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Stindl, Hazard, Raffael
Borussias Trio lässt Trainerherzen höherschlagen

Lars Stindl, Thorgan Hazard, Raffael: Bei Borussia Mönchengladbach unverzichtbar
Lars Stindl, Thorgan Hazard und Raffael jubeln. HSV-Torwart Christian Mathenia hat keinen Spaß. FOTO: dpa, mb soe
Mönchengladbach. Nur zwei Tore hat Borussia in der Hinrunde erzielt, ohne dass Lars Stindl, Thorgan Hazard oder Raffael daran beteiligt waren. Bei der Konkurrenz sorgen sie schnell für erhöhten Puls – teils vor Freude, teils vor Angst. Von Jannik Sorgatz

Noch ist nichts durchgesickert von der Gründung eines Stindl-Hazard-Raffael-Fanklubs unter den Bundesligatrainern, doch verwunderlich wäre es nicht. Dieter Hecking müsste nicht einmal den Vorsitz übernehmen, so manch einer seiner Kollegen saß in der Hinrunde baff auf dem Podium einer Pressekonferenz und lobte wie Augsburgs Manuel Baum die "sensationelle Qualität" in der Gladbacher Offensive.

Vor den Spielen gehört es zum mahnenden Pflichtprogramm, danach werden Lars Stindl, Thorgan Hazard und Raffael gerne gepriesen, um eigene Punktgewinne noch etwas aufzuwerten. "Kompliment besonders an die Offensive, wie sie im und am Strafraum mit einem Kontakt spielt", sagte Schalkes Domenico Tedesco, noch so ein potenzieller Fanklub-Vorsitzender. "Gefühlt hast du das Gegentor da schon immer geschluckt oder eine Elfmetersituation gegen dich."

Borussias Angriffstrio ist in gewisser Weise eine Erfindung André Schuberts - wenn man außer Acht lässt, dass Stindl, Hazard und Raffael sich aufgrund ihrer Stärke sowieso magnetisch anziehen. Heckings Vorgänger ließ sie in einem Dreiersturm wirbeln, was zumindest zu Hause (5:1 gegen Bremen, 4:0 gegen Stuttgart, 6:1 gegen Bern) ein paar Schützenfeste zur Folge hatte.

Borussias Scorerliste 2017/18 FOTO: Dieter Wiechmann

In der Jetztzeit sind Stindl und Raffael situativ Neuner, Zehner, Achter oder Sechser, Hazard hat beide Flügel ähnlich häufig eingenommen und im Zentrum als Raffael-Ersatz eines seiner drei Tore aus dem Spiel heraus erzielt. Die Rolle des vierten Mannes in der Offensive hat aufgrund von Verletzungen und Formschwankungen so oft gewechselt wie keine andere. Fabian Johnson, Vincenzo Grifo, Jonas Hofmann, Patrick Herrmann, Ibrahima Traoré - meist agiert Borussia vorne mit einem Drei-plus-eins-Eck. Vermarktbar wie "BBC" (Gareth Bale, Karim Benzema, Cristiano Ronaldo) bei Real Madrid sind "Raffazardl", "Staffazard" - oder wie auch immer sie eben niemand nennt - eher nicht. Dafür lassen sie die Zahlen sprechen: 18 der 30 Pflichtspieltore haben sie erzielt und zwölf vorbereitet, an gerade einmal sieben war das Trio nicht beteiligt.

Die Qualität der ligaweiten Lieblinge untermauert eine weitere Statistik, die im auf Tore fokussierten Fußball selten gewürdigt wird, im Eishockey dagegen schon: der vorletzte Pass. Von Stindl kam er neunmal, von Hazard siebenmal und von Raffael immerhin noch dreimal - macht zusammen 19 "Assist-Assists". Zieht man diese hinzu, fielen nur zwei Tore ohne Mithilfe des Trios. In Bremen fand Oscar Wendt mit seiner Ecke direkt den Kopf von Jannik Vestergaard. In Hoffenheim leiteten Denis Zakaria und Nico Elvedi eine Ecke zu Vestergaard - hereingebracht hatte sie allerdings Hazard, der also doch nicht so unbeteiligt war.

Und trotzdem dieser Werte umwehte auch Stindl, Hazard und Raffael das Gefühl, dass noch Luft nach oben ist, als es vor einer Woche in die Winterpause ging. Bei Stindl ist die Torquote im Herbst zurückgegangen, Hazard lässt aus dem Spiel heraus zu viele Chancen liegen und Raffael beschränkt sich seit August in regelmäßigen aber doch recht großen Abständen auf Doppelpacks. Das vereint sie mit dem Rest der Mannschaft: Die Bilanz stimmt, aber da geht noch was. Immerhin blieben die drei so gesund, dass sie 93 Prozent aller möglichen Einsatzminuten absolvieren konnten.

Wie es läuft, wenn sie die Spielfreude packt und sie ihren Ideenreichtum addieren, war im letzten Ligaspiel gegen Hamburg zu sehen. Da traf Raffael doppelt und bereitete einmal vor, Hazard traf, bereitete vor und legte eine Vorlage auf, Stindl kam auf zwei Assist-Assists. So waren sie beim 1:0 und beim 3:1 erstmals in der Saison ganz unter sich bei der Torproduktion. HSV-Trainer Markus Gisdol hatte naturgemäß wenig Spaß daran, mit welch klinischer Kreativität die Fehler seiner Mannschaft bestraft wurden.

Quelle: RP
 
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