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Borussia Mönchengladbach
Der Win-Win-Transfer

Fohlenelf nach zwei freien Tagen zurück auf dem Platz
Fohlenelf nach zwei freien Tagen zurück auf dem Platz FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Im Sommer wird Lars Stindl Borusse. Der Mittelfeldspieler wird vom neuen Arbeitgeber profitieren – und der Klub von ihm. Von Karsten Kellermann

Lars Stindl war ein begehrter Mann. Nun ist der Mittelfeldspieler bis 2020 vergeben. Ab Juli ist er Borusse. Es ist ein Transfer, der zwei Gewinner hat: Der Klub wird von dem Mittelfeldspieler ebenso profitieren wie Stindl von seinem künftigen Arbeitgeber.

Borussia hat die Nachfolge des scheidenden Weltmeisters Christoph Kramer auf smarte Art und Weise und vor allem frühzeitig geregelt. So gibt es Planungssicherheit, sportlich und wirtschaftlich. Stindl kommt für vergleichsweise "kleines" Geld, er kostet wegen der Ausstiegsklausel in seinem Vertrag in Hannover "nur" drei Millionen Euro. Somit hat Sportdirektor Max Eberl noch einigen Handlungsspielraum für eventuelle weitere Verstärkungen.

Trainer Lucien Favre hatte zuvor in Thorgan Hazard (21), den Borussia dem FC Chelsea für acht Millionen Euro abkaufte, einen noch sehr jungen Spieler mit großem Entwicklungspotenzial bekommen. In Stindl kommt ein "reifer" Akteur dazu, einer, der die Rolle der Führungsfigur als Kapitän in Hannover schon spielt und das auch in Gladbach tun wird. Stindl hat sich gerade während der beiden Europa-League-Saisons, die er mit Hannover bestritt, enorm entwickelt und ist zur Persönlichkeit gereift. Er bringt mit seinen 26 Jahren die Erfahrung von mehr als 200 Profispielen mit. Das tut dem Gladbacher Kader strukturell gut. Bislang ist Borussia im zentralen Mittelfeld sehr jung besetzt: Granit Xhaka ist 22, Christoph Kramer 23 und Havard Nordtveit 24, dahinter gibt es noch den 19 Jahre alten Mo Dahoud, dessen Zeit noch kommen soll.

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Stindl passt genau in Favres Anforderungsprofil für "Box-to-Box-Spieler": Er ist technisch und taktisch versiert, ist zweikampf- und laufstark und arbeitet auch fleißig nach hinten. Zudem vergrößert er die Torgefahr aus der Zentrale heraus. 19 Tore hat er in 147 Bundesligaspielen erzielt, das ist eine gute Quote. Favre will mehr diesbezügliche Effektivität, um sein Team noch unberechenbarer zu machen. Xhaka hat schon öfter geliefert in dieser Saison, er hat wettbewerbsübergreifend fünf Tore erzielt und fünf vorbereitet. Stindl kommt aktuell auf sechs Ligatreffer und zwei Vorlagen – in 14 Spielen. In der Summe lässt das für die neue Spielzeit auf ein torproduktives Mittelfeld hoffen.

Stindl kommt zunächst mal als Ersatz für den scheidenden Weltmeister Kramer. Doch er ist variabel verwendbar in der Zentrale: Er hat in Hannover auf der rechten Außenbahn begonnen und wurde dann in die Mitte versetzt. Er kann also neben der "Sechs" auch die offensive Position spielen, die also, die aktuell vor allem Raffael einnimmt. Das gibt Lucien Favre möglicherweise den Spielraum für neue taktische Gedankengänge: Zwar favorisiert der Trainer eisern sein 4-4-2-System, doch könnte er mit Stindl auch über ein Mittelfeld-Dreieck nachdenken: ein Sechser (Xhaka) und zwei Achter (Raffael/Stindl) und davor dann mit seinen vielen starken Flügelspielern einen Dreierangriff bilden. Das wäre eine Variante, die beispielsweise Pep Guardiola bei den Bayern gern spielen lässt.

Stindl ist ein lernwilliger Spieler, Favre ein Trainer, der Spieler nachweislich besser machen kann und ein klares Konzept hat. Stindl kommt in eine homogene Mannschaft, in der er seine Stärken einbringen, sich aber auch weiterentwickeln kann. Er kann in Gladbach für sich persönlich den nächsten Schritt machen – vor allem auch wegen der internationalen Perspektive, die wohl sogar Champions League heißen wird.

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Stindl weiß, dass er bei einem Klub wie Borussia mehr in den Fokus der Nationalmannschaft rücken wird als in Hannover. Borussia gilt in der Bundesliga als "hip", das ist auch Bundestrainer Joachim Löw nicht entgangen (obwohl er den starken Tony Jantschke nach wie vor ignoriert). Der Klub bietet neben dem ruhigen, aufgeräumten Umfeld, das dem Menschen Stindl gefällt, die Aussicht, in der starken Atmosphäre im Borussia-Park zu spielen. Das mag er, das spornt ihn an.

Borussia und Lars Stindl – das passt. Es ist ein Win-Win-Transfer.

Quelle: RP
 
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