-Regionalligisten empfohlen. Der ist begeistert von dem Jungen. Wie gesagt: Viele Superstars aus Südamerika haben mit dem Futsal angefangen. Ich denke, da ist in Zukunft viel Potenzial zu erwarten.

Quelle: RP
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