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Marvin Schulz im Interview
"Ich war ein bisschen verschollen"

Marvin Schulz: "Ich war ein bisschen verschollen"
Gladbachs Marvin Schulz. FOTO: dpa, gki kno
Mönchengladbach. Borussias Eigengewächs ist nach 200 Tagen Verletzungspause zurückgekehrt und spielte seither zweimal für die U 23. Mit unserer Redaktion sprach er über seine lange unfreiwillige Abwesenheit, sein Comeback und seine Pläne für die Zukunft.

Marvin Schulz weiß, was ein "verlorenes Jahr" in der Karriere eine Fußballprofis ist. Im letzten Spiel der Saison 2015/16 machte er sein letztes Spiel für Gladbach, dann wurde er vom hoffnungsvollen Eigengewächs zum ewigen Namen auf der Verletztenliste. Nach 200 Tagen kehrte er nun zurück, spielte wieder in der U 23 mit. Über seine Verletzungszeit, seine bevorzugte Position und seine Zukunftspläne sprach er mit Karsten Kellermann und Jannik Sorgatz.

Bei uns in der Rheinischen Post gibt es die Serie "Was macht eigentlich?". Ihnen hätten wir beinahe auch eine Folge widmen können aufgrund Ihrer langen Verletzungspause.

Marvin Schulz Ich war da, aber ein bisschen verschollen, das kann man so sagen. (lacht)

Wie schlimm war die Zeit?

Schulz Es war schon schwierig, mit einigen Tiefen.

Wann genau ging das los mit Ihren Adduktorenproblemen?

Schulz Ein bisschen fing es nach der letzten Saison bei der "Fohlentour" in der Schweiz an. Dann kam die Pause, in der ich natürlich nicht so viel gemacht und deshalb nichts gespürt habe. Das Vorbereitungsspiel gegen Mannheim habe ich noch mitgemacht, aber nach einer Halbzeit ging nichts mehr.

War direkt klar, dass das länger dauern würde?

Schulz Bei den Adduktoren kann man es nie so genau sagen. Es kann zwei Wochen dauern oder wie bei mir fast ein ganzes Jahr. Darauf musste ich mich erstmal einstellen, das fiel mir ein bisschen schwer. Im Winter hatte ich noch einen Sehnenteilriss, deshalb war nie abzusehen, wie lange es noch dauert.

Währenddessen ist viel passiert. Es gab den Trainerwechsel von André Schubert zu Dieter Hecking. Wie wurde in dieser Zeit mit Ihnen kommuniziert?

Schulz Dieter Hecking hat sofort mit mir gesprochen und mir die Zeit gegeben, die ich brauchte.

Samstag konnten Sie Ihr Comeback feiern: 27 Minuten für die U 23 gegen Aachen, am Dienstag gleich 55 Minuten von Beginn an in Siegen. Eine andere Bühne als die, auf der Sie vor Ihrer Verletzung unterwegs waren. Wie hat sich das angefühlt?

Schulz Es war auf jeden Fall schön, wieder auf dem Platz zu stehen, gegen eine andere Mannschaft zu spielen. Aachen hatte ja immerhin ein paar Fans dabei. Natürlich war es ein tolles Gefühl, nur der Sieg hat gefehlt. Aber den gab es dann in Siegen. Da sollte ich gar nicht anfangen, aber Steffen Nkansah hat sich beim Aufwärmen verletzt.

Sie haben jeweils auf der Sechs gespielt, so wie vor der Verletzung bei den Profis. Ihre ersten Spielen haben Sie aber in der Innenverteidigung gemacht. Wo sehen Sie sich eher?

Schulz Mehr auf der Innenverteidiger-Position, obwohl mir die Sechs auch liegt.

Hinten drin haben Sie zu Beginn der Saison 2015/2016, noch unter Lucien Favre, vier Pflichtspiele in Folge gemacht, zunächst an der Seite von Andreas Christensen. Warum ging es danach nicht mehr so gut weiter bei Ihnen?

Schulz Ich hatte eine kleine Verletzung und wurde krank. Dann hatte die Mannschaft nach dem Trainerwechsel einen Lauf. Da ist es schwer, reinzukommen, ich musste mich also erst einmal hinten anstellen.

Als junger Spieler ist das oft ein Dilemma: Entweder darf es insgesamt nicht so gut laufen oder aber man profitiert von Verletzungspech der Kollegen. So war es auch, als Sie die erste Chance bekommen haben.

Schulz Das stimmt, leider ist das so, obwohl es ja ein Teamsport ist.

Kurz vor Ende der Transferperiode im vergangenen Sommer war ein Wechsel nach Nizza im Gespräch, wo Lucien Favre inzwischen gelandet war. Sie haben denselben Berater. Was war da dran?

Schulz Es gab Gespräche, aber Gladbach hat gesagt, dass sie mich halten wollen und auf mich setzen. Damit war das Thema erledigt.

Werden Sie die Saison nun bei der U 23 zu Ende bringen?

Schulz Ja. Die Spielpraxis wird mir guttun, das ist besser, als oben auf der Bank zu sitzen.

Mo Dahoud geht, Andreas Christensen auch. Dadurch werden Planstellen auf Ihren Positionen frei. Gab es schon Gespräche, wie es in Zukunft weitergeht mit Ihnen?

Schulz Erst einmal will ich mich auf die letzten Spiele konzentrieren, richtig fit werden.

2018 läuft Ihr Vertrag bei Borussia aus. Ein Jahr vorher ist heutzutage ein neuralgischer Punkt. Gibt es schon Gespräche darüber, wie es in einem Jahr weitergeht?

Schulz Ich spreche natürlich jeden Tag mit meinem Berater. Dann werden wir sehen, was im Sommer passiert.

Was wird denn passieren? Geben Sie mal eine Prognose ab?

Schulz Das werden wir sehen. Gladbach ist auf jeden Fall meine Heimat geworden, ich spiele nun schon seit 13 Jahren hier. Mittlerweile kenne ich mich hier besser aus als in meinem Heimatort.

Wie sehr schmerzt es, wenn man in so jungen Jahren eine ganze Saison verliert?

Schulz Es war eine schwierige Zeit für mich, aber die hat mich auch weitergebracht. Ich habe gelernt, besser auf meinen Körper zu achten, und ich habe herausgefunden, an welchen Problemzonen ich arbeiten muss. Ich hatte einen gequetschten Wirbel, die Fehlbelastung hat dann die Leistenprobleme verursacht.

Haben Sie sich besonders mit Kollegen wie Patrick Herrmann oder Nico Schulz ausgetauscht, die in dieser Saison ebenfalls lange verletzt waren?

Schulz Auf jeden Fall. Mamadou Doucouré war ja auch das ganze Jahr raus, zwischendurch noch Ibo Traoré für ein paar Monate.

Wie weit sind Sie jetzt?

Schulz Ich bin auf jeden Fall schmerzfrei. Ein bisschen muss ich noch an der Kondition arbeiten. Aber das kann ich mir durch die Spiele bei der U 23 holen.

Borussias Nachwuchsleiter Roland Virkus hat in einem Interview mit unserer Redaktion gesagt, dass einer wie Sie vor ein paar Jahren längst ein gestandener Bundesligaspieler wäre. Können selbst Sie mit 22 Jahren sagen, dass der Fußball sich enorm entwickelt hat?

Schulz Es ist schon noch mal schneller und robuster geworden. Letztendlich musst du auch das nötige Glück haben und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Ein paar Spiele habe ich in meiner Laufbahn ja schon gemacht.

Quelle: RP
 
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