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Der Coach des Gegners
Guardiola in Theorie und Praxis

Manchester City gegen Borussia Mönchengladbach: Pep Guardiola in Theorie und Praxis
Man kennt sich: Borussias Trainer André Schubert (r.) hat eine gute Bilanz gegen Pep Guardiola, jetzt Trainer von Manchester City. Zweimal spielten Schuberts Borussen gegen Guardiolas Bayern, einmal siegten sie, einmal gab es ein Unentschieden. FOTO: imago
Mönchengladbach. Manchester Citys Trainer Pep Guardiola hat viel Respekt vor den Borussen, weil er sie aus seiner Zeit bei Bayern München kennt. Von Jannik Sorgatz

Wenn Pep Guardiola mit Lob um sich wirft, dann kann es das Naheliegende bedeuten – dass er mit Lob um sich wirft. Diese scheinbare Banalität darf ruhig betont werden, denn es kann auch das komplette Gegenteil bedeuten. Oder irgendetwas dazwischen. Das weiß unterm Strich nur der Katalane selbst. Einmal hätte er beim FC Bayern "am liebsten 1000 Dantes" gehabt, ein paar Monate später hatte er gar keinen Dante mehr.

Deshalb sei das, was Guardiola gestern in seiner neuen Funktion als Trainer bei Manchester City über Borussia Mönchengladbach sagte, zunächst einmal wörtlich zitiert, um der journalistischen Chronistenpflicht gerecht zu werden: "André Schubert ist ein mutiger Trainer, sie haben eine sehr mutige Mannschaft, eines der talentiertesten Teams in ganz Europa."

Schon nach dem 2:1-Sieg im Derby gegen Manchester United am vergangenen Samstag hatte Guardiola den Champions-League-Auftakt gegen Gladbach als "Finale" bezeichnet, "um Platz zwei" stand dahinter unausgesprochen in Klammern. Davor zeigte er sich "besorgt" angesichts der Auslosung, die ihm neben einem Wiedersehen mit dem FC Barcelona eben jene zwei Duelle mit dem Verein bescherte, gegen den er zuletzt viermal in Folge nicht gewonnen hat. In die Dante-Schublade kann man Guardiolas Gladbach-Lobeshymne demnach wohl nicht stecken.

Selbst wenn man Worte wie diese hier dreimal filtert, mit 90 Grad wäscht und danach einfriert, steckt immer noch Anerkennung darin: "Wenn wir sie spielen lassen – puh. Dann werden wir leiden", sagte Guardiola ebenfalls. "Sie sind aggressiv, sie kämpfen Mann gegen Mann. Sie sind sehr, sehr intelligent mit dem Ball. Sie kontern meisterhaft. Deshalb ist es so kompliziert."

Man muss es ihm wohl nachsehen, denn genau das hat Citys neuer Coach bei Borussias 3:1-Sieg im Dezember 2015 oder beim 2:0-Erfolg in München im März desselben Jahres mit eigenen Augen gesehen.

Manchester City ist gut gestartet, hat die ersten vier Premier-League-Spiele gewonnen. In den Play-offs gab es ein 5:0 und ein 1:0 gegen Steaua Bukarest. Guardiola scheint den Citizens schon mehr Bayern- bzw. Barcelona- bzw. letztendlich Guardiola-Fußball eingeimpft haben, als viele Beobachter zum jetzigen Zeitpunkt prophezeit hätten. Scherzhaft könnten sie bei Borussia entgegnen, dass das aus ihrer Sicht kein schlechtes Zeichen sein muss. Sportdirektor Max Eberl hat Manchester zum Mitfavoriten auf den Titel ernannt. Im vergangenen Jahr gab es im Halbfinale gegen Real Madrid in zwei äußerst dürftigen Spielen ein 0:0 und ein 0:1.

"Ich glaube nicht, dass sich die Mannschaften auf die Schenkel klopfen, wenn sie in der Champions League gegen Gladbach spielen müssen. Ein gewisser Respekt ist schon da", sagt Borussias Trainer André Schubert. Dass Guardiola sie mit seinem Lob einlullen will, glauben die Gladbacher genauso wenig. Auch den wenig leidenschaftlichen Auftritt in Freiburg wird er nicht als Indiz sehen, dass das Duell heute zum Selbstläufer für City wird. "Er wird sich denken: Zweimal machen die das nicht", sagt Eberl.

So läuft es auf den Klassiker hinaus, wenn eine gute Mannschaft bei einem Weltklasse-Team zu Gast ist: Ruft die gute Mannschaft zu 100 Prozent ihr Potenzial ab und bleibt das Weltklasse-Team hinter seinen Möglichkeiten zurück, ist alles drin. Im Umkehrschluss kann die Angelegenheit allerdings auch deutlich aussehen.

Das war nicht anders, wenn Guardiola mit den Bayern auf Gladbach traf. Theoretisch zumindest, praktisch meistens nicht.

Quelle: RP
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