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Borussia Mönchengladbach
"Projekt" Nizza überzeugt akribischen Favre

Fotos: Favre – akribischer Arbeiter und Ex-Gladbach-Trainer
Fotos: Favre – akribischer Arbeiter und Ex-Gladbach-Trainer FOTO: AP
Mönchengladbach. Fast auf den Tag genau acht Monate, nachdem Lucien Favre Borussia im Alleingang verlassen hatte, weiß die Öffentlichkeit nun, wo der frühere Gladbacher Erfolgstrainer ab Sommer arbeiten wird: Es ist der OGC Nizza, Tabellenvierter der abgelaufenen Saison in Frankreich und damit für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert. Von Stefan Klüttermann

Favre soll am Mittwochnachmittag an der Côte d'Azur vorgestellt werden. Wie sein neuer Verein gestern bekanntgab, unterschreibt der 58-jährige Schweizer für drei Jahre. "Unser Projekt hat Favre als akribischen und leidenschaftlichen Trainer überzeugt", teilte OGC mit.

Auch wenn Borussia zu den Details des Wechsels am Dienstag auf Nachfrage keine Angaben machte, ist davon auszugehen, dass Nizza und/oder Favres Seite sich im Vorfeld mit den Gladbacher Verantwortlichen auf die Bedingungen geeinigt hatten, zu denen Borussia bereit wäre, Favre aus seinem zwar ruhenden, aber noch bis 30. Juni 2017 laufenden Vertrag zu entlassen. Weil eben der Vertrag ruhte und Borussia so auch keine fortlaufenden Gehaltszahlungen an Favre leisten musste, ist entweder davon auszugehen, dass Nizza nun eine Ablösesumme für ihn gezahlt hat oder Borussia in Anbetracht von Favres Verdienst um den Klub einer entgeltlosen Aufhebung des Vertrages zugestimmt hat. Favre war Mitte April im Borussia-Park zu Besuch gewesen.

Dass Nizza am Ende Favres Ja-Wort erhielt, verwundert den ein oder anderen Beobachter, weil er in den vergangenen Monaten das Interesse namhafterer europäischer Klubs auf sich gezogen hatte (Olympique Lyon, Olympique Marseille, Galatasaray Istanbul, zuletzt der FC Everton). Aber bei genauerem Hingucken macht OGC als neue Station Sinn für Favre: Nizza hatte seit dem Amtsantritt von Vorgänger Claude Puel zweimal die Europa League erreicht, wäre aber 2013/14 als 17. auch beinahe abgestiegen. Seit dem letzten Aufstieg aus der zweiten Liga 2002 war Nizza zudem meist ein Kandidat fürs Tabellenmittelfeld. Das bedeutet: Die Erwartungshaltung wird sich im Rahmen halten, und einem Lucien Favre ist es viel lieber, gesunde Erwartungen durch seine Arbeit zu übertreffen, als sich von hochtrabenden Erwartungen unter Druck gesetzt zu sehen. Zudem beschreibt OGC Favres Aufgaben so, wie es ihm behagen dürfte – so, wie er es in Gladbach handhaben durfte: Er soll ein Gerüst aus jungen Spielern entwickeln und mit ihnen erfolgreich Fußball spielen.

Von Favres Vorgänger Puel hatte sich Nizza übrigens erst Stunden zuvor getrennt, mit der für die Branche durchaus üblichen Formulierung, man habe die zurückliegende Saison in Ruhe analysiert und Vorstellungen über die künftige Ausrichtung ausgetauscht. Dann habe man sich in gegenseitigem Einvernehmen getrennt.

Sollte Borussia in den Play-offs zur Champions League scheitern, wäre also in der Europa League ein Wiedersehen mit Favre möglich. Ein Gastspiel von OGC im Borussia-Park böte zumindest die Gelegenheit, ihn offiziell zu verabschieden.

Quelle: RP
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